Dieselmotoren

Euro-6-Nachrüstung: ADAC bestätigt Funktion

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Thomas Günnel

Die Euro 6 ist für Dieselfahrzeuge Pflicht, wenn die entsprechenden Umweltzonen in Kraft treten. Der ADAC bestätigte jetzt die Wirksamkeit eines Nachrüstsatzes.
Die Euro 6 ist für Dieselfahrzeuge Pflicht, wenn die entsprechenden Umweltzonen in Kraft treten. Der ADAC bestätigte jetzt die Wirksamkeit eines Nachrüstsatzes. (Bild: Twintec Baumot)

Wenn Euro 6 für Diesel in Umweltzonen Pflicht wird, dann bedeutet das das Aus für viele noch fast neue Euro-5-Autos. Nachrüster wie Twintec Baumot wittern gute Geschäfte – der ADAC bestätigte jetzt die Wirksamkeit eines Systems.

Der Abgastechnikhersteller Twintec Baumot hat ein Nachrüstsystem vorgestellt, mit dem ältere Diesel die Stickoxid-Grenzwerte der Abgasnorm Euro 6 einhalten können. Und das zu vertretbaren Kosten: 1.500 Euro soll das sogenannte BNOX-System kosten, das die Stickoxide mithilfe der Selektiven Katalytischen Reaktion (SCR) abbaut. Im Rahmen einer ZDF-Reportage zur Katalysator-Umrüstung hat der ADAC jetzt in mehreren Abgastests die Wirksamkeit des Systems belegt. Getestet wurde ein Euro-5-Fahrzeug mit BNOx-System – auf dem Prüfstand und unter realen Bedingungen, in der sogenannten PEMS-Messung. In allen Testzyklen reduzierte das System die NOx-Emissionen weit unter den Euro-6-Grenzwert von 0, 08g/km.

Die Automobilindustrie hat bislang bezweifelt, dass das Nachrüsten solcher Systeme wirtschaftlich darstellbar ist. „Prototypisch ist eine solche Nachrüstung machbar“, sagt Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Testzentrums, „die Automobilhersteller müssen aber jetzt abhängig von ihren Fahrzeugen, dem vorhandenen Bauraum und technischen Gegebenheiten entsprechende Applikationen entwickeln. In einem solchen Konzept steckt noch viel Arbeit – es ist aber technisch grundsätzlich machbar.“

Weitere Fahrverbote geplant

Der Einbau könnte sich lohnen, falls wirklich ab 2018 die sogenannte Blaue Plakette eingeführt wird – eine Plakette für Dieselfahrzeuge, die die Euro 6 erfüllen. Ende Februar 2017 hatte bereits die Landesregierung Baden-Württemberg für Stuttgart als bundesweit erste Stadt beschlossen, ab 2018 bei Feinstaubalarm sogenannte Umweltzonen für Dieselfahrzeuge zu sperren, die nicht die Abgasnorm Euro-6 erfüllen. Diese ist aber erst seit September 2015 Pflicht für alle Neuwagen – ergo würden sehr viele noch neuwertige Dieselautos ihre Zufahrtsberechtigung verlieren.

Wegen der hohen Stickoxidbelastung hat jüngst der Senat der Stadt Hamburg nachgezogen und einen Plan für ein partielles Fahrverbot vorgelegt, nach dem künftig das Befahren zweier Hauptverkehrsstraßen für ältere Dieselfahrzeuge verboten sein soll. Auch München muss nach der Entscheidung des obersten bayerischen Verwaltungsgerichts bis Ende 2017 Fahrverbote für Dieselfahrzeuge vorbereiten.

90 Prozent weniger NOx-Emission

Der Hersteller hatte das Nachrüstsystem zuvor bereits an einem VW Passat 1,6 TDI erprobt. In Tests ergaben sich folgende Messwerte:

  • Originalzustand Euro 5: 680 Milligramm pro Kilometer auf dem Prüfstand (WLTC) und 1.030 mg/km im Straßenbetrieb (RDE).
  • Nachrüstung mit BNOX: 68 mg/km (WLTC) und 79 mg/km (RDE)

Die Emissionen sanken also um 88 bis 93 Prozent und unterschreiten sowohl den Prüfstandswert der Euro 6 (80 mg/km) als auch die ab September 2017 geltenden RDE-Grenzwerte (168 mg/km). Verglichen mit einem Software-Update im Rahmen des Updates bei Volkswagen bescheinigte der Automobilclub dem Nachrüstkonzept „dauerhaft niedrige Abgasemissionen in fast allen Betriebszuständen“, wenngleich das System technisch anspruchsvoller sei – die Software schaffte nur eine Emissionsminderung von 25 bis 60 Prozent.

Die Leistungsfähigkeit des BNOX-Konzepts soll laut Hersteller an der neuartigen Konstruktion der Adblue-Zumischung liegen. Anders als bei herkömmlichen SCR-Systemen in der Erstausrüstung wird das Reduktionsmittel nicht direkt in den Abgasstrang eingedüst, sondern in einen separaten Ammoniak-Generator. Durch diesen fließt Abgas, das aus dem Krümmer vor dem Turbolader entnommen wird und entsprechend heiß ist. Zusätzlich ist der Generator mit einem Heizkatalysator ausgestattet, um weitere Wärme zuführen zu können. Das entstandene Ammoniak wird dann über einen Mischer in den Haupt-Abgasstrang eingebracht.

Höhere Leistung bei niedrigen Abgastemperaturen

Der Vorteil dieser aufwendigen Konstruktion ist die bessere Verteilung des Ammoniaks im Abgasstrom und die höhere Leistungsfähigkeit bei niedrigen Abgastemperaturen. Der Einbau dürfte allerdings nicht ganz trivial sein, müssen doch sowohl der zusätzliche Ammoniakgenerator als auch der Adblue-Tank im Fahrzeug verstaut werden. Auch die Verrohrung und die Ausleitung des Abgasteilstroms am Krümmer klingen nicht gerade einfach. Twintec Baumot gibt eine Einbauzeit von etwa vier Stunden an. Der Hersteller rechnet noch im Jahr 2017 mit einer Entscheidung, ob die Blaue Plakette eingeführt wird, und will dann zügig Nachrüstkits für die relevanten Fahrzeuge auf den Markt bringen. Andere Nachrüstspezialisten wie HJS werden dann vermutlich folgen.

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