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Infiniti QX30: Der GLA für Exoten

| Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Jens Scheiner

Der neue XQ 30 von Nissans Nobelmarke Infiniti zielt auf Wettbewerber wie den GLA von Mercedes-Benz.
Der neue XQ 30 von Nissans Nobelmarke Infiniti zielt auf Wettbewerber wie den GLA von Mercedes-Benz. (Bild: Sven Prawitz)

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Mit seiner Tochter Infiniti will Nissan etwas vom ertragreichen Premiumkuchen abhaben. Auch das Kompakt-SUV QX30 soll exquisite Ansprüche erfüllen.

Eine der beliebtesten Phrasen der Automobilhersteller ist aktuell, „das Beste aus zwei Welten“ verbinden zu wollen. Eigentlich müsste hier nun ein Bericht über einen Hybriden folgen, schließlich rühmt die Industrie diese Antriebsform mit eben jener Metapher. Doch auch der Infiniti QX30 ist ein automobiler Spagat und verbindet zwei Welten miteinander, obwohl er kein Hybrid ist. Statt Verbrenner und Elektromotor sind in diesem Fall das Außenkleid und das Innenleben die beiden fremdelnden Elemente, die zu einer passenden Einheit verschmelzen sollen. Kurz gesagt: von außen ist der QX30 ein unverkennbarer Infiniti, von innen ein waschechter Mercedes-Benz GLA. Das kommt nicht von ungefähr: Infiniti-Mutter Nissan will seinen Ableger schließlich als Premium-Marke etablieren. Und was käme den Japanern da gelegener, als die Kooperation mit dem premiumerfahrenen Daimler-Konzern dafür zu nutzen?

In Deutschland immer mit Allrad

Wer beim Fahren auf Mercedes-Qualität setzt und dennoch als äußerlicher Exot mehr Blicke auf sich ziehen möchte, als mit einem Original-GLA, liegt mit diesem Auto also genau richtig. Premiumtypisch gibt es beim Fahren wenig zu mäkeln. Der 2,2-Liter-Diesel mit 170 PS und 350 Nm im Testwagen schiebt ordentlich voran. Wer nach einem Manko sucht, kann höchstens seine doch recht hohe akustische Präsenz im Innenraum geltend machen.

Absolut einwandfrei arbeitet das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Von den Gangwechseln bekommt der Fahrer kaum etwas mit, sowohl Stadtfahrten als auch Ausflüge auf Landstraße oder Autobahn meistert das Getriebe problemlos. Wer nicht zu sehr „brettert“, kann den QX30 im Schnitt mit knapp sechs Litern durch die Gegend rangieren, bei Geschwindigkeiten konstant über 140 Stundenkilometer gönnt sich das SUV dann aber doch knapp acht Liter auf 100 Kilometer. Der Sprint von 0 auf 100 gelingt in 8,5 Sekunden, laut Datenblatt ist bei 215 km/h Schluss. Immer an Bord ist übrigens ein Allradantrieb, eine Version ohne All-Wheel-Drive bietet Infiniti in Deutschland nicht an.

Rätselhafte Verkehrszeichenerkennung

Zu einem echten Premiummobil gehört mittlerweile natürlich längst eine ganze Palette an Assistenzsystemen. Der Testwagen hatte beispielsweise eine 360-Grad-Kamera, Abstandswarner mit Notbremsassistent und einen Spurhaltewarner an Bord. Einen guten Eindruck haben die adaptiven LED-Scheinwerfer hinterlassen: Sie reagierten schnell auf sich ändernde Lichtverhältnisse. Weniger überzeugend agierte der Abstandswarner, der teilweise doch arg früh auf sich aufmerksam machte. Für ein kleines Kuriosum sorgte die Verkehrszeichenerkennung: Warum sie bei Fahrten neben Lkws auf der Autobahn des Öfteren eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 90 km/h anzeigte, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Doch bevor man sich über das ein oder andere übereifrige Helferlein beklagen kann, muss man diese bekanntlich erst einmal aktivieren. Und schon sind wir beim Thema Bedienung. Die ist gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig, besser treffen es wohl Begriffe wie kompliziert und unübersichtlich. Auf den vom GLA bekannten Hebel für den Tempomat hinter dem Lenkrad mit seinen absurden zwölf Funktionen hätten die Japaner beispielsweise gerne verzichten können. Und auch die so ziemlich einzige Eigenleistung im Innenraum, das Navigations- und Infotainmentsystem, sorgt mit seiner verschachtelten Menüstruktur gelegentlich für Verwirrung.

Garantierter Exoten-Status

Dagegen werden die Sitze im QX30 den meist hohen Ansprüchen des angepeilten Klientels absolut gerecht. Eine Ausfahrt von 500 Kilometern am Stück ließ sich absolut bequem meistern. Allerdings ist das Auto definitiv kein Raumwunder und so sieht es mit dem Komfort auf der Rückbank schon ganz anders aus. Bein- und vor allem Kopffreiheit dürfen Mitfahrer im Kompakt-SUV nicht erwarten. Zweiteres verhindert vor allem die nach vorne geneigte C-Säule. Das Kofferraumvolumen fällt mit 430 Litern im Wettbewerbsvergleich ebenfalls dürftig aus. Auch die Sicht nach hinten ist äußerst begrenzt, die optionale Rundumkamera daher durchaus empfehlenswert.

Insgesamt ist der Infiniti QX30 ein Auto, das sich nicht verstecken muss. Das Fahrgefühl ist dank des DSG-Getriebes top, über die kleinen Makel lässt sich größtenteils hinwegsehen – so lange man das Auto selbst oder als Beifahrer nutzt und sich nicht auf die Rückbank quetschen muss. Preislich startet der Japaner bei 39.100 Euro und ordnet sich damit teilweise ordentlich unter den Kompakt-SUVs anderer Premiummarken ein. Empfehlenswert ist der QX30 außerdem für alle, die zwar SUV fahren wollen, aber dennoch aus dem zunehmenden Einheitsbrei dieses Segments herausstechen wollen. Im Vergleich zu Audi Q2 oder Q3, der X-Familie von BMW oder eben den Schwester-Modellen von Mercedes-Benz, an denen man sich langsam aber sicher sattgesehen hat, fällt ein Infiniti im Straßenverkehr doch noch deutlich mehr auf. Im März 2017 sind laut Kraftfahrtbundesamt gerade einmal zwölf neue QX30 auf Deutschlands Straßen gelandet. Der Exotenstatus ist Kunden also sicher.

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