25.10.2010 | Autor / Redakteur: Jürgen Goroncy/Hartmut Hammer / Bernd Otterbach
„Was nicht gebraucht wird, wird abgeschaltet“. Nach diesem Motto verfährt der Getriebe- und Antriebsspezialist Getrag mit seinem Eco-Twinster-Konzept beim Allradantrieb.
So lange nicht die Antriebs- und Spurführungsleistung aller vier Räder benötigt wird, bleibt der Hinterachsantrieb konsequent abgeschaltet. Da dies laut des Untergruppenbacher Unternehmens zu 85 Prozent im Stadtverkehr, zu 90 Prozent auf der Landstraße und fast zu 100 Prozent auf der Autobahn der Fall ist, könnte der Verbrauch eines Allradfahrzeugs um bis zu einem halben Liter pro 100 Kilometer (oder 14 Gramm CO2 pro Kilometer) gesenkt werden.
Neu ist dieses Konzept nicht. Getrag geht das Problem aber mit neuen technischen Lösungen an drei Kupplungen schalten den Hinterachsantrieb ab oder an. Zunächst trennen zwei Kupplungen im Hinterachsgetriebe die Verbindung zu den beiden Hinterrädern, dann legt eine Kupplung an der Vorderachse den Kardanantrieb still. Das Zuschalten des Hinterachsantriebs erfolgt genau umgekehrt. Mit dieser seriellen Zu- und Abschaltung will Getrag mögliche Bremskräfte an den Hinterrädern vermeiden, die durch gleichzeitiges Zuschalten aller Kupplungen in Folge der Massenträgheit der beweglichen Teile entstehen könnten. Diese Kräfte könnten die Fahrstabilität beeinträchtigen.
Die Kupplungen sollen laut Getrag in weniger als einer viertel Sekunde reagieren, im Vergleich zu einem herkömmliches Hinterachsdifferenzial für etwas weniger Gewicht sorgen und durch die Nutzung von anderen Getrag-Getriebekomponenten – wie etwa Pumpen, Elektromotoren, Hydraulikventilen und Steuerungen kostengünstiger sein. Ein weiterer Vorteil: durch die radindividuelle Betätigung der Kupplungen wirken diese wie ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial, verteilen das Antriebsmoment bedarfsgerecht an die Hinterräder und können so hochdynamische Fahrsituation entschärfen. Etwa in Kurven oder bei Fahrten auf Untergrund mit verschiedenen Reibwerten.
Die Regelstrategie sieht vor, generell im Allradmodus anzufahren und ab Tempo 20 den Hinterradantrieb abzuschalten. Er wird danach nur bei erhöhtem Schlupf wieder für minimal fünf Sekunden aktiviert. Bei Testfahrten in einem umgebauten Land Rover Freelander konnte das System durch fast unmerkliche Zu- und Abschaltvorgänge überzeugen. Der durchschnittliche Fahrer dürfte am Fahrverhalten nicht erkennen, ob er gerade mit zwei oder vier angetriebenen Rädern unterwegs ist. Laut Getrag ist die Vorentwicklung des Systems abgeschlossen, bei Kundeninteresse könnte die Serienentwicklung sofort beginnen.
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