Panorama

Im Chevrolet Colorado durch Colorado

| Autor / Redakteur: SP-X/Benjamin Bessinger / Thomas Günnel

Spektakuläre Panoramen und Straßen: Auf dem Weg durch die Rocky Mountains geht es hoch hinaus. Auf Erkundungstour im Bundesstaat Colorado – mit einem Chevrolet gleichen Namens.
Spektakuläre Panoramen und Straßen: Auf dem Weg durch die Rocky Mountains geht es hoch hinaus. Auf Erkundungstour im Bundesstaat Colorado – mit einem Chevrolet gleichen Namens. (Bild: SP-X/Benjamin Bessinger)

Auf dem Weg durch die Rocky Mountains steigt die Interstate I70 auf über 3.400 Meter – und das ist noch lange nicht die spektakulärste Straße in Colorado. Mit welchem Auto könnte man den vielleicht schönsten Staat der USA besser erkunden, als mit einem Chevrolet gleichen Namens?

Das Außenthermometer zeigt fünf Grad Fahrenheit, doch der Chevy bereitet einen warmen Empfang. Zwar sind sie hier in Colorado stolz auf ihre Landschaft und schätzen die Umwelt entsprechend wert. Nicht umsonst war das Canopy-Flughafenparkhaus von Denver das erste in Amerika, das seinen Energiebedarf komplett aus nachhaltigen Quellen gedeckt hat. Doch frieren muss deshalb noch lange keiner, erst recht nicht bei umgerechnet -15 Grad auf der Celsius-Skala. Also steht der Pick-up wie zwei Dutzend andere Leihwagen selbstredend mit laufendem Motor auf dem Parkplatz und macht sich schon mal warm für ein winterliches Abenteuer, das man so wahrscheinlich nur in den Rocky Mountains erleben kann. Der blaue Viertürer passt gleich doppelt gut zu diesem Trip. Denn erstens gilt der Pick-up nicht umsonst als der legitime Erbe des Planwagens, mit dem vor über 200 Jahren die Zivilisation in den Wilden Westen kam. Und zweitens trägt der für amerikanische Verhältnisse mit seinen 5,40 Metern fast schon zierliche Pritschen-Panzer auch noch den Namen des Staates, durch den diese Tour führt.

Kein typischer Amerikaner

Die mollige Wärme dieses politisch vielleicht nicht ganz so korrekten Vorglühens beim „Airport-Parking“ hilft nicht nur den Insassen und bringt ein bisschen Gemütlichkeit in die eher funktionale als feudale Doppelkabine, deren hellstes Highlight der große Touchscreen samt WLan-Router und die Knöpfe für den On-Star-Service sind. Der Motor will auch auf Betriebstemperatur sein, bevor die Ausfahrt beginnt. Zumal hinter dem mächtigen Grill kein typisch amerikanischer V8- oder wenigsten ein V6-Benziner steckt, sondern ein fast europäisch anmutender Diesel mit mageren vier Zylindern und bescheidenen 2,8 Litern Hubraum, der bei diesen frostigen Temperaturen sein Nageln kaum verhehlen kann. Immerhin spart er sich die dicke Rußfahne, die manche US-Selbstzünder noch immer hinter sich herschleppen. Denn auch wenn der Auspuff dick ist wie ein Ofenrohr, säuseln daraus weniger Schadstoffe als bei manch einem manipulierten VW-Modell. Schließlich hat Chevrolet brav einen NOX-Kat samt Adblue-Tank eingebaut. Und als Fronttriebler hat die staatliche Umweltagentur EPA den Colorado obendrein zum sparsamsten Pick-up auf dem US-Markt gestempelt.

Die erste Bewährungsprobe für die rund 180 PS und exakt 500 Nm des Duramax-Triebwerks wartet bereits ein paar Meilen westlich von Denver, wenn am Ende der Great Plains wie eine schier unüberwindbare Mauer die Rocky Mountains aus dem Boden wachsen. Auf den Spuren der Siedler geht es durch das Land der Cowboys und Indianer hoch hinauf zur Continental Divide, jenes Gebirgskammes, der Amerika der Länge nach teilt und für die Geographen den Osten vom Westen trennt.

