Expertenumfrage

KPMG: Vernetzung und Digitalisierung beschleunigen Branchenwandel

| Redakteur: Christian Otto

Die Digitalisierung und Vernetzung gilt als Top-Trend, der die Automobilbranche zu einem schnellen Wandel zwingt. Insbesondere die Fahrzeugdaten sind dabei eine wichtige Währung.
Die Digitalisierung und Vernetzung gilt als Top-Trend, der die Automobilbranche zu einem schnellen Wandel zwingt. Insbesondere die Fahrzeugdaten sind dabei eine wichtige Währung. (Foto: BMW)

Das Beratungsunternehmen betrachtete in einer Studie die künftige Entwicklung der Automobilindustrie. Deren Wandel werde infolge der wichtigen Trends noch schneller und tiefgreifender sein. Die klassischen OEMs sind demnach zum Umdenken verdammt.

Die digitale Vernetzung der Fahrzeuge wird nach Ansicht von Branchenexperten und führenden Vertretern der Unternehmen der IT-, Kommunikations- und Telekommunikationsbranche (ICT) für einen wesentlich schnelleren Wandel der Automobilbranche sorgen als bisher angenommen. Das zeigt der aktuelle „Global Automotive Executive Survey“ der Unternehmensberatung KPMG, der anlässlich der bevorstehenden Detroit Motor Show vorgestellt wurde.

Für die bereits zum 17. Mal durchgeführte Studie wurden 800 Vorstände und Geschäftsführer von Herstellern, Zulieferern, Händlern, Finanz- und Mobilitätsdienstleistern und erstmals auch Unternehmen der ICT-Industrie befragt. Über 80 Prozent aller befragten Unternehmen verzeichnen einen Umsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar, 40 Prozent sogar mehr als 10 Milliarden US-Dollar.

Geschäftsmodell im Wandel

82 Prozent der Experten halten demnach einen einschneidenden Wandel des Geschäftsmodells in der Automobilbranche innerhalb der nächsten fünf Jahre für „ziemlich“ oder „sehr“ wahrscheinlich. Letzteres stößt bereits bei 28 Prozent auf Zustimmung, das sind zehn Mal so viele Experten wie noch vor einem Jahr (3 Prozent). „Vernetzung und Digitalisierung“ wählten die Befragten jetzt als Top-Trend der kommenden zehn Jahre auf Platz 1 der Rangliste (2015: Platz 10).

Dieter Becker, Global Head of Automotive bei KPMG, kommentiert die Ergebnisse: „Der Wandel in der Automobilbranche vollzieht sich schneller als sich viele Experten vorstellen können und vielleicht auch eingestehen wollen. Bezeichnenderweise halten gerade die traditionellen Hersteller unter den Befragten eine radikale Änderung des Geschäftsmodells für eher unwahrscheinlich. Doch man muss es ganz klar sagen: das traditionelle Geschäftsmodell der Hersteller ist überholt.“

Fahrzeugdaten überlebenswichtig

Becker plädiert dafür, dass sich die OEMs davon lösen müssen, ausschließlich produkt- und technologiegetrieben zu denken. Wer auch künftig noch dominierender Player sein und den Anschluss an die IT- und Telekommunikationsbranche nicht verlieren will, müsse ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Dieses muss dem Experten zufolge dazu dienen Fahrzeugdaten zu gewinnen, zu analysieren und zu verwerten und auch fahrzeugunabhängige Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Und der KPMG-Mann spitzt zu: „Überleben werden nur Hersteller, die es schaffen, sich vom ‚Blechbieger‘ zum ‚Gridmaster‘, also dem Herrscher des gesamten Netzes, zu mausern. Letzten Endes wird es darum gehen, die Kundenbeziehung über den gesamten Lebenszyklus innerhalb und außerhalb des Autos zu bestimmen.“

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