Elektromobilität

Fahrbericht: Neuer Ford Mondeo Hybrid

| Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Ford hat in den USA seit dem Jahr 2009 den Fusion Hybrid im Programm. Seit Februar offerieren die Amerikaner nun auch in Europa den neuen Mondeo mit Hybridantrieb.
Ford hat in den USA seit dem Jahr 2009 den Fusion Hybrid im Programm. Seit Februar offerieren die Amerikaner nun auch in Europa den neuen Mondeo mit Hybridantrieb. (Foto: Ford)

Muss die Elektrifizierung von Pkw teuer sein? Toyota macht seit Langem vor, dass es preiswert geht. Ford zog 2009 in den USA nach. Seit Februar offerieren die Amerikaner nun auch in Europa den neuen Mondeo mit Hybridantrieb.

Der neue Mondeo mit Hybridantrieb bremst mit Benzin- und Elektromotor sparsame Diesel-Pkw beim Verbrauch aus, wie unser Test zeigt. Darüber hinaus ist er mit Duo-Antrieb nicht teurer als etwa der leistungsgleiche sparsamste Selbstzünder im neuen Mondeo. Doch der Mondeo Hybrid überrascht selbst im Verbrauchsvergleich mit wesentlich teureren Plug-in-Hybrid-Autos. Sein Alltagsverbrauch kommt dem Plug-in-Hybrid sehr nahe – von dem Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt, dass er bis auf Weiteres „die beste Antriebslösung ist“, jedenfalls für Premiumautos. In Räumlichkeit und den Abmessungen vergleichbar mit der Mercedes E-Klasse, beweist das Modell als Hybrid ohne Auflademöglichkeit an der Steckdose, welch geringer Verbrauch heute machbar ist. Neu ist der Hybridantrieb im Mondeo für Europa. In den USA startete das Schwestermodell Fusion mit der ersten Generation der Benzin-Elektromotor-Einheit bereits im April 2009 auf den Markt. Dort hat er sich etabliert und ist auch als Fusion Plug-in-Hybrid Energi erhältlich. Mittlerweile ist Ford in den USA zweitgrößten Anbieter von Hybridautos.

Hybrid versus Dieselmotor

Vom neuen Fusion/Mondeo, der in Nordamerika schon seit 2013 rollt und seinem Vorgänger, wurden bis Ende Oktober dieses Jahres mehr als 180.000 Hybridmodelle verkauft – darunter über 25.000 Energi Plug-in-Hybride. In Europa nutzen bisher wenige Käufer die Qualitäten des Mondeo Hybrid. Von der im spanischen Valencia gebauten größten Ford-Limousine wurden seit dem Start im Februar bis Ende Oktober 2015 laut Ford gut 900 Hybridfahrzeuge in Europa neu zugelassen – davon 122 in Deutschland. Die bisher noch geringe Kundenakzeptanz dürfte nicht am Duo-Antrieb liegen. Doch in einem Markt, wo im Mittelklassesegment der Kombi eine starke Präsenz hat – in Deutschland dominiert, hat es der Mondeo Hybrid schwer sich durchzusetzen, weil es ihn ausschließlich als viertürige Limousine gibt. Hinzu kommt die Dominanz des Dieselmotors beim Mondeo mit einem Anteil von weit mehr als 70 Prozent, wie Ford-Marketing-Direktor Reinhard Zillessen erklärt.

Der Preis kann beim Absatz keine Rolle spielen. Denn die Mondeo-Variante mit 2,0-l-Benzin-Hybrid mit 140 kW/187 PS gibt es in der hohen Ausstattungslinie Titanium ab 35.200 Euro. Bei gleicher Titanium-Basisausstattung mit Sechsgang-Schaltgetriebe kostet die fünftürige Dieselvariante mit 132 kW/180 PS als Mondeo 2.0 TDCi Econetic 34.700 Euro. Will der Kunde eine Automatik wie im Hybrid steigt der Basispreis auf 36.700 Euro. Deshalb konkurriert intern der Hybrid direkt mit dem Turbodiesel. Der neue Mondeo überzeugt außen wie innen mit einer tadellosen Verarbeitung. Die Hybridversion hat ein gut gestaltetes Interieur, das durch Alu-Applikationen wertiger wirkt, und ein übersichtliches Cockpit. Serienmäßig ist der Teilzeitstromer sehr reichhaltig ausgestattet – übrigens mit beheizbarer Frontscheibe einschließlich Scheibenwaschdüsen, die Ford seit nunmehr 30 Jahren anbietet.

Umfangreiche Ausstattung

Das Hybrid-Testfahrzeug verfügte zusätzlich über das Business-Paket II (1.650 Euro) unter anderem mit dem Betriebssystem Ford Sync 2 und großem Touchscreen, Audio-/Navigationssystem, Rückfahrkamera sowie Einparkassistent für Quer- und Längsparklücken. Etwas Eingewöhnungszeit ist von Nöten für die Fülle der Informations- und Entertainmentmöglichkeiten, doch generell lässt sich alles gut handhaben. Platz gibt es in Hülle und Fülle. Und das sowohl in der ersten, wie in der zweiten Reihe. Nimmt eine dritte Person auf dem schmalen mittleren Fondsitz platz, wird es eher eng als kuschelig. Die manuell einstellbaren vorderen Sportsitze – gibt es optional elektrisch – sind gut konturiert, angenehm gepolstert und bieten stabilen Seitenhalt, die hinteren Sitze stehen dem nicht nach.

Fahrwerk und Fahrkomfort überzeugen. Wohl könnte eine Luftfederung das sehr ruhige und komfortable Fahren des Mondeo Hybrid noch weiter erhöhen, sie ist aber nicht notwendig. Das Design-Paket II (optional, 1.350 Euro) im Testwagen betrifft hauptsächlich die LED-Technik: adaptive LED-Scheinwerfer mit blendfreier automatischer Leuchtweitenreglung, die in die Kurven mitschwenkt, sowie ein separates Abbiegelicht. Mit dem Fernlichtassistenten (Serienausstattung) führt das zu einer angenehmen wie sehr guten Fahrbahnausleuchtung. Beim Benzinmotor des Hybridantriebs setzt Ford auf den klassischen Saugmotor statt wie Wettbewerber in Europa auf den Direkteinspritzer. Beim Vierzylinder mit 2,0 Liter Hubraum wird der Kraftstoff jeweils kurz vor dem Einlassventil ins Saugrohr eingespritzt (Multi Point Injection). Ebenso arbeitet der Ford-Saugmotor mit variabler Ventilsteuerung der Einlass- und Auslassventile. Mit der Konzeption erreicht der Saugmotor die Nennleistung von 103 kW/140 PS bei 6.000 U/min.

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