Messe Transport Logistic

Logistik digital: Vernetzung, Karten, Telematik

| Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Digitalisierung und Logistik: Auf der Messe „transport logistic“ zeigte die Branche ihre Aussicht.
Digitalisierung und Logistik: Auf der Messe „transport logistic“ zeigte die Branche ihre Aussicht. (Bild: Daimler)

Auf der Messe „transport logistic“ in München drehte sich alles um die Zukunft der Logistikbranche. Ein Schwerpunktthema war die Digitalisierung – und hier entsprechende Telematikdienste, etwa des Unternehmens Fleetboard.

Mit telematikgestützten Systemen senken Transportunternehmen die Kosten, steigern die Produktivität und erhöhen die Sicherheit allgemein. Die Münchner Messe „transport logistic“ vom 9. bis 12. Mai, verdeutlichte, wie stark die Digitalisierung die Branche schon durchdrungen hat und welche Potenziale mit Telematikdienstleistern noch zu heben sind. Beispiel, die Daimler Fleetboard. Das Unternehmen präsentierte anlässlich der Leitmesse für Logistik und Mobilität zahlreiche neue digitale Konzepte und fortschrittliche Telematikanwendungen. Diese sollen durch konkrete Vernetzungsangebote einen nachweisbaren Mehrwert bringen, um die Profitabilität aller Akteure der Logistikbranche zu steigern. Mit Big Data, dem Internet der Dinge, Cloudlösungen und künstlicher Intelligenz erweitert Fleetboard seine Grundlage für neue konkrete Geschäftsideen, also Dienstleistungen.

Augmented Reality für Flottenmanager

Laut Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Lkw sind bis dato rund 220.000 Fahrzeuge bei mehr als 7.000 Kunden weltweit über Fleetboard vernetzt unterwegs. Die notwendige Hardware ist bereits serienmäßig im neuen Actros integriert, sodass heute schon mehr als 40 Prozent aller neu ausgelieferten Actros in Europa mit dem System arbeiten. Buchner: „Wir vernetzen sämtliche Verkehrsabläufe und alle am Transport Beteiligten. Das optimiert Verkehrsflüsse, senkt Verkehrsaufkommen und beschleunigt in Summe Transportprozesse.“ Andere Nutzfahrzeuge von Mercedes-Benz als der Actros enthalten die Hardware auf Wunsch ab Werk oder nachgerüstet, wie auch in markenfremden Lkw und Bussen. So werden Transportunternehmen im Fern-, Verteiler- und Bauverkehr unterstützt, um primär Touren optimiert abzuwickeln und die Betriebskosten von Flotten zu reduzieren.

Künftig will das Unternehmen aber mehr, als nur Telematiklösungen anbieten: „Es wird der Anbieter von digitalen Lösungen für die gesamte Logistikbranche“, erklärte Dr. Daniela Gerd tom Markotten, Geschäftsführerin der Daimler Fleetboard und verantwortlich für Digital Solutions & Services bei Mercedes-Benz Lkw. Komplett neue Konzepte würden schnell entwickelt, vor allem mit etablierten Akteuren der Logistikbranche sowie mit branchenfremden Unternehmen und Start-ups. Bei Gerd tom Markotten heißt das: „Step by Step, App by App.“ Um diese Entwicklung voranzubringen, ergänzt das Unternehmen seine Aktivitäten mit einem so genannten „Innovation Hub“ in Berlin. Es ist die erste Zweigstelle außerhalb Stuttgarts und soll die seit Jahren gelebte Start-up-Mentalität ergänzen, „mit zum Teil vollkommen neuen Denkansätzen“, sagt Gerd tom Markotten.

In Berlin arbeiten seit September 2016 fast 20 Beschäftigte aus unterschiedlichen Staaten und Fachgebieten. In dem Ideenpool an der Spree entstehen Systeme für digitale Produkte sowie Dienstleistungen. Aktuell ist die Entwicklung marktfähiger Produkte aus dem Umfeld der Augmented Reality ein zentraler Schwerpunkt. Insbesondere das Einbinden relevanter Fahrzeugdaten über Smartphone oder Tablet steht dabei im Fokus. Für Augmented Reality gibt es künftig laut Unternehmen zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, etwa als interaktives Trainingstool für Lkw-Fahrer oder im Flottenmanagement via Datenbrille.

