18.07.2008 | Redakteur: Thomas Weber
Volkswagen-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn blickt trotz schwacher Automärkte in Europa und den USA zuversichtlich in die Zukunft.
Martin Winterkorn erwartet trotz der schwachen Automärkte in Europa und den USA eine „kleine
Sonderkonjunktur“ für Volkswagen. Als Gründe nannte der VW-Chef eine „Produktoffensive“ mit Modellen wie dem neuen Golf, dem Scirocco oder dem neuen Polo sowie sparsame Motoren von VW. Winterkorn verwies vor Journalisten in Wolfsburg auch auf die geplante neue Kleinwagen-Modellfamilie „New Small Family“.
Anders als andere Autobauer hält VW an der Prognose für das laufende Jahr fest. „Wir stehen nach wie vor zu dem, was wir gesagt haben“, betonte der Konzernchef. Danach will VW beim Absatz, Umsatz und Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Dagegen hatten Toyota, PSA oder Renault ihre Absatzprognosen für das Gesamtjahr kürzlich nach unten korrigiert. Winterkorn sagte, VW sei immer noch mit „Vollgas“ unterwegs. Allerdings müsse man darauf achten, die Märkte eventuell nicht zu überfrachten. „Was wir nicht wollen, ist, die Lager vollzuparken und die Autos stehen zu lassen.“
Insgesamt betrachte er die weltweite Autokonjunktur mit Sorge, sagte Winterkorn. Er nannte die hohen Benzinpreise und Rohstoffkosten sowie die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten. Während die Automärkte in China und Südamerika noch „punkten“» könnten, liefen die Märkte in den USA, Spanien, Italien und England schwach. Auch die Stimmungslage in Deutschland sei „alles andere als beruhigend“.
Zu den hohen Stahlpreisen sagte Winterkorn, die Lage für VW sei wegen laufender Verträge noch nicht kritisch, könnte es aber in den nächsten Jahren werden. Die Automobilindustrie könne zwar über Kostenreduzierungen oder eine bessere Materialausnutzung viele Kosten reduzieren. Wenn es aber so weiter gehe, „wird die Automobilindustrie
auch über Preiserhöhungen nachdenken müssen“, so Winterkorn.
Zum derzeit kriselnden US-Automarkt sagte Winterkorn, er halte die USA auch künftig für einen überaus wichtigen Absatzmarkt. „Ich glaube nicht, dass die USA ein Land der Radfahrer, der Fußgänger und der Zugfahrer werden.“ Der Trend gehe aber zu Autos, die zwar groß, aber sparsam und verbrauchsarm seien. VW erwäge, künftig den Scirocco, der im Laufe des Sommers in Deutschland auf den Markt kommt, oder Kleinwagen auch in den USA auf den Markt zu bringen.
Volkswagen habe weltweit noch einen „weißen Flecken“, sagte Winterkorn. Und dies sei Südostasien. Es werde erwogen, in Thailand, Malaysia oder Vietnam eine lokale Produktion aufzubauen. „Wir werden das im Laufe des Herbstes diskutieren, ob wir zu einer Entscheidung kommen, weiß ich heute noch nicht.“ Verhandlungen zwischen VW und dem Autobauer Proton aus Malaysia über eine Kooperation waren gescheitert.
dpa
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