Marktprognose

JSC Automotive dämpft Erwartungen für China

| Redakteur: Christian Otto

Derzeit erfreuen sich deutsche Fahrzeuge noch einer sehr guten Nachfrage in China. Doch dem Zwischenhoch dürfte ein neuerlicher Dämpfer folgen.
Derzeit erfreuen sich deutsche Fahrzeuge noch einer sehr guten Nachfrage in China. Doch dem Zwischenhoch dürfte ein neuerlicher Dämpfer folgen. (Foto: BMW)

Die chinesischen Absatzzahlen der vergangenen zwei Monate schüren große Hoffnung – das Jahr 2016 wird aber wohl nicht besser als 2015. Mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft und des Fahrzeugmarktes rechnen die Berater nicht.

Der chinesische Pkw-Markt überraschte im November selbst Experten: Er stieg um fast ein Viertel und damit zum zweiten Mal in Folge zweistellig. Wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) vermeldete, wurden im vergangenen Monat 2,1 Millionen Neufahrzeuge verkauft, was einem Anstieg von knapp 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet. Ursächlich sei hierfür laut VDA vor allem die seit Oktober geltende Steuererleichterung für Neuwagen mit kleineren Motoren (bis 1,6 Liter Hubraum). Nimmt man die ersten elf Monate des Jahres 2015 zusammen, wurde mit rund 17,7 Millionen verkauften Einheiten das Vorjahresergebnis im Reich der Mitte um fast acht Prozent übertroffen.

Doch für die Unternehmensberatung JSC Automotive ist dies nur eine positive Momentaufnahme. Für das Jahr 2016 dämpfen die China-Spezialisten hingegen die Erwartungen. So rechnen die Berater zwar mit Anstiegen bei den Produktions- und Verkaufszahlen für Pkw in China. Doch die dafür prognostizierten Werte von einem und fünf Prozent fallen eher schwach aus. Grund für das niedrige Produktionswachstum ist laut JSC ein sich lange hinziehendes Rebalancing, weg von einer investitionsgetriebenen und hin zu einer konsumgetriebenen Wirtschaft. Und so erwarten die Analysten auch erst frühestens für 2018 eine leichte Erholung der Wirtschaft und des Fahrzeugmarktes.

Mehr sparen, weniger investieren

„Wir sehen, dass sich China in einer Bilanzrezession befindet, die von dem sehr hohen Schuldenstand bei den Unternehmen getrieben wird“, sagt Jochen Siebert, Geschäftsführer von JSC Automotive. Von 2001 bis 2007 stieg die Rate der Gesamtfaktorproduktivität um 4,1 Prozent pro Jahr, während sie zwischen 2008 und 2012 jährlich um 0,8 Prozent abnahm. Dies bedeute laut JSC, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit 2008 hauptsächlich von Kapitalexpansion getragen wurde.

Gleichzeitig sei das nominale BIP-Wachstum sehr nahe am niedrigsten Satz für Kreditzinsen. Hinzu käme der Zinssatz der Schattenbanken, der von den meisten Privatunternehmen getragen werden müsse. Selbst für Unternehmen mit besten Ratings wird es laut der Unternehmensberatung schwer, schneller zu wachsen als ihre Schuldenlast. Der einzige Weg aus dieser Situation liege darin, mehr zu sparen und weniger zu investieren.

Neue Realität: sinkende Margen

Die Entschuldung der Unternehmen setzt laut Meinung der Experten nun ein. Aber wie in Japan nach 1990 bedeute dies, dass die Schulden von den Unternehmen zum Staat übertragen werden. Nach Ansicht von JSC Automotive manifestiert sich, was das sogenannte „new normal“ für die Branche bedeutet. Ein Markt, der lange durch starkes Wachstum und hohe Margen geprägt war, wird zu einem normalen Markt mit geringem und volatilen Wachstum sowie stark sinkenden Margen. Dies wurde im Jahr 2015 deutlich.

Auf die neue Situation haben viele internationale Hersteller bereits reagiert und fahren ihre taktische Lagerhaltung nach unten. Hieraus resultieren wohl auch die vom VDA für die letzten Monate präsentierten Werte. „Der Hauptgrund für die besseren Zahlen in den Monaten Oktober und November 2015 war, dass die Lager bei den Händlern der internationalen Hersteller runter gefahren waren“, erläutert Siebert. „Man hatte jetzt wieder Spielraum die Händler zu befüllen.“

Steuererleichterung nur mit kurzem Effekt

Das Discountlevel befinde sich nach wie vor bei zehn Prozent und wurde durch die Steuerreduzierung noch um fünf Prozent für Fahrzeuge mit Motoren ergänzt, die kleiner als 1,6 Liter sind. Auch hier dämpft Siebert die Erwartungen: „Wir glauben, dass dies nur zu einem geringen Anstieg der Verkäufe beitragen wird und nur für einen kurzen Zeitraum in 2015 und Anfang 2016 Wirkung zeigt. Gegen Ende 2016, bevor die Anreize auslaufen, kann es dazu beitragen, den Verkauf etwas zu beflügeln.“ Für das Jahr 2017 wird sich der Effekt der vorgezogenen Käufe laut JSC entsprechend negativ auswirken.

Parallel zu dem strukturellen Wandel der chinesischen Volkswirtschaft beobachten die Marktexperten zyklische Prozesse, die vor allem vom Immobilienmarkt geprägt sind. Dieser ist in China mit seinen vor- und nachgelagerten Industrien für knapp ein Drittel des BIP verantwortlich. Der Immobilienmarkt befindet sich 2015 und 2016 im Abschwung. Derzeit wird davon ausgegangen, dass Ende 2017 hier eine Erholung einsetzen wird, welche sich dann auch positiv auf den Automobilmarkt ab 2018 auswirken könnte.

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