Eine frostige Traumreise

Obwohl im Winter die spektakulärsten Straßen wie die hinauf auf den Pikes Peak, über den Independence Pass oder zum Mount Evans gesperrt sind, weil auch die größten Caterpillar bei teilweise mehr als acht Metern durchschnittlichem Schneefall im Jahr irgendwann kapitulieren, bieten die Rocky Mountains genügend Highways und Byways mit entsprechendem Panorama für eine frostige Traumreise – und ein paar berühmte Skiorte liegen auch noch am Wegesrand. Und wenn man nach einem Tag auf der Piste zum ersten Mal Bretter und Boards achtlos auf die Pritsche geworfen hat, statt sie wie daheim mühsam in den Skiträger auf dem Dach des obligatorischen Crossovers zu nesteln, versteht man auch, weshalb die outdoor-verliebten Amerikaner selbst dann einen Pick-up-Fahren, wenn sie einen biederen Bürojob haben und keine Farm führen müssen.

Ganz so furchterregend und unüberwindbar wie damals, als die ersten Siedler nach Westen fuhren, wirken die Rockies zwar längst nicht mehr. Doch selbst wenn der Diesel mehr Durchzug hat als die Vier- oder Sechszylinder-Benziner im Colorado und fast an den V8 aus dem großen Bruder Silverado herankommt, reiben sich Autofahrer bisweilen die Augen, wenn sie von Denver aus auf der Interstate I-70 starten und wie aus dem Nichts ein beispielloser Aufstieg beginnt: Als hätte man sämtliche Mittelgebirge einfach herausgeschnitten und führe von der Lüneburger Heide direkt in die Hochalpen, schraubt sich die vierspurige Autobahn höher und immer höher in das Gebirge und lässt sich auch von Eis und Schnee nicht aufhalten. Denn viele andere Verbindungen zwischen den US-Staaten Colorado auf der einen und Utah, Arizona, Nevada und Kalifornien auf der anderen Seite der Gebirgskette gibt es nicht. Wo europäischen Passstraßen längst Wintersperre haben, baut auf dieser Lebensader deshalb schweres Räum- und Bergegerät lieber meterhohe Schneewände am Straßenrand. Trucker ziehen Ketten auf, selbst notorisch unbelehrbare SUV-Fahrer wählen vorsichtshalber die Winterreifen und beim Chevy wechselt man vom traditionellen Heck- besser auf den Allradantrieb und fährt wenn’s sein muss, auf einer geschlossenen Eisdecke. Let’s go west – diese Devise kennt keine Saison.

Nur eine Richtung: aufwärts

Während sich viele andere Interstates ziehen wie Kaugummi und etwa so spannend sind wie die 214. Folge des Denver-Clans, ist die I-70 auf einigen Abschnitten fast schon atemberaubend: Als spiele man in einem Road-Movie in Cinemascope und Technicolor fährt man durch weite Täler und enge Schluchten und am Horizont grüßen immer ein paar der über 50 Berge in Colorado, die im erlauchten Club der 14.000er sind – zwar nur in Feet, aber 4.200 Meter und mehr sind ja auch nicht schlecht. Auf dem Weg nach Westen gerät man beim Blick auf den Bordcomputer immer wieder ins Stutzen. Denn während das Thermometer fällt und fällt, zählt der Höhenmesser nur in eine Richtung: Aufwärts. 1.600 Meter sind es in Denver, am Vail Pass stehen 3.250 Meter auf dem Monitor. Und selbst das ist nicht der höchste Punkt der Route. Den erreicht man schon ein paar Meilen vorher ganz unscheinbar hinter dem Eisenhower-Tunnel, der immerhin knapp drei Kilometer lang ist und mit einer Meereshöhe von 3.400 Metern viele Jahre als höchstgelegener Tunnel der Welt galt.

Doch die Höhe allein ist nicht das einzig imposante auf der Tour nach Westen, sondern die immer wieder wechselnden Blickwinkel: Mal ist das Panorama so weit, dass sich vor der Frontscheibe schier endlose Hügelzüge querlegen, und mal verengt sich die Straße so sehr, dass man fast die Spiegel einklappen möchte. Besonders spektakulär ist der Glenwood Canyon – 16 Meilen lang und so eng, dass die Bahnlinie, der hier noch überraschend schmale Colorado-River und die vier Fahrspuren der Autobahn kaum nebeneinander passen und deshalb übereinandergestapelt wurden.

