IAA

Wege zur Mobilität von morgen

16.09.2009 | Redakteur: Thomas Weber

Die Entwicklungsverantwortlichen aller sieben deutschen Automobilhersteller sprechen in Frankfurt über die Perspektiven für die Mobilität der Zukunft. In einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Titel „Innovative Technologien – der Weg der deutschen Automobilindustrie“ machen alle deutschen Hersteller klar, dass sie intensiv daran arbeiten, die CO2-Emissionen von Neufahrzeugen auch künftig erheblich zu senken.

Eine Premiere der besonderen Art gab es am heutigen Mittwoch auf der 63. IAA: Zum ersten Mal präsentierten die Entwicklungsverantwortlichen aller sieben deutschen Automobilhersteller – gemeinsam mit Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) – der Öffentlichkeit die Perspektiven für die Mobilität von morgen und berichteten über die eindrucksvollen Innovationen der Hersteller für Sicherheit und Umwelt.

CO2-Emissionen weiter deutlich senken

Die Veranstaltung mit dem Titel „Innovative Technologien – der Weg der deutschen Automobilindustrie“ zeigte auf, dass alle deutschen Hersteller intensiv daran arbeiten, die CO2-Emissionen von Neufahrzeugen auch künftig erheblich zu senken. Auf dem Podium waren neben VDA-Präsident Wissmann alle deutschen Hersteller vertreten: Michael Dick (Vorstandsmitglied der Audi AG, Technische Entwicklung), Dr.-Ing. Klaus Draeger (Mitglied des Vorstands der BMW AG, Entwicklung), Dr. Thomas Weber (Vorstandsmitglied der Daimler AG, Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung), Joseph Bakaj (Vice President, Product Development, Ford of Europe), Hans Demant (Vize-Präsident Entwicklung, General Motors Europa und Vorsitzender der Geschäftsführung der Adam Opel GmbH), Wolfgang Dürheimer (Vorstandsmitglied der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Forschung und Entwicklung) sowie Dr. Ulrich Hackenberg (Mitglied des Markenvorstands Volkswagen für den Geschäftsbereich „Entwicklung“).

„Die 100 Weltpremieren allein bei den Herstellern sowie die vielen Innovationen der Zulieferer, die in einer bislang ungeahnten Fülle auf dieser weltweit wichtigsten Mobilitätsmesse zu sehen sind, unterstreichen, dass es nicht einen einzigen ‚Königsweg’ für die Technologie von morgen gibt, sondern dass das ein ‚Suchprozess’ ist, für den der Markt mit seinem intensiven Wettbewerb optimale Voraussetzungen bietet, um zu Ergebnissen zu gelangen, die technologisch, wirtschaftlich und ökologisch überzeugen“, sagte Wissmann.

In der Präsentation ging es vor allem um die mittel- und langfristigen Perspektiven: Welche Antriebsart wird in Zukunft die Nase vorn haben? Wann löst der Elektromotor den klassischen Verbrennungsmotor ab, der in über 100 Jahren eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben hat? Neben den Umweltaspekten wurde auch das Thema Sicherheit behandelt: Was sind die nächsten Meilensteine auf dem Weg zum „unfallfreien Fahren“? Und schließlich ging es um die Frage, welche Schritte die deutschen Automobilhersteller unternehmen, um ihre herausragende Position auf den Weltmärkten auch künftig zu halten und auszubauen?

Die E-Mobilität wird kommen

Michael Dick von Audi betonte, dass aus Sicht von Audi an der Elektromobilität kein Weg vorbei führe. Sie werde ihr Potenzial sukzessive voll entfalten. Leichtbau und Effizienztechnologien werden, so Dick, für die weitere Optimierung des Elektrofahrzeuges eine zentrale Rolle spielen. Es komme nun entscheidend auf Fortschritte bei der Batterietechnologie an. „Es ist unser Anspruch, so wie wir heute jeden Tropfen Sprit optimal nutzen, jedes Kilowatt Strom optimal für Fortbewegung, Komfort, Sicherheit und Fahrspaß einzusetzen“, sagte Dick. Für eine nachhaltige Mobilität sei es erforderlich, alle technologischen Kompetenzen in Effizienzsteigerung, Downsizing und Leichtbau über die gesamte Bandbreite der Antriebstechnologien konsequent zu nutzen.

