14.07.2009 | Redakteur: Gerd Steiler
In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die Verbände BDEW, VDA und ZVEI ein umfassendes Mobilitätskonzept, „internationale Standards“ und „langfristig sichere Perspektiven“ für die weitere Entwicklung der Zukunftstechnologie in Deutschland. Eine klare Absage erteilten die Verbände Überlegungen, den Strom für Elektroautos steuerlich stärker als den Haushaltsstrom zu belasten.
Für ein koordiniertes Vorgehen bei der Einführung der Elektromobilität haben sich erstmals drei große Branchenverbände ausgesprochen. „Vor einer breiten Einführung von Elektrofahrzeugen sind zahlreiche politische, technische und infrastrukturelle Voraussetzungen zu schaffen, die einen Schulterschluss von Politik, Industrie und Energiewirtschaft erfordern“, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Positionspapier, das vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dem Verband der Automobilwirtschaft (VDA) und dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) verabschiedet wurde.
Die Verbände regen eine gemeinsame Plattform der Bundesregierung sowie der Verbände und Unternehmen der Automobilindustrie, der Energieversorgung, der chemischen und der elektrotechnischen Industrie sowie der Batteriehersteller an. Sie würde dazu beitragen, die industrielle Basis Deutschlands bei dieser weltweit bedeutenden Zukunftstechnologie zu stärken.
Die Elektromobilität erbringe einen wesentlichen Beitrag zur Minderung der CO2-Emissionen und müsse deshalb eine Querschnittsaufgabe für die beteiligten Industrien, die Wissenschaft und die Politik sein. „In der Regel werden die Stromversorgungsunternehmen für diese Elektrizitätsanwendung Tarife anbieten, die ausschließlich die Verwendung von regenerativ erzeugter Energie vorsehen“, heißt es in dem Positionspapier. Grüner Fahrstrom dürfe künftig steuerlich nicht zusätzlich belastet werden.
Die Elektromobilität könne einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige zukunftsgerichtete Mobilität im Rahmen aller künftigen Antriebskonzepte leisten. Hierzu sei ein umfassendes Mobilitätskonzept notwendig, das dem Kunden unter anderem die Wahlfreiheit seines Stromversorgers und die Kontrolle über die Batterieladung belässt.
BDEW, VDA und ZVEI sprechen sich allerdings auch für realistische Erwartungen an die Elektromobilität aus: „Aus heutiger Sicht werden Verbrennungsmotoren die Mobilität noch für eine lange Übergangsphase gewährleisten“, heißt es in dem Papier. Dabei würden Fragen der Reichweite, der Ladezeiten und Kosten der Batterie die Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen bis auf Weiteres nachhaltig beeinflussen. Auch die notwendige kundenorientierte Infrastruktur müsse erst noch installiert werden. Zudem werde aus heutiger Sicht die Domäne reiner Elektrofahrzeuge in absehbarer Zukunft zunächst eher im Nahbereich liegen.
Längerfristig betrachtet, könne die breite Einführung von Elektrofahrzeugen die Option einer geeigneten Speichermöglichkeit bieten, um das häufig schwankende Angebot von regenerativ erzeugtem Strom in das bestehende Versorgungssystem sinnvoll zu integrieren. Dabei sprechen sich BDEW, VDA und ZVEI für eine Standardisierung aller für das elektrische Fahren benötigten Komponenten aus. Es gelte, „übergreifende Standards und Normen“ zu erarbeiten, die den Anschluss der Fahrzeuge an das Stromnetz zum Zwecke der Aufladung des Energiespeichers sicherstellten. Dabei seien europäische, möglichst sogar weltweite Standards anzustreben.
Von der Bundesregierung erwarten die drei Verbände eine langfristige und sichere Perspektive für die weitere Entwicklung der Elektromobilität. Bislang bearbeiten vier Ministerien – die Ressorts Verkehr (BVBS), Umwelt (BMU), Wirtschaft (BMWi) und Forschung (BMBF) – dieses Thema. Die Verbände regen an, einen hochrangigen Beauftragten für Elektromobilität bei der Bundesregierung einzusetzen, um eine Straffung der Arbeit zu erreichen. Ziel sei es, Deutschland weltweit in eine führende Position im Zukunftsmarkt Elektromobilität zu bringen. Eine entsprechende Forschungsförderung der elektrischen Energiespeicherung müsse Deutschland zum globalen Innovationsstandort für diese Technologie machen. „Diese Chance müssen wir nutzen“, fordern die Verbände.
„Neue Konzepte der Elektromobilität“ waren auch das zentrale Thema des »Würzburger Automobil Gipfels« 2009, zu dem am 8./9.Juli rund 270 Teilnehmer ins Haus Vogel Business Media (VBM) gekommen waren. Namhafte Branchen-Experten referierten im Rahmen des zweitägigen Fachkongresses über die Chancen alternativer Antriebstechniken jenseits des klassischen Verbrennungsmotors.
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