Tradition

Jubiläum: 50 Jahre BMW 02-Typen

| Redakteur: Jens Scheiner

Im jahr 1971 war der Produktionsstart für das bei Baur gefertigte 2002 Cabriolet mit feststehendem Überrollbügel.
Im jahr 1971 war der Produktionsstart für das bei Baur gefertigte 2002 Cabriolet mit feststehendem Überrollbügel. (Foto: BMW)

Zur Feier des 50. Firmenjubiläums präsentierten die Bayern einen kompakten Zweitürer, der dem damaligen Zeitgeist weit voraus fuhr und heute als Urvater aller handlichen Dynamiker verehrt wird.

Er widersetzte sich allen Konventionen, fast könnte man den vor 50 Jahren enthüllten kleinen BMW für einen wilden 68er halten. Zumal die erfolgreichste Ausbaustufe der zweitürigen Stufenhecklimousine mit dem magischen Modellcode 2002 passgenau im Jahr 1968 gezündet wurde. Prompt pries die Presse die ganze 02-Reihe als Rennwagen für Firma und Familie. Racer, die so schnell waren, dass sie damals angeblich sogar Porsche-Manager gerne in ihrem Produktportfolio gesehen hätten. Über 800.000 Einheiten verkaufte BMW in zwölf Jahren Bauzeit von den gerne „golf-gelb“ oder „inka-orange“ lackierten Typen aus dem 02-Baukasten (1502 bis 2002 turbo), dann übernahm der erste 3er die Rolle des Lieblings der linken Spur. Ein Karriereverlauf, den Anfang 1966 nicht einmal Optimisten prognostiziert hätten.

Fehlende Zielgruppe für den kleinen Sportler

Damals präsentierte sich der BMW 1600 (mit vorläufig nur intern angehängter „2“ für zwei Türen) als BMW-Einsteigerauto, wie es so eigentlich keinen Erfolg haben konnte. Die Karosserie war mit 4,23 Metern zu klein für die Mittelklasse, der Motor mit 63 kW/85 PS zu groß - der wenig später nachgeschobene 1600 ti leistete sogar 77 kW/105 PS – und der Preis viel zu hoch. 8.650 bis 9.950 Mark, so viel kosteten sonst nicht einmal noble Sechszylinder. Andererseits sprinteten die gut 900 Kilogramm leichten Bayern ähnlich gut wie ein Porsche 912, der fast doppelt so teuer war.

„Wem sollen wir dieses Auto verkaufen?“, sollen überraschte BMW-Händler im Umfeld des Festaktes zum 50. BMW-Jubiläum in der Münchner Staatsoper gefragt haben. Eine unbegründete Sorge, mit einer fast vollkommenen Fahrwerkstechnik passten die handlichen Leistungssportler perfekt in eine Zeit, in der Understatement optischen Protz ersetzte. Das Prinzip Prestige via Power funktionierte sogar in den USA, wo die Werbung „BMW goes schnell“ ebenso Kult wurde wie die blaue Öl-Auspuffwolke flott gefahrener BMW 2002.

Eine Erfolgsgeschichte, von der BMW wahrscheinlich selbst überrascht wurde, sahen doch die ersten Planungen für den kleinen BMW ganz anders aus. Danach sollte das Basismodell im BMW-Programm nicht mehr als 6.500 Mark kosten und als Zwei- und Viertürer mit einem neu entwickelten 1,2- oder 1,5-Liter-Vierzylinder auf der IAA 1965 vorgestellt werden. Mit dieser Konfiguration sollte der Kompakte Fahrer des bisherigen Einsteigermodells BMW 700 erreichen und Wettbewerbern wie dem gleichfalls neuen Glas 1304 das Leben schwer machen. Ein schöner Plan, aus dem nichts wurde. Zum Glück für BMW.

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