Dr. Klaus Draeger von BMW erläuterte das „intelligente Energiemanagement“ seines Unternehmens und die CO2-Minderungen durch die EfficientDynamics-Fahrzeuge von BMW. Modernste Elektroantrieb-Konzepte würden künftig kombiniert mit einem äußerst sparsamen 3-Zylinder-Turbodieselmotor.

Dr. Thomas Weber von Daimler unterstrich: „Wir sehen in der Elektromobilität einen wichtigen Baustein im Antriebsmix für die nachhaltige Mobilität.“ Neben der Weiterentwicklung von HighTech-Verbrennungsmotoren gelte es, insbesondere diese innovativen Technologien für Elektromobilität, aus Deutschland heraus, voranzutreiben. Dabei sei die Lithium-Ionen-Batterie eine Schlüsseltechnologie. Auch zum Aufbau der entsprechenden Infrastruktur sei ein enger„Schulterschluss“ von Industrie, Politik, Wissenschaft und Energieversorgern erforderlich.

Joseph Bakaj von Ford betonte, dass sein Unternehmen ein leichtes Nutzfahrzeug als Elektrofahrzeug in naher Zukunft in den USA auf den Markt bringen werde. Im Pkw-Bereich will Ford in zwei Jahren ein Elektro-Kompaktauto mit Lithium-Ionen-Batterien auf den US-Markt bringen. Es seien zwar noch nicht alle technischen Probleme gelöst, aber Ford werde in der vordersten Front derjenigen stehen, die Elektroautos einführen, auch wenn es zunächst nicht um große Stückzahlen gehe.

Symbiose von Verbrennungsmotor und E-Antrieb

Hans Demant von Opel betonte, dass der Weg zur Elektrifizierung des Automobils, angefangen bei herkömmlichen Hybriden, über Plug-in-Hybride bis hin zu Elektrofahrzeugen mit Reichweitenverlängerung wie dem Opel Ampera führt. Es gehe um die Symbiose des heutigen Verbrennungsmotors und des künftigen Elektroantriebs. „Wir wollen Umweltfreundlichkeit ohne Verzicht“, so Demant. Bei der Entwicklung des Wasserstoffantriebs habe die deutsche Automobilindustrie einen Entwicklungsvorsprung, der weiter ausgebaut werden sollte. „Die Brennstoffzelle und die Elektromobilität ergänzen einander“, erklärte Demant.

Beim Ottomotor gebe es gerade im „High-Performance-Bereich“ noch erhebliche Kraftstoffeinsparungspotenziale, sagte Wolfgang Dürheimer von Porsche. Hierzu zähle unter anderem die Benzindirekteinspritzung in Verbindung mit Doppelkupplungsgetriebe. Dürheimer sieht zudem weitere „innere Einsparpotenziale“ beim Ottomotor, darunter auch bei der Reibungsoptimierung. Die elektronischen Regel- und Assistenzsysteme könnten den Fahrer zusätzlich entlasten, erläuterte er im Hinblick auf die Fortschritte bei der Fahrzeugsicherheit.

Downsizing bei Ottomotoren

Dr. Ulrich Hackenberg von Volkswagen sieht einen Trend zu Downsizing bei Ottomotoren. Er wies auf die Potenziale der verschiedenen Energieträger hin, darunter Erdgas, Benzin, Diesel, Sunfuel und Synfuel. Insbesondere das Potenzial des Clean Diesel sollte nicht unterschätzt werden. Einen klaren Trend sieht Hackenberg in der Elektrifizierung des Antriebs. Darunter falle auch der Weg vom Hybrid zum reinen Elektroauto.

„Diese IAA zeigt, dass sich Effizienz, Klimaschutz und Fahrspaß nicht ausschließen. Diese Industrie beschreitet neue Wege, um nachhaltige individuelle Mobilität für die Bürger auch in einer Zukunft zu ermöglichen, in der die fossilen Energieträger immer knapper und teurer werden. Wir setzen alles daran, um unseren technologischen Vorsprung weiter auszubauen“, resümierte VDA-Präsident Wissmann.


Kommentar zum Beitrag schreiben

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 318512)