Youngtimer

Toyota Supra 3,0i Turbo: Facettenreich

| Autor / Redakteur: SP-X / Thomas Günnel

Der Toyota Supra zeigt überraschend viele Facetten. Wir haben ein originales Exemplar aufgetrieben und dem zum Oldie reifenden Youngtimer auf den Zahn gefühlt.
Der Toyota Supra zeigt überraschend viele Facetten. Wir haben ein originales Exemplar aufgetrieben und dem zum Oldie reifenden Youngtimer auf den Zahn gefühlt. (Foto: SP-X)

Firmen zum Thema

„2 Fast 2 Furious“-Rebell oder Gentlemen’s Sportwagen? Der Toyota Supra zeigt überraschend viele Facetten. Wir haben ein originales Exemplar aufgetrieben und dem zum Oldie reifenden Youngtimer auf den Zahn gefühlt.

Das war nicht einfach. Finden Sie bitte mal einen Toyota Supra, der nicht von „Need for Speed“-Jüngern oder sonstigen Tunern „modifiziert“ wurde. Teilweise bis zur Unkenntlichkeit. Unser Exemplar, das der Düsseldorfer Toyota- und Lexus-Spezialist Yvel nicht gerade feilbietet, hat mal die Farbe gewechselt von einem grellen Minzton auf ein schlichtes Schwarz. Aber sonst ist der ehemalige Spitzensportler wirklich erfrischend unberührt und original. Eine Eigenschaft, die vielleicht nicht alle Supra-Liebhaber schätzen, ihn aber geradezu dafür prädestiniert, sein Leben irgendwann in einer feinen Sammler-Garage zu verbringen.

Ein Reihensechszylinder!

Wie dezent der Hecktriebler doch wirken kann, nur der große Heckflügel stört eigentlich. Manche Länder haben den Japaner auf Wunsch auch ohne den Spoiler angeboten, doch er hat ihn in Wirklichkeit bitter nötig, um bei 250 Sachen nicht instabil zu wirken. Apropos andere Länder: Es gab den Supra auch als Sauger, mal als Coupé, mal als Targa, mal mit Fünf- mal mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Als der Bolide im Jahr 1993 auf den Markt kam, wirkte er fast wie aus einer anderen Welt. Während der Vorgänger eher zierlich daherkam, haben die Ingenieure aus Nagoya beim intern JZ80 genannten vierten und letzten Supra so richtig auf den Putz gehauen. Das ohnehin schon gewaltige Hinterteil wirkt noch ein wenig voluminöser durch die Walzen der 255er-Klasse, und die – ebenfalls länderspezifische – Lufthutze auf der Haube hat etwas Wildes.

Dann die Überraschung beim Motorstart. Kurz orgeln, flugs verfällt der drei Liter große Reihensechszylinder in einen seidigen Lauf. Ist das jetzt ein Lexus, oder wie? Fahrstufe „D“ einstellen mit dem leicht abgewetzten Wählhebel – und go. Jetzt können Außenstehende so lange auf das dicke Auspuffendrohr starren, wie sie wollen, aber von dort will einfach kein Lärm entweichen. Die beiden Turbos dämpfen, aber Krach scheint auch nicht gewollt zu sein. Geradezu sonor setzt sich der 1,6-Tonner in Bewegung, der Antriebsstrang ist fast geschmeidiger als bei den heute teils rau laufenden Direkteinspritzern. Reihensechszylinder, das muss man sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen. Hundertprozentiger Ausgleich der Massen zweiter Ordnung – da vibriert wirklich nichts. Die kleine Ausfahrt geht zunächst sachte los, schließlich will das Öl ordentlich warmgefahren werden. Der Blick auf die Instrumente lassen Reminiszenzen an den Porsche 928 aufkommen (der hatte bis 1991 übrigens auch exakt 243 kW/330 PS), aber es ist – wenn überhaupt – nur die Schrift auf den Skalen, denn der Drehzahlmesser saß damals nur beim Elfer in der Mitte. So langsam bekommt die Maschine Temperatur, nach zehn Kilometern darf der Tourenzähler zwar noch nicht voll ausschlagen, aber dreieinhalbtausend pro Minute sind okay.

