Assistenzsysteme

Vollautomatisches, autonomes Einparken

Obwohl das technische Prinzip von Einparkhilfen seit 20 Jahren weitgehend unverändert ist, bieten heutige Systeme deutlich mehr Funktionen als die rein akustischen Urväter: Inzwischen ist sogar vollautomatisches Parken ohne Anwesenheit des Fahrers möglich.

| Autor / Redakteur: Jürgen Goroncy / Thomas Günnel

Seit 2007 existieren Assistenzsysteme, die das Fahrzeug automatisch in die Parklücke lenken.
Seit 2007 existieren Assistenzsysteme, die das Fahrzeug automatisch in die Parklücke lenken. (Valeo)

Obwohl das technische Prinzip von Einparkhilfen seit 20 Jahren weitgehend unverändert ist, bieten heutige Systeme deutlich mehr Funktionen als die rein akustischen Urväter: Inzwischen ist sogar vollautomatisches Parken ohne Anwesenheit des Fahrers möglich.

Seit gut zwei Jahrzehnten überwachen Ultraschallsensoren das Umfeld des einparkenden Fahrzeugs, da sie im Vergleich zu Radar- oder Kamerasensoren das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. In den Anfangsjahren meldeten sie Hindernisse ausschließlich akustisch. Später zeigten sie sie auch auf einem Display – mit einem stilisierten Auto und einer positionsgenauen Angabe des jeweiligen Hindernisses – alles in hoher Auflösung und in Farbe. „Weitere Fortschritte bei der Kosten-, Gewichts- und Bauraumminimierung sowie der Genauigkeit durch die Umstellung auf digitale Sensorik und die Modularisierung von System-Hard- und Software haben dem Einparkassistenten bis heute zu einer hohen Reife verholfen“, erläutert Harald Barth, Produktmarketingmanager Fahrerassistenz bei Valeo in Bietigheim-Bissingen.

Erste Generation: Der Fahrer muss nicht mehr lenken

2007 brachten Valeo und Volkswagen dann einen Meilenstein auf den Markt: Einen Einparkassistenten, der die Parklücke ausmisst und das Fahrzeug automatisch hineinlenkt. Er erfasst bei langsamer Vorbeifahrt die Lücke längs der Straße und meldet sie dem Fahrer. Der stoppt, legt den Rückwärtsgang ein und gibt nur noch Gas oder bremst. Der Einparkassistent greift auf das elektrische Lenksystem zu und dirigiert das Fahrzeug mit den Daten der Ultraschall-Sensoren und der ABS-Radsensoren in die Parklücke. Mit einem Griff in das Lenkrad ist die automatische Fahrzeugführung aber jederzeit zu unterbrechen. Wettbewerber Bosch brachte einen ähnlichen Einparkassistenten erstmals 2009 für die A- und B-Klasse von Mercedes-Benz auf den Markt. Die erste Generation des halbautomatischen Systems von Valeo rangiert das Auto in Parklücken, die mindestens 1,4 Meter länger als das Fahrzeug sind. 2010 ging die zweite Generation in Serie, die nur noch 0,8 Meter Rangierraum benötigt. Außerdem kann das System jetzt auch halbautomatisch ausparken und rückwärts in Parkplätze einparken, die im 90-Grad-Winkel zur Straße angeordnet sind. Bosch hat einen Assistenten mit Ausparkfunktion für 2012 angekündigt. Das Einparken senkrecht zur Straße soll ab 2013 möglich sein.

Ausrüstungsquote zwischen 10 und 35 Prozent

Bisher können die beiden Wettbewerber über mangelndes Interesse der Kunden nicht klagen. „Wir haben bis heute insgesamt schon mehr als eine Million halbautomatische Einparkassistenten verkauft und rüsten Ende 2012 voraussichtlich 51 Modelle von 14 Marken damit aus“, erklärt Harald Barth von Valeo. „Die Ausrüstungsquoten liegen zwischen 10 und 35 Prozent.“ Bosch zählt für Einparkhilfen plus Einparkassistenten 14 OEMs mit mehr als 200 Modellen zu den Kunden. Der Stuttgarter Zulieferer sieht auch noch keine Marktsättigung. Sowohl die Ausstattungsraten als auch die Zahl der Sensoren ließen noch kräftiges Wachstum erwarten. Beide Marktführer profitieren vom Trend zu elektrisch unterstützten Lenkungen. Diese bieten schon fast die komplette Infrastruktur für das halbautomatische Einparken an. Die OEMs vergeben die Aufträge gegenwärtig pro Modell oder Plattform meist nur an einen Lieferanten, also entweder an Valeo oder an Bosch. Mit steigender Stückzahl könnte sich diese Vergabepraxis natürlich zukünftig ändern.

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