Neue Modelle

Ssangyong XLV: Auffallend anders

| Autor: Wolfgang Sievernich

Der Ssangyong XLV ist ein SUV mit Front- und Allradantrieb. Voll ausgestattet, aber mit brummigem Dieselmotor will der XLV auf dem deutschen Markt überzeugen.
Der Ssangyong XLV ist ein SUV mit Front- und Allradantrieb. Voll ausgestattet, aber mit brummigem Dieselmotor will der XLV auf dem deutschen Markt überzeugen. (Bild: Sven Prawitz)

Der Ssangyong XLV ist ein SUV in der Tiguan-Klasse und versucht mit voller Ausstattung zu punkten. Abstriche müssen beim Motor und den Scheinwerfer hingenommen werden. Ein Test mit überraschenden Ergebnissen.

In Deutschland ist die koreanische Marke Ssangyong recht unbekannt, obwohl sie schon seit Jahrzehnten präsent ist. Das schlägt sich auch in den Zulassungszahlen nieder, die im vergangenen Jahr die Marke von 3.397 Fahrzeugen nicht überstieg – mit sechs Modellen in zwölf Monaten. Seit dem vergangenen Jahr will Ssangyong seine Verkaufszahlen mit einem neuen Modell beflügeln: dem XLV. Der SUV in der Klasse des VW Tiguan basiert auf dem Ssangyong Tivoli und wurde nur in der Länge gestreckt.

Das Karosseriekleid des XLV ist vor allem eins: anders. Schwünge, Sicken, Kanten, bauchige Kotflügel, schräge Fenster, eckige Scheinwerfer, große Heckleuchten. Es gibt einiges was am äußeren Schein des XLV auffällt. Erhältlich ist der SUV ausschließlich mit fünf Türen, in acht Außenfarben, Front- und Allradantrieb und zwei Motorisierungen. Jeweils mit 1,6 Liter Hubraum und Turbolader leistet der Benziner 128 PS und unser Testwagen mit Dieselpower 115 PS.

Kombiinstrument farblich einstellbar

Beim Blick in den Innenraum erwartet uns asiatische Verspieltheit mit einer Spur Tristesse. Schwarze Klavierlackoptik wechselt sich mit grauen Kunststoffoberflächen ab. Viele graue Schalter auf dem Lenkrad konkurrieren mit roten in der Mittelkonsole. Das Entertainmentsystem sitzt gut zugänglich in Höhe des Instrumententrägers in der Mittelkonsole und beinhaltet Radio, Navigationssystem von Tom-Tom, Bluetooth-Freisprechanlage, Rückfahrkamera und lässt sich auch mit dem Smartphone und dem iPod vernetzen. Dazu gibt es USB- und AUX-Anschluss. Der Blick auf Tacho und Drehzahlmesser gefällt, alles ist gut ablesbar und übersichtlich angeordnet. Zu sehen sind Bordcomputer, Schaltpunktanzeige, Außentemperatur, Reifendruck und mehr. Wer koreanische Spielereien mag, kann sein Kombiinstrument sogar je nach Stimmung in den Farben Rot, Blau, Gelb, Himmelblau, Weiß und Schwarz einstellen – das gibt’s noch nicht mal im Tiguan.

Das beheizte Lederlenkrad liegt gut in der Hand, die digitale Zwei-Zonen-Klimaautomatik sorgt für geregelten Luftaustausch. Sonst ist auch alles enthalten, was wir von einem gut ausgestatteten SUV heute erwarten: Einparkhilfen vorn und hinten, Sitzheizung vorne und hinten, Tempomat, Regen- und Lichtsensor, LED-Tagfahrlicht und sogar eine Ambientebeleuchtung.

Gute Sitzposition, riesiger Kofferraum

Und sonst? Die Sitzposition des Fahrers geht auch für großgewachsene Redakteure in Ordnung, ist sogar auf langen Autobahnabschnitten durchaus angenehm. Die hinteren Passagiere genießen Beinfreiheit, bemängeln aber die hochgezogenen Türen – sie und die tiefe Sitzposition schränken die Aussicht auf die vorbeiziehende Landschaft deutlich ein. Der Kofferraum ist mit 720 Litern Volumen ein riesiges Staufach für Koffer & Co. Praktisch sind ein Gepäcknetz samt Befestigungen an der Seite und kleine Ablageflächen für den täglichen Einkauf sowie ein 220V/110V-Stromanschluss. Ebenfalls praktisch ist ein separates großes Fach unter dem Kofferraumboden.

Und wie fährt sich der XLV? Der geringe Hubraum und die übersichtlichen Pferdestärken lassen keine Wunder erwarten. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 174 Stundenkilometern gehört der XLV nicht zu den sportlichen SUV, muss diesem Anspruch aber auch nicht gerecht werden. Dafür gibt es andere Marken. Viel wichtiger erscheinen uns Durchzug, Verbrauch, Lautstärke und Getriebe. Um auf der Autobahn zügig vorwärts zu kommen, braucht der Ssangyong schon Drehzahl. Der Hersteller gibt einen kombinierten Verbrauch von 6,3 Liter auf 100 Kilometer an, wir kommen eher auf sieben bis acht Liter Diesel. Die Lautstärke lässt ein wenig zu wünschen übrig, hier geht der Diesel brummig und deutlich vernehmbar zur Sache. Auffällig an unserem Testwagen waren zudem laute Abrollgeräusche der aufgezogenen Continental-Reifen. Diese traten nur in einem bestimmten Geschwindigkeitsband zwischen 100 und 120 Kilometer pro Stunde auf, nicht darüber und nicht darunter – sonst blieben sie unauffällig.

Das manuelle Sechsganggetriebe lässt sich gut bedienen, ist aber recht weich ausgelegt. Können die Xenon-Scheinwerfer bei trockener Nacht mit der Lichtausbeute auf der Straße noch überzeugen, verlieren sie bei nassem Untergrund deutlich. Eine bessere Technik, wie moderne LED-Scheinwerfer, wäre eine Alternative.

Günstiger Einstiegspreis

Doch für ein Fahrzeug mit einem Grundpreis ab 19.490 Euro in der Ausstattung Crystal und 26.490 Euro in der Ausstattung Sapphire muss man auch Kompromisse eingehen. Das kostet der Tiguan mit vergleichbarem Motor noch nicht mal in der Basisausstattung. Wir können den Ssangyong XLV allen empfehlen die keinen Wert auf Image und Marke legen, aber dennoch schon immer mal etwas anderes fahren wollten ohne auf eine Spur Luxus zu verzichten.

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