Expeditionsfahrzeug

Steyr 12M18: Vom Militär zur Expedition

| Autor / Redakteur: Benjamin Bessinger/SP-X / Thomas Günnel

Ein Steyr 12M18 dient Offroad-Fan Stefan Pfeifer als Basis für das wahrscheinlich ultimative Globetrotter-Mobil.
Ein Steyr 12M18 dient Offroad-Fan Stefan Pfeifer als Basis für das wahrscheinlich ultimative Globetrotter-Mobil. (Bild: Benjamin Bessinger/SP-X)

Offroad-Fan Stefan Pfeifer baut auf Basis des ausgedienten Militär-Lkw Steyr 12M18 das wohl ultimative Globetrotter-Mobil. Ein eigenes besitzt er nicht – alle Exemplare waren sofort in Kundenhand.

Feuerland, die Sahara oder der Himalaya – an den Wänden seines Büros hängen Plakate von den exotischsten Reisezielen, die man sich nur vorstellen kann. Erst recht, wenn man dort auf eigener Achse hinfahren will. Doch in den letzten Jahren ist Stefan Pfeifer kaum aus dem beschaulichen Odenwald herausgekommen. Der 42-Jährige lebt zurzeit davon, dass er anderen Menschen solche Traumreisen ermöglicht. Denn als Wagenmeister der Weltbummler baut Pfeifer die womöglich besten, vor allem aber die robustesten Autos, die sich ein Globetrotter wünschen kann. Erst recht, wenn der am liebsten neben der Straße fährt.

Als Basis dafür dient Pfeifer ein alter Militärlaster aus Österreich, den er eher zufällig entdeckt hat. Denn eigentlich wollte der passionierte Geländewagenfahrer nur ein neues, noch größeres Spielzeug, nachdem er mit Defender & Co durch war. So ist er irgendwann auf den Steyr 12M18 gekommen, den er als günstigen Gebrauchten an Land ziehen konnte. Weil er ohnehin ein bisschen an dem Laster schrauben musste, hat er gleich etwas tiefer in die Technikkiste gegriffen. Und als er nach ein paar Monaten damit fertig war, stand der Steyr plötzlich deutlich besser da als zu seiner Zeit als Neuwagen. Dummerweise haben das ein paar Globetrotter und Abenteurer mitbekommen und Pfeifer um ein vergleichbares Auto gebeten. Und ehe es sich der studierte Industriedesigner versah, war er plötzlich Fahrzeugbauer und Firmenchef.

Das Ziel: maximale Haltbarkeit

Das ist jetzt noch keine fünf Jahre her und mittlerweile hat er ein halbes Dutzend Mitarbeiter, eine Werkstatt groß wie eine Turnhalle und eine gewisse Routine im Umgang mit den riesigen Rentnern aus der Steiermark. Mit geübten Handgriffen werden die Lastwagen bis auf die letzte Schraube zerlegt, Übernahmeteile werden aufgearbeitet, andere ausgetauscht oder neu eingebaut. Dabei gibt es für Pfeifer bei der Konstruktion nur ein Kriterium: maximale Haltbarkeit. Er nimmt deshalb lieber ein paar längere und dickere Schrauben und was er einbaut, scheint für die Ewigkeit gemacht. Nicht umsonst zum Beispiel nutzt er den gleichen Lack, mit dem Mineralölkonzerne ihre Bohrinseln gegen Korrosion im Salzwasser schützen.

Auch an den Motor legt der Odenwälder Hand an. Im Original kommt der 6,6 Liter große Reihensechszylinder nur auf 180 PS und entsprechend müde Fahrleistungen. Wenn jedoch Pfeifer damit fertig ist, stehen bis zu 300 PS im Fahrzeugschein und der Excap wird fast zu einem Dynamiker. Natürlich kann man ihn weder mit einer Mercedes-G-Klasse noch mit einem Porsche Cayenne vergleichen. Doch ein Land Rover Defender zum Beispiel ist nicht wirklich sportlicher. Und wer einmal einen alten VW-Bus gefahren hat, der kommt auch mit dem über sechs Meter langen und bald drei Meter hohen Trumm aus dem Odenwald zurecht – die im doppelten H verschachtelte 8-Gang-Schaltung inklusive.

