Emissions-Messverfahren

EU-Parlament bestätigt geplante Abgastests

| Redakteur: Christian Otto

Auf EU-Ebene sind die RDE-Tests nun auf den Weg gebracht wurden.
Auf EU-Ebene sind die RDE-Tests nun auf den Weg gebracht wurden. (Foto: EU)

Der Streit um die Einführung von RDE-Tests wurde heute politisch beendet. Deren Grenzwert-Vorgaben beinhalten Konformitätsfaktoren zugunsten der OEMs, die der Umweltausschuss des EU-Parlaments abgelehnt hatte. Diese Ablehnung wurde von den Parlamentariern nicht bestätigt.

Seit den neunziger Jahren werden die EU-Normwerte für Kraftstoffverbrauch und Emissionen durch den NEFZ auf dem Prüfstand bestimmt. Hauptkritikpunkt an diesem Verfahren ist das Testumfeld unter Laborbedingungen, das nicht der Realität auf der Straße entspricht. Ab 2017 soll der NEFZ nun durch den moderneren Standard WLTP (Woldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedures) ersetzt werden.

Dieser soll mit höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten, stärkeren Temposchwankungen und strikteren Prüfvorgaben den Verbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß im realen Verkehr besser abbilden. Doch auch der WLTP ist ein Prüfstandtest und kann so weder den Kraftstoffverbrauch auf der Straße noch die realen Emissionen abbilden.

WLTP plus RDE

Er soll auf Wunsch der EU-Mitgliedstaaten deshalb ergänzt werden durch den sogenannten RDE-Test (Real Driving Emissions). Dieser misst die Emission von Schadstoffen wie NOX direkt auf der Straße. Dafür kommen sogenannte PEMS-Systeme (Portable Emission Measurement System) zum Einsatz. In den USA hatten genau diese Systeme die VW-Abgasmanipulation aufgedeckt.

Die EU plante schon im letzten Jahr, auch den RDE-Test im Jahr 2017 einzuführen. Doch der Vorschlag der EU-Kommission war durch den Abgasskandal in die Kritik geraten. Als Hauptstreitpunkt galt der zeitlich befristete, sogenannte Konformitätsfaktor von 2,1. Das heißt, der auf der Straße gemessene Stickoxid-Ausstoß darf maximal auf das 2,1-fache des Laborwertes (80 mg/km für Diesel-Pkw) ansteigen. Die Übergangsphase würde am 1. Januar 2020 für neue Fahrzeugtypen und am 1. Januar 2021 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge enden. Ab dann soll ein Konformitätsfaktor von 1,5 gelten; der zulässige Höchstwert würde auf das 1,5-fache des Laborwertes sinken.

Diese Abweichungen hatte der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments im Dezember 2015 abgelehnt. Der Ball lag nun beim Europaparlament, das die Ablehnung nur mit einer absoluten Mehrheit hätte bestätigen können. Doch diese absolute Mehrheit von 376 Stimmen wurde bei der heutigen Abstimmung verfehlt. Nur 317 Parlamentarier entschieden sich für eine Ablehnung, während 323 Abgeordnete dafür stimmten.

VDA begrüßt Entscheidung

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), begrüßte das Votum der EU-Parlamentarier als „eine gute Nachricht, für den Verbraucher und den Umweltschutz.“ Der VDA-Präsident sieht daneben weitere Vorteile der neue Testverfahren: „Zudem beschleunigen die RDE-Vorgaben eine Flottenerneuerung mit besonders schadstoffarmen Euro-6-Fahrzeugen und damit die Verbesserung der Luftqualität.“

Kritik gab es dagegen nicht nur von grünen und sozialdemokratischen EU-Parlamentariern, die die Ablehnung des Umweltausschusses zumeist mit ihrem Votum unterstützt hatten, sondern auch vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD bewertete die Entscheidung als „fatal“. Das Parlament sei demnach allein der Autoindustrie entgegengekommen. Und der VCD-Sprecher warnt: „Bleibt es jedoch bei der heutigen Regelung, dann wird der Diesel sein Image als Dreckschleuder kaum ablegen können.“

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