Wirtschaft

Diesel-Affäre bremst deutsche Hoffnungen

| Autor: Christoph Baeuchle

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, beantwortete auf der Detroit Motor Show 2016 die Fragen der Journalisten. Kernthema: Die Diesel-Affäre, die dem Image des Diesels vor allem in den USA geschadet hat.
Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, beantwortete auf der Detroit Motor Show 2016 die Fragen der Journalisten. Kernthema: Die Diesel-Affäre, die dem Image des Diesels vor allem in den USA geschadet hat. (Foto: Volkswagen)

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Die VW-Diesel-Affäre hat die jahrelangen Bemühungen der deutschen Hersteller in den USA ausgebremst. Der VDA rechnet mit erheblichem Schaden und erwartet stagnierende Absatzzahlen.

Die Diesel-Affäre macht den deutschen Herstellern in den USA erheblich zu schaffen. „Die Diesel-Strategie, die die deutsche Automobilindustrie seit vielen Jahren insbesondere auf dem wichtigen US-Markt verfolgt, wurde durch die Vorgänge in einem großen Unternehmen erheblich beschädigt“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann laut Redemanuskript im Rahmen der Detroit Motor Show. Entsprechend skeptisch gehen die deutschen Hersteller ins laufende Jahr: Für 2016 erwarten sie trotz eines steigenden Gesamtmarkts allenfalls eine Stagnation. Der Verband rechne erneut mit einem Absatz von 1,4 Millionen deutschen Fahrzeugen, sagt Wissmann. Damit können die deutschen Hersteller nicht mit der erwarteten Marktentwicklung mithalten. Nicht zuletzt aufgrund des niedrigen Ölpreises wird der Absatz seine positive Entwicklung aus dem vergangenen Jahr fortsetzen, wenn auch verlangsamt: „Insgesamt wird nach unseren Prognosen der US-Markt 2016 leicht zunehmen – auf 17,5 Millionen Fahrzeuge“, prognostiziert Wissmann. Dies entspricht einem Zuwachs von rund einem Prozent.

Doch die deutschen Automobilhersteller hoffen, das Manko der VW-Diesel-Affäre bald wieder abstreifen zu können. „Mittelfristig rechne ich mit einem weiteren Wachstum der deutschen Marken auf dem US-Markt“, stellte Wissmann klar, ohne die Erwartungen zu spezifizieren. Im vergangenen Jahr hatten die deutschen Marken allerdings an Boden verloren: Zwar stiegen ihre Verkäufe um zwei Prozent auf rund 1,4 Millionen Light Vehicles. Doch der US-Markt entwickelte sich wesentlich schneller. Unterm Strich schmolz der Marktanteil der deutschen Hersteller um 0,3 Punkte auf acht Prozent.

Verfehlte Produktpolitik

Damit setzt sich der Trend aus den Vorjahren fort. Laut einer Analyse des CAR-Instituts (Universität Duisburg Essen) hatten die deutschen Hersteller 2012 mit einem Marktanteil von 8,8 Prozent und 1,27 Millionen Fahrzeugverkäufen ihre beste Position erreicht. Von 2012 bis 2015 konnten zwar etliche Marken kräftig zulegen: Audi (+45 Prozent), Mercedes (+26 Prozent) und BMW (+23 Prozent) überschritten das Marktplus von 21 Prozent. Dagegen brachen die Verkäufe von Smart (-25 Prozent), Volkswagen (-20 Prozent) und Mini (-12 Prozent) in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich ein.

„Die Wachstumsstory der deutschen Autoindustrie in USA ist bei weitem nicht so glamourös wie von den Verbänden immer wieder betont“, stellt CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer klar. Für das schwache Wachstum der vergangenen Jahre macht Dudenhöffer eine verfehlte Produktpolitik einiger Hersteller verantwortlich: Bis 2012 konnten sie mit sportlichen und eleganten Limousinen sowie Spritspartechnik in den USA punkten. Dies änderte sich ab 2012 mit dem beginnenden Ölpreisverfall. Seither rückten die SUV bei den US-Käufern immer stärker in den Vordergrund. Nun kommt noch die VW-Affäre hinzu. „Die Deutschen insgesamt werden 2016 und in den Folgejahren in den USA spüren, dass sie zu große Hoffnungen in den Diesel gesetzt haben“, ist Dudenhöffer überzeugt. Mit „Dieselgate“ habe die Technik in USA, die bisher schon wenig geliebt und populär war, einen großen und schwer zu reparierenden Schaden erhalten. „Es spricht wenig dafür, dass sich in absehbarer Zeit das Diesel-Image bessern könnte.“

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