Alternative Antriebe

Toyota: Brennstoffzellenauto unter 80.000 Euro

| Redakteur: Jan Rosenow

Wie schon der erste Prius soll auch das FCV-Design zeigen: Ich bin etwas besonderes.
Wie schon der erste Prius soll auch das FCV-Design zeigen: Ich bin etwas besonderes. (Foto: Toyota)

Die Serienproduktion des FCV soll 2015 starten. Eine Designstudie der viertürigen Limousine ist in Kürze auf dem Genfer Salon zu sehen.

Toyota will im Jahr 2015 sein erstes Serienauto mit Brennstoffzelle auf den Markt bringen. Das kündigte das Unternehmen gestern auf einer Pressekonferenz in Hamburg an. Geplant sei eine viertürige Limousine in der Größe einer Mercedes E-Klasse. Eine Designstudie ist Anfang März auf dem Genfer Automobilsalon zu sehen.

Auch eine erste Abschätzung des Verkaufspreises war in Hamburg zu hören: Das Fahrzeug soll „unter 80.000 Euro“ kosten. Zum Vergleich: das Hybridfahrzeug Lexus GS 300 h gibt es ab 45.300 Euro, ein elektrisch betriebener Tesla Model S kostet ab 67.840 Euro.

Wichtiger als der Preis ist allerdings die Tatsache, dass die vielversprechende Antriebstechnik es überhaupt zur Produktionsreife geschafft hat. Denn schon seit Mitte der neunziger Jahre stellt die Automobilindustrie regelmäßig Brennstoffzellenautos vor, die „spätestens in fünf Jahren“ serienreif sein sollen – gestimmt hat das allerdings noch nie. Toyota ist jedoch zuzutrauen, die Ankündigung tatsächlich umzusetzen. Schließlich hat das Unternehmen auch als erstes den Hybridantrieb zum Massenprodukt gemacht.

Kosten sind schon auf ein Zwanzigstel gesunken

Einer der Väter des Prius, Katsuhiko Hirose, ist auch am Brennstoffzellenprojekt beteiligt. Er und seine Kollegen haben es nach seiner Aussage bereits geschafft, die Kosten für die Brennstoffzelle auf ein Zwanzigstel zu senken – verglichen mit dem Prototypenfahrzeug FCHV-adv, das 2008 gebaut wurde. „Langfristig soll ein Brennstoffzellenantrieb nicht mehr kosten als ein Dieselmotor“, kündigte Hirose an.

Im 2015 erscheinenden Serienmodell soll die Zelle eine Leistung von über 100 kW/136 PS abgeben. In zwei Tanks führt das Fahrzeug Wasserstoff mit, der bei einem Druck von 700 bar gespeichert wird und eine Reichweite von 500 Kilometern sicherstellen soll. Auch die Kaltstartprobleme dieser Technik will Toyota behoben haben – die Stromproduktion soll bis zu einer Temperatur von minus 30 Grad Celsius funktionieren.

Die Frostproblematik resultiert aus dem Funktionsprinzip der Brennstoffzelle, die mittels eines Katalysators (Platin) Wasserstoff und Sauerstoff ohne Verbrennung zu Wasser reagieren lässt, wobei Elektronen freiwerden – also Strom. Als Endprodukt entsteht reines Wasser, Schadstoffe gibt es nicht.

Das Tankstellennetz muss erst noch entstehen

Gegenüber einem batterieelektrischen Fahrzeug macht die Brennstoffzelle deutlich höhere Reichweiten möglich. Auch eignet sie sich für schwere Anwendungen wie Linienbusse und Lkw. Eine Reihe von Autoherstellern arbeitet deshalb ebenfalls an dieser Antriebstechnik, beispielsweise Daimler zusammen mit Ford und Nissan (Serienauto angekündigt für 2017), Hyundai Kleinserienauto bereits erhältlich, Honda und GM.

Gleichzeitig muss auch eine Tankinfrastruktur für Wasserstoff entstehen. In Deutschland hat die Initiative H2 Mobility, ein Zusammenschluss mehrerer Auto-, Energie- und Chemiekonzerne, sich darauf verständigt, bis zum Jahr 2023 die heute 15 Tankstellen umfassende öffentliche Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland auf rund 400 Stationen auszubauen.

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