Antrieb

Der Diesel unter Druck: Gibt es Alternativen?

| Autor / Redakteur: Christian Otto, Claus-Peter Köth / Thomas Günnel

Der Ruf des Dieselmotors hat in den vergangenen Monaten massiv gelitten. Welche Rolle kann der Antrieb künftig noch spielen?
Der Ruf des Dieselmotors hat in den vergangenen Monaten massiv gelitten. Welche Rolle kann der Antrieb künftig noch spielen? (Foto: Porsche)

Der Ruf des Dieselmotors hat in den vergangenen Monaten massiv gelitten. Aktuell ringt die Politik um schärfere Emissionstests – wohl wissend, dass ein kompletter Verzicht auf den Selbstzünder zumindest kurzfristig utopisch ist. Doch welche Rolle kann der Diesel künftig spielen? Welche sind die Alternativen?

Das neue Jahr begann mit zwei für die deutschen Automobilhersteller vielversprechenden Messen in Las Vegas und Detroit. Doch unbeschwert konnten die Unternehmen die beiden Auswärtsspiele in den USA diesmal nicht angehen. Zu stark sind die Nachwehen der VW-Abgasaffäre, die in den Vereinigten Staaten ihren Ausgangspunkt nahm. Und so galt es insbesondere für VW, vor Ort Abbitte zu leisten. Gleichzeitig betonten alle deutschen OEMs sowohl in den USA als auch in der weltweiten Kommunikation, wie wichtig der Diesel sei, wolle man die CO2-Ziele erreichen. Auch ihr oberster Verbandsvertreter Matthias Wissmann, Präsident des VDA, erklärte auf der Detroiter Messe, der Diesel könne seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, und gab die Richtung vor: „Wir halten am Diesel fest.“

Die jahrelange Beliebtheit des Diesels erklärt sich vor allem durch seinen Verbrauchsvorteil gegenüber einem vergleichbaren Ottomotor. Dieser liegt bei rund 20 Prozent, da das Verbrennungsverfahren die Energie im Kraftstoff wesentlich besser ausnutzt. Dem entgegen wirkt der kohlenstoffhaltigere Kraftstoff. Bleibt eine um rund 15 Prozent bessere CO2-Bilanz. Diese Tatsache macht Dieselfahrzeuge derzeit zu einem unverzichtbaren Baustein, insbesondere bei der Umsetzung der europäischen Klimaschutzziele. Die Kehrseite der Medaille: Bei der Dieselverbrennung entstehen – resultierend aus dem spezifischen Verbrennungsverfahren – mehr Schadstoffe. Neben Kohlenwasserstoff (HC), Kohlenmonoxid (CO) und Partikeln waren es vor allem die Stickoxide (NOX), die die amerikanischen Behörden bei ihren Messungen im Fahrbetrieb in wesentlich höherer Konzentration nachwiesen, als von VW angegeben. Licht und Schatten liegen hier eng beieinander: Je besser die Verbrennung, desto höher die Temperatur und desto mehr NOX entsteht. Maßnahmen zur CO2-Senkung führen so oft zu höherer Stickoxidbildung und andersherum. Bei Euro-6-Fahrzeugen wird dieser Zielkonflikt durch die aktive DeNOX-Abgasnachbehandlung mit NOX-Speicherkatalysator und/oder SCR (selective catalytic reduction)-Technik gelöst.

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