Hannover

IAA Nutzfahrzeuge 2014: Schwer innovativ

| Autor / Redakteur: – von Jürgen Goroncy und Thomas Günnel – / Thomas Günnel

Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2014 zeigen auch viele Zulieferer ihre Entwicklungen. Ob fern-rangierbarer Lastkraftwagen, innermotorische Konzepte oder Fahrerassistenz – die Bandbreite der Innovationen ist groß.
Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2014 zeigen auch viele Zulieferer ihre Entwicklungen. Ob fern-rangierbarer Lastkraftwagen, innermotorische Konzepte oder Fahrerassistenz – die Bandbreite der Innovationen ist groß. (Foto: ZF Friedrichshafen)

Am 25. September beginnt in Hannover die 65. IAA Nutzfahrzeuge, die weltweite Leitmesse für Mobilität, Transport und Logistik. Die Zulieferer spielen dabei eine gewichtige Rolle. Ein Auszug aus den Neuheiten.

Ein im wahrsten Sinne „großes Ding“ präsentiert ZF (Halle 17, Stand B17) auf der IAA: Der Innovationstruck des Zulieferers wartet mit einem hybridisierten Getriebesystem, moderner Lenkungstechnik und einer Fernsteuerung per Tablet auf. Mit diesem Gesamtpaket lässt sich er sich per Fingerzeig präzise auf seine Parkposition dirigieren – und das trotz mehr als 25 Metern Länge und zwei Knickpunkten bei Auflieger und Anhänger.

Innovationstruck mit Hybridfunktionen

Der in Eigenregie realisierte Innovationstruck verfügt über das automatische Getriebe ZF-Traxon für schwere Lkw zuzüglich einer elektrischen Maschine mit 120 Kilowatt Leistung und 1.000 Newtonmetern Drehmoment in der Kupplungsglocke. Zusammen mit einer Trockenkupplung ermöglicht dieses Paket alle Hybridfunktionalitäten bis hin zum vollelektrischen Rangieren. Die Hochvolt-Batterie des Systems verfügt über genügend Kapazität für mehrere Rangiermanöver nacheinander. Hinzu kommt die Serien-Überlagerungslenkung Servotwin mit einer verbrennungsmotorisch angetriebenen Hydraulikpumpe und zusätzlichem Elektromotor. Damit die nötige Lenkkraft auch bei abgeschaltetem Selbstzünder bereitsteht, wurde für den Innovationstruck eine modifizierte Hydraulik-Pumpeneinheit entwickelt. Dies ermöglicht sogar autonome Lenkmanöver ohne Fahrereingriff.

Fernbedient rangieren

Die Lenkmanöver kann aber auch der Fahrer oder Bediener des Innovationstrucks ausführen. Dazu benötigt er nur ein Tablet samt Fernbedienungs-App und die Telematikanwendung Openmatics. Diese besteht aus einer Onboard- beziehungsweise Connectivity-Unit, Sensoren und spezieller Software. Am Innovationstruck angebrachte Funkchips mit etwa 25 Metern Reichweite markieren die Relativpositionen des Trucks. Der variierende Abstand zum Tablet verändert auch die Feldstärke, was der Software eine genaue Positionsbestimmung ermöglicht. Als Herzstück der fernbedienten Rangierfunktion vernetzt und koordiniert ein Steuergerät die Einzelsysteme: Es steht per Bluetooth in ständigem Kontakt mit dem Tablet und steuert die einzelnen Aktuatoren für Lenkradwinkel und Fahrgeschwindigkeit.

Innermotorische Effizienz

Neben solchen Assistenzfunktionen bleiben die Anschaffungs- und Betriebskosten ein wesentliches Kriterium für den effizienten Betrieb von Nutzfahrzeugen. Mahle (Halle 12, Stand C23) will diesem Ziel unter anderem mit neuen und günstigen Ventiltriebskomponenten näher kommen; etwa mit nitrierten Einlassventilen als Ersatz für die heute üblichen verchromten Ventile. Sie zeichnen sich durch einen besseren Verschleißschutz, eine erhöhte Ermüdungsfestigkeit und Robustheit gegen thermomechanische Belastungen aus. Eine andere Option wären natriumgefüllte Hohlventile, bei denen das geschmolzene Natrium die Temperaturen an besonders belasteten Bereichen um 30 bis 80 Grad Celsius absenken kann.

Werkstoffe im Ventilumfeld

Ergänzend hat das Unternehmen neue Werkstoffe für die Ventilführung und den Ventilsitzring entwickelt, die bessere Verschleißfestigkeiten bei hohen Temperaturen, eine gute tribologische Kompatibilität zu anderen Oberflächen und gute Notlaufeigenschaften bei Mangelschmierung bieten. Weiteres Sparpotenzial erschließt der Zulieferer mit gebauten Nockenwellen für Nutzfahrzeugmotoren. Sie sind im Vergleich zu geschmiedeten oder Gussnockenwellen um bis zur Hälfte leichter und lassen erhöhte Kontaktpressungen zwischen Nocken und Nockenfolger zu.

Da durch das Konstruktionsprinzip die Einzelteile aus bedarfsgerechten Werkstoffen gefertigt werden können, sind gebaute Nockenwellen auch günstiger.

Cam-in-Cam-Technik

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis führt Mahle auch für seine Cam-in-Cam-Technik ins Feld. Diese „zwei Nockenwellen in einer“ ist fast ohne konstruktive Eingriffe am Grundmotor beziehungsweise Zylinderkopf in Nutzfahrzeugmotoren mit OHV- oder SOHC-Ventiltrieb integrierbar. Durch ihre Variabilität bieten sie dort Funktionalitäten wie zum Beispiel eine Anhebung der Abgastemperatur für ein schnelleres „Anspringen“ des Katalysators oder die Regeneration des Partikelfilters, den Miller-Zyklus, also die reduzierte effektive Verdichtung und geringere Verbrennungstemperatur, sowie variable Steuerzeiten für eine variable interne Abgasrückführung.

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