Funktionen mittels Flotten- und Kartendaten

In Verbindung mit Online-Geodaten und Navigationsprogrammen sind weitere Funktionen möglich. Hierbei profitieren die Entwickler davon, dass Daimler mit Audi und BMW Ende 2015 den Kartendienst Here von Nokia gekauft haben. Mittels Big Data entsteht jetzt in Zusammenarbeit mit Here eine neue Anwendung, die Lkw-Flottendaten wie Park-, Be-/Entladezeiten nutzerfreundlich auswertet und übersichtlich visualisiert. Durch die Kooperation mit Here lässt sich die Auslastung einzelner Flotten europaweit analysieren und den Unternehmen gezielt zeigen, auf welchen Strecken sie häufig nicht voll ausgelastet und somit unwirtschaftlich unterwegs sind. Beispielsweise lässt sich von einem Lkw, dessen Fahrzeugdaten im System gespeichert sind, über den Bremsweg errechnen, ob er voll- oder teilbeladen fährt, oder ob er sogar eine Leerfahrt unternimmt. So kann der Fuhrparkmanager eingreifen, um etwa neue Fracht zu organisieren und Leerfahrten und Standzeiten zu verhindern.

Mittels des in Kürze verfügbaren „nxtload“ können Lkw-Betreiber Ladungen ordern oder zubuchen. Die Meta-Suchmaschine zeigt im ersten Schritt sämtliche Angebote und Suchfunktionen unterschiedlicher Frachtenbörsen in einer Oberfläche an– von Anfang an dabei sein werden die großen Frachtbörsen Teleroute, Belgien, und Trans.eu, Polen. Im Jahr 2016 gab es rund 200 digitale Plattformen in der EU. Mit zur technischen Basis gehört die Microsoft Cloud-Plattform Azure, die künftig die Cloud-Infrastruktur für alle Fleetboard-Dienste ist – inklusive schneller Softwareupdates, Releases und Skalierbarkeit der Lösungen.

Derzeit sind neben Diensten rund um das Auftrags-, Fahrer- und Fuhrparkmanagement viele weitere neue Dienste bereits in der Pilotphase, über die die Daimler-Tochter in München erstmals konkret informierte. Darunter der „FuelHub“: Dieser digitale Marktplatz vermittelt für Speditionen mit eigener Tankstelle zwischen Mineralölanbietern und Zwischenhändlern.

Das digitale, rollende Büro

Mit Plattform und App gibt es bei „Smargo“ alle Angaben zum Auftrag in digitaler Form und nicht mehr mittels Papier. Der Prototyp von Smargo ist bereits beim Logistikpartner BLG Logistics Group in Bremen im Pilotbetrieb. Seitenweise Fracht-, Zoll- und Lieferpapiere sowie Sicherheitsdatenblätter, Passierscheine oder auch Ausnahmegenehmigungen, die der Fahrer der richtigen Fracht zuzuordnen hat, liefert die offene Plattform cloudbasiert in Echtzeit zum Auftrag. Beim Versender, Lkw-Fahrer und Empfänger liegen alle Angaben zum Auftrag digital vor. Es lassen sich alle Prozessschritte elektronisch dokumentieren und den am aktuellen Transportauftrag beteiligten Partnern kommunizieren.

Unter vielen weiteren neuen Konzepten sticht der „Truck Guard“ hervor, der als Produktidee zwar noch nicht die Entwicklungsphase erreicht hat, jedoch vielversprechend ist. Er soll den Kraftstoffdiebstahl auf Park- und Rastplätzen vermeiden, denn dort werden seit Jahren aus den bis zu 1.000 Liter fassenden Tanks von Fernverkehrs-Lkw Diesel gestohlen. Entweder wird der Tank aufgebohrt oder direkt der Tankdeckel abgerissen. Allein in Deutschland beläuft sich der Verlust der Spediteure laut Fleetboard jährlich auf 100 Millionen Liter Diesel. Künftig können die Fahrzeuge etwa mit speziellen Sensoren und/oder Kameras ausgerüstet werden, die digital mit einer App verbunden sind. Bei einem Diebstahlversuch wird automatisch ein Alarm und eine Meldung an das Dashboard des Flottenmanagers ausgelöst und der Fahrer über sein mobiles Endgerät alarmiert. Wenn notwendig, informieren Flottenmanager und Fahrer über die App mit einem Klick auch Sicherheitsfirmen.

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