11.06.2008 | Autor: Thomas Weber
 

»WÜRZBURGER AUTOMOBIL GIPFEL« 2008

Elektroautos verändern Wertschöpfungskette

„Das Elektroauto wird schneller da sein, als wir es bisher glauben“, sagte Prof. Dr. Burkhard Göschel, CTO Vehicles and Powertrain Magna International, auf dem »Würzburger Automobil Gipfel« 2008.


Prof. Burkhard Göschel, Magna, und Prof. Spiegelberg, Siemens, sind sich einig, dass das Elektroauto die Rollen in der Branche neu verteilen wird.
Prof. Burkhard Göschel, Magna, und Prof. Spiegelberg, Siemens, sind sich einig, dass das Elektroauto die Rollen in der Branche neu verteilen wird.
Allerdings werde auf dem Weg zur Elektrifizierung des Autos der konventionelle Verbrennungsmotor auch in den nächsten Jahren die bedeutende Rolle spielen, fuhr Göschel in seinem Auftaktvortrag der gemeinsamen Veranstaltung von »Automobil Industrie« und des Network of Automotive Excellence (NoAE) fort.

Vor allem auf Langstrecken sei der Verbrennungsmotor kaum zu ersetzen. Deshalb dürfe die Branche Forschung und Entwicklung beim klassischen Antriebskonzept nicht vernachlässigen, so der Keynote-Speaker der Veranstaltung. „Es lohnt sich jede Investition in den Verbrennungsmotor, die den Verbrauch und damit den CO2-Ausstoß senkt.“

Umbruch ist Wachstumschance

Die Kundenwünsche nach umweltfreundlicheren Fahrzeugen sind Göschel zufolge für die Branche eine Wachstumschance. So sollten sich die Unternehmen nicht gegen diese Forderungen stellen, sondern Lösungen suchen. Auch die Herausforderung, kostengünstigere Autos herzustellen, müsse angegangen werden. „Anschaffungspreis und Unterhalt müssen leistbar sein“, sagte Göschel auch angesichts des steigenden Ölpreises. „Die Rückkehr zu billigem Öl gibt‘s nicht mehr. Der Ölpreis wird weiterhin steigen.“

Automobilindustrie „richtig unreif“

Nach seiner Ansicht ist die Automobilindustrie im Vergleich zu anderen Branchen „richtig unreif“. Dies resultiere daraus, dass sie permanent mit neuen Anforderungen konfrontiert werde. Vornehmlich sei dies derzeit neben dem Thema der aktiven und passiven Sicherheit die weitere Reduzierung der Emissionen – insbesondere des CO2-Ausstoßes. „Wir dürfen uns aber nicht gegen den Wandel stellen, sondern müssen die Chancen nutzen, die dadurch gegeben sind“, appellierte Göschel an die über 200 Teilnehmer der zweitägigen Veranstaltung.

Auch Werkstoffe kosten Energie

Kernziel müsse es sein, die Effizienz der Energienutzung im Fahrzeug weiter zu optimieren. Denn der Energiebedarf werde künftig weiter steigen. „Wenn wir nachhaltig agieren wollen, müssen wir in Zukunft nicht nur die Nutzungsphase, sondern auch die Entstehungsphase des Automobils in Augenschein nehmen“, konstatierte Göschel und fügte an: „Nicht nur das Antriebskonzept ist ausschlaggebend bei der Herausforderung Energieeffizienz.“

Auto als dezentrale Stromspeicher

Beim Blick auf das diesjährige Veranstaltungsthema „Mobilität 2015“ wagte Göschel ein interessantes Szenario: Mittelfristig werde es eine Einbindung von Elektroautos in das Stromnetz als Netzpuffer geben. „In Zeiten schwacher Stromnachfrage werden die Elektroautos aufgeladen. Sie dienen dann als dezentrale Stromspeicher und speisen Strom bei Bedarf wieder in das Netz ein.“

„Hybridfahrzeuge für nichts gut“

In der anschließenden Podiumsdiskussion erklärte Prof. Gernot Spiegelberg, verantwortlich bei der Siemens AG für den Bereich Elektroauto: “Hybrid-Fahrzeuge sind für nichts gut.“ Sie hätten zu viele Nachteile gegenüber dem reinen Elektroauto. Das Marktpotenzial für Elektrofahrzeuge bezifferte er auf 80 Prozent.

Wertschöpfungskette wird sich grundlegend ändern

Göschel argumentierte hingegen, dass der Hybrid-Antrieb vor allem bei Nutzfahrzeugen sinnvoll sei und hier ein Einsparungspotenzial von 20 bis 25 Prozent biete. Allerdings wiesen Göschel wie Spiegelberg die Zuhörer nachdrücklich darauf hin, dass das Vordringen der Elektroautos die gesamte Wertschöpfungskette des Automobilindustrie verändere. Elektromotoren gehörten nicht zu den Kernkompetenzen der Hersteller und könnten nicht mit der Marke in Verbindung gebracht werden. Deshalb würden sich die Automobilhersteller notgedrungen auf die Bereiche Design und Marketing zurückziehen, prognostizierte Göschel.

Prof. Burkhard Göschel, Magna International, und Prof. Gernot Spiegelberg, Siemens AG, im Interview mit Wolfgang Szygiol, ESG Deutschland zum Vortrag „Auto – Mobilität 2015“ http://www.wuerzburger-automobil-gipfel.de/files/interview_02.html




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