Trotzdem sollte man vorher schon mal einen Blick in seinen Führerschein werfen, mahnt der Firmenchef. Zwar bietet er eine Art Leichtbau-Variante mit weniger als 7,5 Tonnen Gesamtgewicht an, die man zumindest mit dem alten Pkw-Führerschein noch fahren darf. Doch wer spät berufen ist oder bei der Nutzlast keine Kompromisse machen will, der kommt um die Lkw-Fahrschule nicht herum.

Unkomplizierte Technik

Der Steyr, der im Odenwald zum „Excap“ wird, ist für die Reise ans Ende der Welt gleich doppelt geeignet. Zum einen, weil er als Militärlaster ohnehin schon für die härtesten Einsätze gerüstet ist und zu seiner Zeit eines der modernsten Autos seiner Art war. Und zum anderen, weil seine Technik noch so einfach und unkompliziert ist, dass man sie auch im Dschungel oder in der Wüste reparieren kann. Denn Elektronik kennt der Extremist nicht und an den Treibstoff stellt er auch keine hohen Ansprüche. Bei allein sieben Kraftstofffiltern in Reihe kann der Diesel noch so dreckig sein, der Excap wird davon keinen Schluckauf bekommen, sagt Pfeifer. Und noch einen Vorteil hat die Aufarbeitung der Oldtimer: Weil die Autos alle schon mal zugelassen waren, muss sich der Besitzer weder um Schadstoffnormen noch um Fahrverbote kümmern.

Zwar verlangt Excap für den bis zu 1.000 Stunden währenden Neuaufbau des Oldtimers zwischen 70.000 und 120.000 Euro. Doch ist das nur die halbe Miete. Denn bei Excap gibt es nur das nackte Fahrgestell, allerdings auf Wunsch sogar mit Doppelkabine und vier bequemen Einzelsitzen. Um Auf- und Ausbau müssen sich die Kunden selbst kümmern – und dafür bei weiteren Spezialfirmen noch einmal bis zu 250.000 Euro investieren. So sehr Pfeifer auf den Steyr schwört, hat der Laster doch einen Haken – die Produktion wurde bereits vor 25 Jahren eingestellt und mehr als 2.500 Autos haben die Österreicher damals nicht gebaut. „Mein Geschäftsmodell ist endlich“, räumt der smarte Schrauber deshalb ein. Doch sorgen um die nächsten Jahre muss er sich noch nicht machen. Denn er kauft so ziemlich alles auf, was das Militär an ausrangierten 12M18 auf den Markt bringt. Und allein auf der Wiese hinter der Werkstatt warten zwei Dutzend olivgrüne Rentner auf ihren nächsten Einsatz am Ende der Welt. „So schnell geht uns der Nachschub nicht aus“, sagt Pfeifer.

Zehn Autos Jahresproduktion

Für den eigenen Excap hat es dem Firmenchef allerdings auch nach fünf Jahren noch nicht gereicht. Erstens, weil ihm die Zeit für den Urlaub fehlt, und zweitens, weil sie ihm jedes fertige Auto gleich wieder aus der Hand reißen. Nicht umsonst hat er bei einer Jahresproduktion von zehn Autos Lieferfristen von über einem Jahr und die Auftragsbücher voll bis weit über 2018 hinaus. Deshalb hat der Odenwälder jetzt umgesattelt und sich einen Offroad-Buggy gekauft, wie ihn Profis zum Beispiel bei der Baja California einsetzen. Der ist im Gelände fast genauso gut wie der Excap. Nur dass er schneller fährt und noch ein bisschen mehr Spaß macht, schwärmt Pfeifer. Dass man damit jedoch keine großen Strecken zurücklegen will, ist für den Firmenchef eher Segen als Fluch. Dann ist die Gefahr relativ gering, dass ihm die Globetrotter auch dieses Spielzeug streitig machen.

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