Urgewaltige Beschleunigung

Jetzt ahnt man schon, was einem im Supra blühen kann oder auch den Verkehrsteilnehmern, die sich mit ihm anlegen. Wenn der Doppelturbo mit Abgas gefüttert wird, erzürnt er. Nicht, dass sich das akustisch bemerkbar machte – er bleibt stets verbindlich im Ton. Aber die Beschleunigung fühlt sich urgewaltig an, anders als etwa bei einem Golf GTI 2,0 TSI, dessen Werksangabe für den Standardsprint auf 100 km/h nur sieben Zehntel hinter jener des Supra liegt. Nach 20 Kilometern ist er warm und darf auch mal ein bisschen höher drehen. Trotzdem: Die fast 7.000 Umdrehungen sollten dem länger stillgelegten Supra bei weitem nicht zugemutet werden. Etwas mehr als zwei Drittel des verfügbaren Bandes reicht, um gefühlt 98 Prozent aller Autobahn-Benutzer souverän auszubeschleunigen. Alle Achtung, er kann es auch nach über 20 Jahren noch. Der Geradeauslauf auf der schnellen Piste ist vorbildlich, hohe Geschwindigkeiten bringen ihn nicht aus der Ruhe – klar, jetzt zahlt sich der wuchtige Spoiler aus. Die Beschleunigung ist selbst jenseits von 200 km/h noch beachtlich. Das potenzielle Vorurteil, der Supra bereite mit einer Viergang-Wandlerautomatik keinen Spaß, bestätigt sich nicht. Gerade als Youngtimer muss der Zweitürer weder sich noch anderen etwas beweisen. Sicher, als Sechsgang-Schalter könnte man mit ihm auch locker mal ein paar Runden auf dem Track verleben, aber das geht nur aufs Material.

Genießen wir also die restlichen Kilometer und lassen das Auge über die Architektur der Neunziger wandern. Man sitzt so ein bisschen, als gehöre man fest zur Inneneinrichtung dazu. Fest eingeschlossen von den Armaturen, geht einem durch den Kopf, wie luxuriös der Japaner gegen Ende des letzten Jahrhunderts gewesen sein muss mit Dingen wie Klimaautomatik, Lederpolstern, E-Sitzen und Tempomat, dessen Hebel noch immer so ausschaut wie bei den aktuellen Toyotas. Ausgefallene Technik mischt sich ebenfalls in den Cocktail aus tastengesteuerten Annehmlichkeiten – per Schalter lässt sich der Frontspoiler nämlich ausfahren, bei hohem Tempo geschieht das automatisch. Der Supra ist gar nicht so böse, wie die meisten Besitzer ihn tunen. Das Fahrwerk ist kein Knochenrüttler, der Komfort in Ordnung. Der souveräne Antriebsstrang ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, dieses Auto macht einfach Laune. Und es ist mal etwas anderes, schließlich muss die Welt nicht nur aus schnellen Mercedes sowie alltäglichen Porsche bestehen. Ein paar Hundert Supra dürften hierzulande noch herumfahren. Doch die wenigsten davon sind original. Einen Grund mehr, Supra-Besitzer zu werden.

Chronik des Toyota Supra

  • 1993: Der vierte Toyota Supra (JZA80) wird in den Markt eingeführt
  • 1996: Hierzulande wird das Modell aus dem Programm gestrichen
  • 2002: Das Modell läuft ohne Nachfolger aus

Technische Daten des Toyota Supra

  • Zweitüriger Sportwagen, Länge: 4,52 Meter, Breite: 1,81 Meter, Höhe: 1,28 Meter, Radstand: 2,55 Meter
  • 3,0-Liter-Reihensechszylinder, Vierventiltechnik, doppelte Aufladung, 243 kW/330 PS, maximales Drehmoment: 441 Nm bei 4.800 U/min, Vmax 250 km/h, 0-100 km/h: 5,8 s
  • Ehemaliger Neupreis (1993): 106.000 DM
  • Ersatzteilpreise:
  • Turbolader, pro Stück: etwa 3.700 Euro
  • Bremsbeläge je Satz: etwa 182 Euro
  • Kettenspanner: etwa 400 Euro

Kommentare werden geladen....

Kommentar zum Beitrag schreiben
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43813637 / Automobile)