US-Markt

Rückrufe in den USA auf Rekordhöhe

| Autor / Redakteur: ampnet / Christian Otto

In den USA sind die Rückrufzahlen im letzten Jahr nochmals gestiegen.
In den USA sind die Rückrufzahlen im letzten Jahr nochmals gestiegen. (Foto: Auto-Medienportal.Net)

Airbagprobleme, Dieselaffäre und vieles mehr. Die Zahl technischer Probleme und der daraus resultierenden Rückrufe ist vor allem in den USA 2015 auf einem neuen Höchststand geklettert.

In den USA ist alles größer als im Rest der Welt – die meisten Autos auf den Straßen, die breitesten Autobahnen, die dicksten Motoren – doch auch, wenn es um die negativen Seiten der Automobilität geht, liegen die USA an der Spitze. Im vergangenen Jahr, das gab die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) jetzt auf der Auto Show in Washington bekannt, wurden so viele Fahrzeuge wie noch nie in die Werkstätten gerufen, um technische Defekte auszugleichen. Mit insgesamt 51,2 Millionen Rückrufen nimmt 2015 unangefochten den Spitzenplatz ein.

Unangefochten? Nun, wenn die NHTSA ihre Politik fortsetzt, könnten vergleichbare Zahlen durchaus die Regel werden, zumal das neue Jahr gleich wieder mit einem Massen-Rückruf beginnt. Fünf Millionen Autos müssen wegen defekter Airbags des japanischen Herstellers Takata, die bei einem Unfall explodieren können, in den Werkstätten vorfahren. Und dann warten auch noch die Volkswagen-, Audi- und Porsche-Partner auf die Dieselmodelle ihrer Kunden.

Verschärfte Maßnahmen

Zwischen den Jahren 2005 und 2013 erreichten die Rückrufe selten mehr als die 20-Millionen-Marke, doch inzwischen hat die US-Sicherheitsbehörde ihre Maßnahmen verschärft und duldet bei erkannten Defekten keinen Aufschub. In der Vergangenheit hatten die Hersteller immer wieder versucht, Probleme zu lösen ohne die Öffentlichkeit entsprechend zu informieren. Vor allem nach dem Skandal um die defekten Takata-Airbags und die unzureichend ausgelegten Zündschlösser bei General Motors, die für insgesamt 120 Todesfälle verantwortlich gemacht werden, ist die Toleranz bei der NHTSA auf ein Minimum gesunken.

Für den NHTSA-Verantwortlichen Mark Rosekind ist die hohe Zahl der Rückrufe vor allem ein Zeichen dafür, wie sehr man die Industrie bei dem Streben nach mehr Sicherheit antreiben muss. Ein Grund für die Rekordzahl, so Rosekind, ist, wie der Takata-Skandal zeigt, die Tendenz der Hersteller viele Gleichteile in den verschiedenen Modellen ihrer Angebotspalette zu montieren, so dass ein defektes Teil inzwischen nicht mehr ein paar tausend Modelle betrifft, sondern direkt Millionen.

Kunden folgen Rückrufen seltener

Inzwischen ist die Macht der Behörde wieder gewachsen. Der US-Kongress verabschiedete ein Gesetz, nach dem die Behörde bis zu 105 Millionen Dollar (circa 97 Millionen Euro) als Strafe verhängen kann. Bisher stand die Summe bei maximal 35 Millionen Dollar. Um diese Strafen gar nicht erst verhängen zu müssen arbeitet die NHTSA inzwischen mit 18 Herstellern zusammen, um die Einführung von lebensrettenden Technologien zu beschleunigen.

Allerdings steht die NHTSA selbst immer wieder auf verlorenem Posten, wenn die US-Kunden sich weigern, den Rückrufen zu folgen. Nur in wenigen Fällen folgen mehr als 70 Prozent der angeschriebenen Besitzer den Aufforderungen der Hersteller, und nicht selten fällt die Resonanz bei vermeintlich weniger wichtigen Defekten sogar auf weniger als 40 Prozent.

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