Porsche

Bilanz mit „Goldrand“

29.11.2007 | Redakteur: Bernd Otterbach

Porsche ist auf seiner Erfolgsfahrt nicht zu bremsen. In den ersten vier Monaten des im August angelaufenen Geschäftsjahres legte Porsche bei Umsatz und Absatz weiter zu.

Zugleich versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf der Bilanz-Pressekonferenz am Mittwoch in Stuttgart, den Streit mit dem VW-Betriebsrat nicht weiter eskalieren zu lassen. Nur gemeinsam könne man ein neues Kapitel Industriegeschichte schreiben.

Porsche sei aber ohne weiteres in der Lage, VW zu übernehmen. „Wir sind jederzeit vorbereitet, wenn wir wollen“, sagte Wiedeking unter Hinweis auf die finanzielle Absicherung einer möglichen Übernahme. „Nur den Knopf drücken zu müssen, ist eine gute Basis.“ Einen konkreten Zeitplan wollte er aber nicht nennen. „Die Züge definieren wir und kein anderer, und wir lassen uns auch von keinem unter Druck setzen.“ Bisher habe Porsche 5,8 Milliarden Euro in sein VW-Engagement investiert, sagte Härter.

Guter Start ins neue Geschäftsjahr

Zufrieden zeigte sich der Porsche-Chef auch mit dem Start ins neue Geschäftsjahr. Nach vorläufigen Zahlen wird der Umsatz in den Monaten August bis November um 14,7 Prozent auf rund 2,36 Milliarden Euro steigen. Der Absatz werde von 25.939 auf rund 30.700 Fahrzeuge steigen (plus 18,4 Prozent). Für das gesamte Geschäftsjahr 2007/08 zeigte sich der Porsche-Chef „vorsichtig optimistisch“ und zuversichtlich, den Erfolgskurs fortzusetzen. Umsatz und Absatz sollen an die hohen Vorjahreswerte anknüpfen. Wiedeking legte in Stuttgart eine, wie er selbst sagte, „goldgeränderte“ Bilanz für das Geschäftsjahr 2006/2007 (31. Juli) vor. „Dabei haben wir uns wirklich alle Mühe gegeben, das Ergebnis im Kerngeschäft so niedrig wie möglich aussehen zu lassen“, sagte Wiedeking. Bei einem Umsatz von 7,4 Milliarden Euro (plus 1,3 Prozent) legte der Vorsteuergewinn um 178 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro zu. Der Jahresüberschuss klettert sogar um 205 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Der Großteil des Gewinns stammte aus Optionsgeschäften mit VW-Aktien.

Manager streichen Rekord-Bezüge ein

Der Rekord-Gewinn beförderte auch die Bezüge des Vorstands in bislang unbekannte Sphären. Die sechs Vorstände verdienten im abgelaufenen Geschäftsjahr mit insgesamt 112,7 Millionen Euro mehr als doppelt so viel wie im Jahr davor (45,2 Mio Euro), wie der am Mittwoch veröffentlichte Geschäftsbericht ausweist. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dürfte nach Angaben von Branchenkreisen den Löwenanteil Rekordbezüge erhalten, gefolgt von seinem Finanzchef Holger Härter, dessen Wirken der milliardenhohe Gewinn mit VW-Aktienoptionen zugeschrieben wird. Trotz des Streits mit dem VW-Betriebsrat um die Besetzung von Aufsichtsratssitzen in der neuen Porsche-Holding will Wiedeking den Wolfsburgern „auf Augenhöhe“ begegnen. „Es war und ist nicht unsere Absicht, Mitspieler zu demütigen.“ Er habe Verständnis für Ängste vor notwendigen Veränderungen. Dies dürfe aber nicht dazu führen, in Porsche den Gegner zu sehen, „wie das derzeit der VW-Betriebsrat versucht“, sagte Wiedeking weiter.

Hart in der Sache

In der Sache gab sich Wiedeking aber weiter unnachgiebig. „Die Mitbestimmungsvereinbarung kann und wird nicht aufgeschnürt werden. Sie wurde für zehn Jahre geschlossen.“ Die Vereinbarung erlaube es den Betriebsräten aber durchaus, die Verteilung der Aufsichtsratssitze bei der neuen Porsche Holding SE anders vorzunehmen, als auf Papier vorgesehen. Voraussetzung sei aber eine Einigung der Betriebsräte von Porsche und VW. Der VW-Betriebsrat klagt derzeit gegen die vom Porsche-Betriebsrat mit der Konzernspitze vereinbarte Mitbestimmungsregelung. Dabei kritisieren die Wolfsburger vor allem, dass nach einer Übernahme von VW durch Porsche die VW-Belegschaft ebenso viele Vertreter in das Kontrollgremium entsenden soll wie die deutlich kleinere Porsche-Belegschaft.

dpa


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