Lebendiger „Western“

Zwar sind die großen Trecks nach Westen schon lange her, doch der „Western“ ist hier noch lebendig. Dörfer wie Frisco sehen aus, als würde noch immer mittags um Zwölf eine Horde Banditen zum „High Noon“ einreiten. Oberhalb von Denver führt der Lariat-Loop am Grab des Revolver-Helden Buffalo Bill vorbei, in Glenwood Springs hat der trunksüchtige Doc Holliday sein Leben in den damals noch ziemlich sündigen Schwefelquellen ausklingen lassen, in Telluride steht noch immer das Gebäude, in dem Butch Cassidy seinen ersten Bankraub verübt hat, und Kaschemmen wie der True Grit Saloon in Ridgeway kommen einem nicht umsonst verdächtig bekannt vor. Schließlich ist hier in jedem zweiten Schankhaus schon ein Western gedreht wurde.

Nicht minder präsent sind Ära und Aura der Goldsucher: An den Hängen kleben Mienen, an jedem zweiten Bachlauf können Touristen im Sommer schürfen und in Ortschaften wie Idaho Springs oder Leadville halten sie die Bergbau-Tradition mit Museumsstollen am Leben. Zumindest im Winter lebt die Wirtschaft allerdings von einem anderen Rohstoff: Dem weißen Gold. Schließlich gilt der Champagne Powder der Rocky Mountains den Kennern als der beste Schnee der Welt und entsprechend viele Skifahrer sind in den Rockies unterwegs. Beaver Creek, Aspen oder Breckenridge liegen südlich der I-70, Winterpark, Steamboat Springs oder Granby nördlich und im gemütlichen Copper Mountain oder dem mondänen Vail führt die Autobahn sogar fast durch den Zielhang.

Doch so eindrucksvoll die I-70 auf den 250 Meilen zwischen Denver und Grand Junction auch sein mag, ist sie nur der Anfang des Abenteuers. Schließlich wartet am Ende die auch im Winter geöffnete Panoramastraße durchs Colorado National Monument, das Nationalparks wie dem Bryce Canyon in nichts nachsteht. Wenn sich zwei Stunden weiter südlich vor der großen Frontscheibe des Colorado die tiefen Schluchten des Black Canyon of the Gunnisson ausbreiten, verliert der hoffnungslos überlaufene Grand Canyon viel von seinem Reiz. Was sie da in Arizona können, das können sie in Colorado schon lange – zumal es schließlich der Colorado River war, der diese Schlucht gegraben hat. Und wenn man in der Abenddämmerung nach einem schier endlosen Aufstieg von Montrose über Ridgway und Placerville endlich in Telluride ankommt und am Ende des Tals plötzlich vor einer mehrere Tausend Meter hohen Wand steht, wirken selbst die dramatischsten Alpentäler irgendwie sanft und seicht.

„Top of the Rockies“

Im Sommer könnte man von hier aus auf unzähligen Jeep-Tracks mit dem Segen der Ranger vom US Forest Service über die Berge hinüber nach Silverton oder Durango kraxeln und von dort aus zurück in die Ebene fahren, die am Ende wieder nach Denver führt. Und wahrscheinlich würde sich der Colorado mit Geländeuntersetzung und Offroad-Paket trotz seines langen Radstands dabei sogar ziemlich tapfer schlagen. Doch nach einem knappen Meter Neuschnee in einer Nacht ist das Lawinenrisiko vielleicht doch ein bisschen groß und die Lust auf eine Nacht mit dem Yeti klein. Außerdem gibt es ja noch ein paar andere Wege zurück – zum Beispiel den Highway 24, der nicht umsonst den Beinamen „Top of the Rockies“ trägt. Schließlich fällt er nur selten unter 9.000 Fuß und führt über ein paar spektakuläre Pässe wie den Fremont. Vor allem folgt er einem Kamm von über einem halben Dutzend 14.000ern – darunter auch der Mount Elbert, der mit 14.440 Fuß oder 4.401 Metern buchstäblich den Höhepunkt jeder Colorado-Rundfahrt markiert – denn weiter geht es nirgends hinauf in den Rocky Mountains.

Zwar weht auf den Hochebenen entlang des Scénic Byways in diesen Tagen gerne knietief der Schnee über die Straße, statt in den Asphalt krallen sich die grobstolligen Reifen schon seit Stunden in eine geschlossene Eisdecke und wenn man am Drive-Thru-Schalter des Kaffeerösters Leadville mal kurz das Fenster öffnet, gefriert einem in der höchstgelegenen Stadt der USA schnell der Atem. Doch wenn vor den Fenstern mehr 14.000er lang ziehen, als es in den Alpen überhaupt Gipfel gibt, drinnen die Klimaanlage bollert und im Satelliten-Radio auch noch John Denvers offizielle Colorado-Hymne „Rocky Mountain High“ läuft, wird einem vollends warm ums Herz – egal wie kalt es draußen ist.

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