23.02.2009 | Redakteur:
Gemessen an den absoluten Zulassungszahlen gehört Hyundai in Europa immer noch zu den Zwergen der Autobranche. Doch während Mitbewerber mit zweistelligen Absatzeinbußen zu kämpfen haben, freuen sich die Koreaner über Zuwächse.
Man gibt sich selbstbewusst. Mit dem Produktionsstart im tschechischen Nosovive sei die Marke endgültig in Europa angekommen, heißt es. Mit neuen Versionen der europäischen i-Modelle wollen die Koreaner stärker mitmischen. Und das neue Blue Drive Label soll das Öko-Image stärken. „Die Krise trifft uns weniger hart als viele Mitbewerber – und wir werden gestärkt daraus hervorgehen“, sagt Allan Rushford, Vizepräsident von Hyundai Europazentrale. Während die gebeutelten Töchter des GM-Konzerns immer verzweifelter ums Überleben strampeln, strotzt man bei Hyundai derzeit vor Selbstbewusstsein.
Auf dem Heimatmarkt sieht es derzeit zwar auch nicht wirklich rosig für den Lokalmatador aus. Doch es gibt Märkte, die den Koreanern selbst in den momentanen Krisenzeiten richtig Freude machen. Deutschland zum Beispiel. Hier legte die Marke im Januar um satte 50 Prozent zu. „Und das, obwohl die Zahl der Neuzulassungen insgesamt um 14 Prozent schrumpfte“, gibt Rushforth bei einer Pressekonferenz im tschechischen Nosovice zu bedenken.
„Hyundai profitiert dabei ganz besonders von der Abwrackprämie“, so Stefan Henrich, PR-Manager von Hyundai Motor Europe. Die koreanischen Klein- und Kompaktwagen finden derzeit reißenden Absatz. Sämtliche Restbestände des ausgelaufenen Getz sind abverkauft, wer den Nachfolger i20 bestellt, muss bereits mehrere Monate auf sein Auto warten.
Aber auch für die Zeit nach der deutschen Abwrackprämie erwartet der Konzern ein größeres Stück vom Kuchen. Europaweit will Hyundai im laufenden Jahr um zwei Prozent wachsen - vor allem mit seinen neuen i-Modellen, die speziell auf den europäischen Kundengeschmack zugeschnitten worden. Mit dem neuen Werk im tschechischen Nosovice haben sich die Koreaner schon mal in Position gebracht. Seit November 2008 läuft hier, in einem der modernsten Automobilwerke Europas, der i30 vom Band.
Den Standort hat die Konzernzentrale mit großem taktischen Kalkül gewählt. Hyundai profitiert im östlichen Tschechien nicht nur von EU-Finanzspritzen und einem niedrigen Lohnniveau – rund 800 Euro verdient ein Band-Arbeiter in Nosovice monatlich. Der Autobauer zieht auch Nutzen aus der geografischen Nähe zum Schwesterkonzern Kia, der in Zilina – auf slowakischer Seite der nahen Grenze – schon ein Jahr zuvor ein Werk eröffnet hat. So lassen sich Synergien nutzen. Bei Hyundai werden Getriebe für beide Werke produziert. Kia liefert Motoren, die ebenfalls in Autos beider Marken verbaut werden.
Die Zeiten, in denen sich die Autos aus Korea bei den Käufern hierzulande vor allem mit niedrigem Preisniveau empfohlen haben, sind indes Geschichte. Mittlerweile bewegt sich die Marke in etwa auf gleicher Höhe mit den Mitbewerbern. So starten die Preise für den i20 mit 1,2 Liter Benziner bei rund 12.000 Euro, damit ist der kleine Koreaner kaum günstiger als ein Ford Fiesta mit vergleichbarer Motorisierung.
„Europas Autokäufer erwarten hohe Sicherheits- und Qualitätsstandards erwarten, und wir wollen diese Erwartungen erfüllen“, lautet das Credo in der europäischen Konzernzentrale. Das Segment der Billigautos will man offenbar der chinesischen Konkurrenz überlassen, die trotz spektakulärer Fehlstarts in absehbarer Zeit auf den europäischen Märkten Fuß fassen dürfte.
Weil der Wunsch nach ökologisch korrektem Autofahren mittlerweile immer weitere Käuferschichten erfasst, will Hyundai besonders sparsame und umweltschonende Modelle künftig unter einem neuersonnenen „Blue Drive“ Label vermarkten. Als „grüner“ Blauer steigt zunächst i30 in den Ring. In der Blue-Version hat er eine Start-Stopp-Automatik an Bord, mit der sich Kraftstoffeinsparungen von durchschnittlich sieben Prozent gegenüber dem normalen i30 erreichen lassen sollen. Ab Juni soll i30blue zu den Händlern kommen. Die kleineren Modelle i10blue und i20blue will Hyundai im kommenden Jahr nachschieben.
Schritt für Schritt soll die Initiative für mehr ökologische Korrektheit beim Autofahren dann ausgeweitet werden. Unter dem Blue Drive Label will Hyundai in naher Zukunft besonders saubere Diesel van die Kundschaft bringen, zudem Fuel-Flex-Fahrzeuge, Hybridautos und Modelle mit sogenannter Plug-In-Hybrid-Technik, Hybride also, die ihre Batterie auch an der Steckdose auftanken können. Im nächsten Schritt sollen dann eines schönen Tages Blue Drive Modelle mit Brennstoffzellenbetrieb an den Start gehen. Die Hybrid-Ära dagegen läutet Hyundai schon in diesem Jahr ein. Allerdings vorerst nur in Korea. Dort will der Autobauer Sommer eine Hybrid-Version des Elantra auf den Markt bringen, bei der – erstmals in der Automobilgeschichte - ein Elektromotor, ein Flüssiggas-Aggregat und eine neu entwickelte Lithium-Ionen-Polymer-Batterie zum Einsatz kommen.
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