Ford

Kurswechsel nach Milliardenminus

25.07.2008 | Redakteur: Bernd Otterbach

Nach einem enormen Quartalsverlust von 8,7 Milliarden Dollar will Ford von seiner profitablen Europa-Tochter lernen und auf kleinere, sparsame Modelle setzen.

In einem radikalen Strategieschwenk sollen in den nächsten Jahren sechs erfolgreiche europäische Modelle auch in den USA vom Band rollen. Drei heutige Geländewagenwerke werden umgerüstet. Hinzu kommen weitere massive Kostensenkungen. „Die zweite Jahreshälfte bleibt herausfordernd, aber wir haben den absolut richtigen Plan für den veränderten Markt“, sagte Konzernchef Alan Mulally am Donnerstag in Detroit.

Fiesta und Focus als Retter

In Europa verdiente Ford im zweiten Quartal 582 Millionen Dollar (372 Millionen Euro) - mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg hier auch dank höherer Verkaufszahlen um ein Viertel auf 11,5 Milliarden Dollar. Erfolgsmodelle wie Fiesta und Focus sollen Ford auch in den USA retten. Wie Europa fuhren Südamerika und Asien Gewinne ein.

Wegen der dramatischen Talfahrt in den USA sank der Konzernumsatz bereinigt um die verkauften Marken Jaguar und Land Rover um 13 Prozent auf 38,6 Milliarden Dollar. Die Zahlen fielen weit schwächer aus als von Experten erwartet. Die Aktie verlor zum Handelsstart deutlich. Vor einem Jahr hatte der zweitgrößte US-Hersteller im zweiten Quartal noch einen Gewinn von 750 Millionen Dollar erzielt.

Fords weltweiter Absatz sank im ersten Halbjahr um 331.000 auf 3,1 Millionen Wagen. Volkswagen überholte damit Ford als nun weltweit drittgrößter Hersteller hinter Toyota und dem Opel-Mutterkonzern General Motors. VW verkaufte bis Jahresmitte 3,3 Millionen Autos.

Ziele für 2009 revidiert

Ford musste wegen der US-Krise Abschreibungen von 8 Milliarden Dollar vor Steuern vornehmen. Auch ohne diese Sonderbelastungen lag der operative Verlust nach Steuern noch bei 1,4 Milliarden Dollar. Mulally hatte kürzlich das Ziel aufgegeben, Ford 2009 in die Gewinnzone zurückzuführen. 2008 werde schlechter als vergangenes Jahr und 2009 etwa genauso, sagte er nun. In den beiden vergangenen Jahren summierten sich die Verluste auf mehr als 15 Milliarden Dollar.

Für Branchenexperten ist offen, ob die amerikanischen OEM das Steuer schnell genug herumreißen können. Der Kurswechsel kostet zudem viel Geld. Am Markt kursierten immer wieder Insolvenzgerüchte, die Ford nun erneut dementierte. Noch 2008 will Ford jährliche Einsparungen von rund 5 Milliarden Dollar im Vergleich zu 2005 erreichen.

Für den gesamten US-Automarkt ist laut Experten keine Besserung in Sicht. Sie rechnen mittlerweile für 2008 mit einem Rückgang auf 14,2 Millionen verkaufte Wagen. Dies wäre ein Minus von 12 Prozent und der tiefste Stand seit rund 15 Jahren.

Die schwedische Ford-Tochter Volvo fuhr im zweiten Quartal einen Verlust vor Steuern von 120 Millionen Dollar ein nach einem Minus von 91 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel um zwei Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar.

dpa


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