Diesel-Skandal

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VW-Chef Müller

| Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller hat eine „schnelle und schonungslose Aufklärung“ der Abgasaffäre versprochen – jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn.
Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller hat eine „schnelle und schonungslose Aufklärung“ der Abgasaffäre versprochen – jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn. (Foto: VW)

Die Volkswagenführung kämpft mit einer weiteren juristischen Baustelle: Im Visier ist einmal mehr Konzernchef Matthias Müller. Gegen ihn besteht der Anfangsverdacht der Marktmanipulation.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen VW-Konzernchef Matthias Müller wegen des Verdachts der Marktmanipulation im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal. Das teilte die Behörde am Mittwoch (17. Mai) mit. Es geht um Müllers Tätigkeit bei der Porsche-Dachgesellschaft und Volkswagen-Hauptaktionärin Porsche SE, bei der er seit 2010 im Vorstand sitzt.

Auch gegen VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und den früheren Vorstandsvorsitzenden des Volkswagen-Konzerns, Martin Winterkorn, sei ein entsprechendes Verfahren eingeleitet worden, berichteten die Stuttgarter Staatsanwälte. Pötsch war unter Winterkorn Finanzvorstand bei VW, er ist aktuell zudem Vorstandschef der Porsche SE. Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig laufen gegen ihn, Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess ebenfalls Untersuchungen wegen möglicher Marktmanipulation rund um die Abgas-Affäre. Die Porsche SE hat den Verdacht der Marktmanipulation im Diesel-Skandal umgehend zurückgewiesen. Es seien alle kapitalmarktrechtlichen Publizitätspflichten ordnungsgemäß erfüllt worden, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Die Beteiligungsgesellschaft hält 52,2 Prozent der Stimmrechte der Stammaktien an Europas größtem Automobilhersteller Volkswagen.

Einbruch der VW-Aktie

Anlass für die Ermittlungen sei eine Strafanzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) von Sommer 2016 gewesen, hieß es aus der Behörde. Es bestehe der Anfangsverdacht, die betroffenen Manager hätten den Anlegern die finanziellen Konsequenzen der VW-Dieselaffäre für die Porsche SE „bewusst verspätet mitgeteilt“. 2015 hatten Behörden in den USA aufgedeckt, dass Volkswagen die Stickoxid-Werte von Dieselfahrzeugen mittels einer illegalen Prüfstandserkennung geschönt hat. Weltweit waren schließlich Millionen von Autos betroffen. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden brach der Börsenkurs der VW-Aktie ein. Im Kern geht es bei den Vorwürfen um die Frage, ob die Manager den Kapitalmarkt rechtzeitig über die Probleme informierten.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist im aktuellen Fall zuständig, weil die Porsche-Holding in der Hauptstadt Baden-Württembergs ihren Sitz hat. Bei nachgewiesener Marktmanipulation droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine hohe Geldstrafe.

Schadenersatz- und Zivilklagen

Neben nun bekannten Ermittlungen beschäftigen den Konzern und seine Führungskräfte unter anderem auch die Klagen von Aktionären, die von Volkswagen Schadenersatz verlangen, weil sie nach dem Bekanntwerden von „Dieselgate“ im September 2015 zunächst hohe Wertverluste bei Aktien und Anleihen hinnehmen mussten. Dazu kommen Zivilklagen von Autobesitzern, die eine Entschädigung wegen der Prüfstandssoftware oder ihr Auto gleich zurückgeben wollen. Und die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Allein hier geht es um 37 Beschuldigte.

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