18.08.12 | Autor / Redakteur: Thomas Günnel/Tina Rumpelt / Thomas Günnel

In Tiexi, im Nordosten Chinas, weit entfernt von automobilen Zentren wie Changchun oder Shanghai, eröffnete BMW im Mai sein zweites chinesisches Werk. Dort, wo auch das Werk Dadong steht, sehen die Münchner vor allem mittel- und langfristig Standortvorteile
Das, was wir da hingestellt haben, ist der höchste Automatisierungsgrad in China“, kommentiert Knudt Flor, Vizepräsident Technik und Produktion, stolz den Neubau in der Region Shenyang/Provinz Liaoning. Inerhalb von zwei Jahren entstanden der Karosseriebau, die Montage sowie weitere Gebäude. Die Grundstücksfläche beträgt rund zwei Quadratkilometer. Hier entstehen die Modelle X1, der 3er als Langversion und künftig auch die 3er Limousine.
Rund 100.000 Einheiten pro Jahr kann BMW aktuell in dem Werk fertigen – bei Bedarf ist diese Kapazität auf 200.000 Einheiten erweiterbar. Derzeit installiert sind 15 Einheiten pro Stunde.
Für BMW ist China ein wichtiger Markt: In diesem Jahr rechnen die Münchner mit einem prozentual zweistelligen Absatzzuwachs. Im vergangenen Jahr hat die BMW Group in China 233.630 Fahrzeuge abgesetzt – rund 38 Prozent mehr als im Vorjahr.
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| Seit dem Jahr 2005 verzeichnet BMW in China (ohne Hongkong und Taiwan) einen stetigen Absatzanstieg. (BMW) |
Und auch die ersten fünf Monate des Jahres 2012 liefen gut: China war mit 135.026 verkauften Fahrzeugen einer der größten Absatzmärkte des Automobilherstellers. BMW geht zudem davon aus, dass bis spätestens zum Jahr 2020 das Kompaktsegment deutlich zunehmen wird – auch wegen der Forderung nach geringerem Verbrauch.
Nun hat BMW das neue Werk zwar in die unmittelbare Umgebung seines ersten chinesischen Werkes gesetzt. Im Nordosten Chinas steht es dennoch weitab aller automobilen Ballungszentren. Das bedeutet hoher logistischer Aufwand, große Distanzen zu Zulieferern und verbesserungswürdige Infrastruktur – insgesamt also ein Nachteil?
Nur auf den ersten Blick: „Die beschriebene Situation war so richtig“, erklärt Flor, und fügt an: „In zwei, drei Jahren wird das nicht mehr gelten. Derzeit spielen uns zwei Entwicklungen in die Hände: Immer mehr Automobilzulieferer siedeln sich aus der Region Peking und Shanghai an. Die Kostenstrukturen dort sind inzwischen auf europäischem Niveau. Vor allem Lieferanten, die einen hohen Anteil an manuellen Tätigkeiten haben, zum Beispiel beim Fertigen von Kabelbäumen, verlassen jetzt schon diese Regionen.
In Shenyang entsteht parallel ein Zentrum der Automobilindustrie: Allein in den vergangenen zwei Jahren sind mehr als 84 Zulieferer in die Region gekommen. Aktuell bilden wir ein neues Lieferanten-Cluster. Das bedeutet natürlich, dass wir mehr Lieferanten vor Ort bekommen – insofern denken wir, dass wir hinsichtlich der Kosten- und Lieferantenstruktur lang- und mittelfristig hier besser aufgestellt sind.“
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