Vernetzung

Fahrpedal erhält weitere Funktionen

| Redakteur: Thomas Günnel

Bosch hat ein aktives Fahrpedal entwickelt, das dem Fahrer haptische Rückmeldung zu seinem Fahrstil gibt. Außerdem kann es weitere Funktionen übernehmen.
Bosch hat ein aktives Fahrpedal entwickelt, das dem Fahrer haptische Rückmeldung zu seinem Fahrstil gibt. Außerdem kann es weitere Funktionen übernehmen. (Bild: Daimler)

Bosch hat ein aktives Fahrpedal entwickelt, das dem Fahrer haptische Rückmeldung zu seinem Fahrstil gibt. Außerdem kann es verbunden mit Assistenzsystemen weitere Funktionen übernehmen.

Mit dem aktiven Gaspedal ist der Fahrer laut Hersteller besonders feinfühlig unterwegs. Die haptische Rückmeldung ermöglicht es demnach, den Kraftstoffverbrauch um bis zu sieben Prozent zu senken – zum Beispiel indem das Pedal mit dem Getriebe vernetzt ist. Zeigen bislang lediglich kleine Pfeile im Display den optimalen Schaltpunkt an, erhält der Fahrer auf Wunsch eine spürbare Empfehlung am Fuß, wann er schalten sollte. Will der Fahrer dennoch mehr Gas geben, genügt etwas Gegendruck. Ein sanftes Klopfen zeigt dabei die Grenze zwischen Pedalstreicheln und Bleifuß. Zusätzliches Einsparpotenzial birgt die Verbindung mit Start/Stopp-Segeln. Das Gaspedal lässt sich so einstellen, dass es Rückmeldung gibt, sobald der Segelmodus sinnvoll ist. Bei Hybriden kann das Pedal zudem einen haptischen Hinweis zu einem bevorstehenden Wechsel vom Elektro- zum Verbrennungsmotor geben. Damit kann der Fahrer intuitiv sein Fahrverhalten anpassen.

Online-Daten nutzen

Das aktive Gaspedal kann Autos aber nicht nur sparsamer, sondern auch sicherer machen. Denn die Komponente lässt sich mit diversen Assistenzsystemen vernetzen, zum Beispiel mit dem Abstandsradar. Vibrationen können den Fahrer mahnen, nicht mehr zu beschleunigen. Gekoppelt mit dem Navigationssystem oder einer Kamera zur Verkehrszeichenerkennung kann das Pedal den Fahrer per Klopfzeichen warnen, wenn er sich zum Beispiel zu schnell einer gefährlichen Kurve nähert. Denkbar sind zudem Warnungen vor Falschfahrern, Stauenden oder Querverkehr auf der geplanten Route. Die spürbaren Signale lassen sich in Form und Stärke mittels Softwareeinstellungen individuell an die Kundenwünsche anpassen.

Haptisches Feedback mehr akzeptiert

Die Idee des aktiven Fahrpedals ist indes nicht neu: Bereits im Jahr 2010 stellte Continental das sogenannte Accelerator Force Feedback Pedal vor. Es kann ebenfalls den optimalen Schaltzeitpunkt haptisch anzeigen oder gekoppelt mit der Kamera der Verkehrszeichenerkennung den Pedalwiderstand erhöhen – der Fahrer nimmt somit eher den Fuß vom Pedal und das Auto kann im Schubbetrieb rollen. Gemeinsame Praxistests mit der TU München zeigten, dass die haptische Rückmeldung von den Fahrern deutlich häufiger beachtet wurde, als etwa die optische Schaltempfehlung im Cockpit – zudem war die Akzeptanz des haptischen Pedals sehr gut. Ein Doppelticken des Pedals signalisierte dem Fahrer den Zeitpunkt, an dem der nächst höhere oder niedrigere Gang eingelegt werden sollte. Reagierte der Fahrer nicht, wurde der Zyklus jeweils nach kurzer Pause zweimal wiederholt, danach nicht mehr. Die Probanden der Studie fuhren eine 50 Kilometer lange Strecke rund um den Mittleren Ring in München dreimal: ohne Schaltanzeige, nur mit dem optischen Schaltpunkthinweis und mit optischem Schaltpunkthinweis und haptischer Anzeige.

Das Ergebnis war eindeutig: Der optische Schaltpunkthinweis wurde nur schwach beachtet und senkte den CO2-Ausstoß nur um ein halbes Gramm pro Kilometer, während der haptische Hinweis deutlich mehr Schaltvorgänge auslöste. Gemittelt über alle Probanden sank der Verbrauch von 8,8 auf 8,1 Liter pro 100 Kilometer oder um 15,8 Gramm CO2 pro Kilometer, das entspricht einer Ersparnis von 7,7 Prozent.

Kommentar zum Beitrag schreiben

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43830609 / Elektronik)