Interview zum Induktiven Laden

„Das bringt eine größere Flexibilität“

| Redakteur: Christian Otto

Das stationäre induktive Laden in der Stadt: kabellose Aufladung zwischen der Platte im Boden und im Fahrzeug. So könnte es vielerorts in Zukunft ablaufen.
Das stationäre induktive Laden in der Stadt: kabellose Aufladung zwischen der Platte im Boden und im Fahrzeug. So könnte es vielerorts in Zukunft ablaufen. (Foto: Qualcomm)

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Bei der Elektromobilität gilt das Laden per Kabel als die präferierte Technik. Doch mit der kabellosen, induktiven Variante bietet sich eine Alternative. Die Firma Qualcomm nennt ihren induktiven Ansatz „Halo“ und der verantwortliche Entwicklungschef, Dr. Grzegorz Ombach, stellt die Vorteile des Systems vor.

Herr Dr. Ombach, was ist vereinfacht ausgedrückt induktives Laden bei Elektrofahrzeugen?

Man kennt das induktive Laden schon von zu Hause, wenn man zum Beispiel elektrische Zahnbürsten lädt beziehungsweise bei Induktionsherden in Küchen. Der Unterschied zum induktiven Laden von Elektrofahrzeugen liegt darin, dass sie keine direkte Verbindung haben, sondern es besteht ein Abstand vom Fahrzeug und der im Boden integrierten Spule. Das bringt eine größere Flexibilität.

Wie kam Qualcomm dazu, diese Technik für die E-Fahrzeug-Beladung zu nutzten?

Qualcomm hat diese Technologie schon seit vielen Jahren entwickelt. Zuerst ging dies in Richtung der mobilen Telefone. Dann kam die Frage auf, was passieren würde, wenn man dies nicht nur für niedrige sondern auch für höhere Leistungen anbieten würde. Vor einigen Jahren haben wir dann hier die ersten Versuche gestartet. Dabei wurde deutlich, dass wir nicht nur drei oder fünf Watt wie bei den Telefonen transferieren können, sondern es gelang drei Kilowatt zu transferieren und dies über einen gewissen Abstand von Sender zu Empfänger. Die magnetische Resonanz wurde also zum Energietransfer genutzt.

Und wie gingen Sie dann weiter vor, um das Prinzip in die Serienreife zu bringen?

Wir haben dies damals noch mit eigenen Ressourcen entwickelt. Dann hat Qualcomm aber einen Partner gesucht, der schon länger Erfahrungen in diesem Bereich hat. Vor drei Jahren haben wir Halo IPT – ein Startup in Neuseeland – übernommen, das auch Namensgeber für die Technologie ist. Halo IPT hatte schon mehr als zwanzig Jahre in diesem Feld geforscht.

Dr. Grzegorz Ombach, Leiter des Halo-Projekts, sieht kare Vorteile in der induktiven Ladetechnik.
Dr. Grzegorz Ombach, Leiter des Halo-Projekts, sieht kare Vorteile in der induktiven Ladetechnik. (Foto: Qualcomm)

Derzeit liegt der Fokus in der E-Mobilität beim Laden aber immer noch bei der Lösung mit dem Kabel. Wie wollen Sie die OEMs von Ihrem Produkt überzeugen?

Wir müssen keine OEMs überzeugen. Der Kunde wird das übernehmen. So ist bei der Beladung mit Kabeln beispielsweise kein allesabdeckender Standard vorhanden. Mehrere Standards haben einen größeren Stecker zur Folge. Das verursacht Handlingnachteile für den Kunden. Dabei soll E-Mobilität eigentlich mehr Flexibilität bieten. Und hier ist unser Ladungssystem die passende Alternative.

Wie sieht es derweil mit dem Standard für kabelloses Laden aus?

Heute gibt es noch keinen Standard für Wireless Electric Vehicle Charging. Das heißt sie finden keine Standard der beschreibt wie die Einzelsysteme aufgebaut sein sollten, damit sie miteinander zusammenarbeiten können. Der Standard ist gerade im Entstehungsprozess. Wir erwarten, dass Anfang 2014 die erste Guideline in diese Richtung steht. Dies wird in den nächsten ein bis zwei Jahren im Feld geprüft und dann liegt erst in zwei bis drei Jahren ein Standard vor. Um diesen zu erreichen müssen gewisse Eckpunkte festgehalten werden. So gilt es eine einheitliche Frequenz zu finden. Sie muss von der OEM- wie der Infrastrukturseite freigegeben sein. Hier sehen wir aber schon eine Einigung.

Und wie sieht diese Einigung aus?

So gibt es einen Frequenzbereich, der frei verfügbar ist. Er liegt zwischen 80 und 90 Kilohertz. In dem Bereich arbeiten unsere Systeme und die OEMs und Tier-1 entwickeln auf dieser Basis. Wir haben also schon eine gemeinsame Basis – die gleiche Frequenz. Der zweite Punkt ist, dass die Platte am Boden und jene am Fahrzeug nicht nur die gleiche Frequenz sondern auch das gleiche Magnetfeld generieren. Es gibt dabei drei Systeme, die man aufgrund ihrer Spulentopografie verwenden könnte. Zwei gelten derzeit als Favoriten.

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