17.01.2008 | Autor / Redakteur: Cornelia Truckenbrodt / Thomas Weber
Der Innenraum entwickelt sich unter der Flut technischer Innovationen weiter. Die Konzepte werden immer komplexer.
In ein neues Fahrzeug einsteigen und einfach losfahren – ohne vorher lange die Bedienungsanleitung zu studieren? Beim ersten i-Drive von BMW undenkbar. Alle bisher bekannten Knöpfe waren einfach verschwunden. Ältere Menschen waren überfordert, die Jüngeren genervt.
Die Technik soll im Hintergrund komplex und leistungsfähig sein, aber an der Oberfläche schlank und simpel daherkommen. Und so kommt es, dass bei Umfragen Wünsche wie „einfache Bedienung“ oder „ich würde gerne mein Auto ganz individuell konfigurieren, mit diversen Programmen und Abläufen, wie mein persönliches Laptop“ ganz oben stehen. Das Dilemma ist perfekt.
Die Bedienung hunderter Funktionen in einem Oberklassefahrzeug kann nicht mehr nur über Schalter und Hebel erfolgen. Hersteller wie Lexus und Jaguar setzen auf Touchscreen. Die Bedienerführung ist zwar einfach, kann aber nicht in Blickrichtung des Fahrers angeordnet werden.
Prof. Harald Leschke von Daimler wagt einen Blick in die Zukunft: „Jeder Schalter oder jedes Display, das ich berühre, wird mir auf dem Bildschirm erklärt: Um welche Funktion es sich handelt, was sie tut und wie ich sie bediene. Das Ganze könnte auch über Sprache funktionieren.“ In der Tat könnten Head-up-Displays und Sprachbedienung das Dilemma zwischen Vereinfachung, Komplexität und Sicherheit auflösen.
Derzeit arbeiten Forscher daran, die im Head-up-Display angezeigten Informationen mit der Umgebung zu synchronisieren. In der Fachsprache wird das Ergebnis als „kontaktanalog“ bezeichnet. Die technischen Möglichkeiten sind vielfältig – so können Head-up-Displays mit Nachtsichtgeräten kombiniert werden, die dann schlecht sichtbare Objekte oder Menschen im Display der Windschutzscheibe rot umranden.
Auch die Sprachbedienung steht noch am Anfang. Das Mercedes-System „Linguatronic“ in der aktuellen C-Klasse funktioniert erstmals zufriedenstellend. Es wird darauf ankommen, dass die Systeme auch aus relativ unpräzisen Angaben ableiten können, was der Fahrer meint.
Beim Interieur-Design scheint viele Hersteller der Mut zu verlassen. Ausnahmen wie der bunte Fiat Cinquecento bestätigen die Regel. Kooperationen mit Modemachern sind bereits erprobt worden – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Laut einer Studie der Marktforschungsgesellschaft Puls GmbH wünschen sich weltweit um die 40 Prozent einen Internetzugang im Auto, bei TV-Geräten sind es immerhin noch knapp 30 Prozent. Doch die Autoindustrie kann wegen ihrer langen Entwicklungszyklen beim Infotainment kaum mithalten. „Nach sechs Jahren Entwicklungsarbeit, die ein neues Fahrzeug im Schnitt braucht, kommt sechs Monate vor Serienreife ein neues System wie der iPod und Sie haben wieder einen Technologieschritt verpasst“, sagt ein Entwicklungsdienstleister.
Neue Lichtkonzepte, teilweise mit Farben, die sich der Stimmung des Fahrers anpassen, Massagesitze und Duftspender sollen in Zukunft Wellness-Atmosphäre verströmen. Und die Innenraumgestaltung wird sehr viel freier. Mit By-Wire-Systemen sind neue Oberflächen und Konzepte denkbar – beispielsweise Gangwahlhebel, die auf der Mittelkonsole liegen und elektrisch herausfahren. Der Zulieferer Preh hat entsprechende Konzepte auf der IAA vorgestellt. Dort hat man auch eine transparente, mit Echtmetall beschichtete Kunststoffoberfläche entwickelt, die durchleuchtet werden kann. Ein und dieselbe beschichtete Fläche kann tagsüber metallisch glänzen und nachts hinterleuchtet werden.
Die Zukunft wird einfacher – und schöner.
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