Working-Capital-Studie

Deutsche Unternehmen nutzen liquide Mittel nicht optimal

| Redakteur: Christian Otto

Leoni-Chef Dieter Bellé gehört mit dem Zulieferer zu den führenden deutschen Unternehmen beim Thema Working-Capital-Management.
Leoni-Chef Dieter Bellé gehört mit dem Zulieferer zu den führenden deutschen Unternehmen beim Thema Working-Capital-Management. (Foto: Leoni)

Eine Studie von REL macht deutlich, dass deutsche Unternehmen ihr Umlaufvermögen nur unzureichend managen. Trotz der führenden Marktposition in Europa können auch deutsche OEMs und Zulieferer hier noch Potenziale heben.

Wie eine Studie von REL (ein Unternehmen der internationalen Hackett Group) zeigt, haben deutsche Großunternehmen im Geschäftsjahr 2014 ihr Working Capital, also ihr Umlaufvermögen, um 3,1 Prozent verschlechtert. Das ist ein Ergebnis der Untersuchung, die unter anderem 112 produzierende deutsche Unternehmen analysierte. Die Firmen wiesen dabei 2014 eine Kapitalbindungsdauer (Cash Conversion Cycle, CCC) von durchschnittlich 50,2 Tagen gegenüber dem Vorjahr mit 48,7 Tagen auf. Die 25 produzierenden DAX-Unternehmen lagen 2014 mit 54,8 Tagen CCC gegenüber dem deutschen Unternehmensdurchschnitt um 4,6 Tage schlechter. Der Cash Conversion Cycle (CCC), also die Kapitalbindungsdauer gibt an, wie viele Tage es braucht, bis jeder in Produktion und dem Verkauf vorgelagerten Prozessen gebundene Euro durch den Verkauf an den Kunden in Cash umgewandelt wird.

Insgesamt, das ergab die aktuelle Working Capital-Studie, in der 947 europäische Unternehmen (ohne Finanzsektor) untersucht wurden, liegen knapp 1,1 Billionen an Liquiditätspotential brach, die durch Optimierung von Kenngrößen wie dem CCC erschlossen werden könnten; bei den 112 untersuchten deutschen Großunternehmen liegt dieses Potenzial bei 241 Milliarden Euro und bei den 25 DAX-Unternehmen beträgt die brachliegende Liquidität immerhin noch 191 Milliarden Euro.

Keine Spitzenposition in Europa

Im europäischen Vergleich liegen die deutschen Unternehmen weit abgeschlagen: Der europäische Durchschnitt der 947 untersuchten Großunternehmen brachte es 2014 auf einen CCC-Wert von 34,8 Tagen gegenüber dem Vorjahr von 36,9 Tagen. Damit liegt der europäische Durchschnitt 2014 also um über 15 Tage besser als die durchschnittlichen deutschen Unternehmen.

Dieser enorme Unterschied liegt an mehreren Faktoren, so erklärt Paul Moody, Managing Director DACH: „Deutsche Unternehmen wuchsen 2014 am schnellsten in Europa und dank der unglaublich günstigen Kredite wurde die Optimierung des Umlaufvermögens zweitrangig. Zudem hat in Deutschland das Skonto bei frühzeitiger Zahlung Tradition und Deutschland hat erst im vergangenen Jahr – und damit relativ spät – die EU Late Payment Directive zum Gesetz gemacht.“ Jonas Schöfer, ebenfalls Managing Director bei REL, führt weiter aus: „Die europäischen Unternehmen zahlen ihre Rechnungen im Schnitt nach 63,1, die deutschen Unternehmen bereits nach 51,4 Tagen, DAX-Unternehmen sogar schon nach 48,6 Tagen. Und: Die deutschen Unternehmen stehen in Europa einzig da, was die Mischung der sehr kapitalintensiven Produktion und die Fertigungstiefe angeht. Das aber bedingt auch eine intensive und auf größere zeitliche Reichweite ausgelegte Lager- und Vorratswirtschaft, die mehr und länger Kapital bindet.“

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