Budget Car

VW-Konzern und Tata beenden Kooperation in Indien

| Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

Im indischen Werk Pune laufen bislang der Polo und Vento vom Band. Gemeinsam mit Tata wollte der VW-Konzern auch ein Budget Car für den indischen Markt produzieren. Dieses Vorhaben ist nun gescheitert.
Im indischen Werk Pune laufen bislang der Polo und Vento vom Band. Gemeinsam mit Tata wollte der VW-Konzern auch ein Budget Car für den indischen Markt produzieren. Dieses Vorhaben ist nun gescheitert. (Bild: VW)

Der VW-Konzern und Tata Motors haben im März ein Joint-Venture unterzeichnet. Ziel war ein Budget Car für den indischen Markt zu entwickeln. Nun liegen die Pläne vorerst auf Eis.

Der Volkswagen-Konzern hat seine Verhandlungen über eine Partnerschaft mit dem indischen Automobilhersteller Tata vorläufig eingestellt. Die in den Gesprächen federführende Tochter Skoda und Tata seien zu dem Schluss gekommen, dass derzeit sowohl technisch als auch wirtschaftlich nicht die gewünschten Vorteile einer Kooperation erzielt werden könnten. Dies teilte Skoda am Donnerstag (10. August) im tschechischen Mlada Boleslav mit. Eine angestrebte Allianz werde deshalb vorerst nicht weiterverfolgt.

Für künftige Gespräche zeigten sich die Unternehmen aber offen. Ein VW-Konzernsprecher in Wolfsburg betonte, unabhängig von der Zusammenarbeit bei günstigen Modellen für Schwellenländer wie Indien würden zudem die Pläne für ein „Budget Car“ im Wachstumsmarkt China weiterverfolgt.

Im März hatte VW angekündigt, die Anstrengungen bei der Entwicklung gemeinsamer Fahrzeugteile bis hin zu möglichen ganzen Fahrzeugkonzepten bündeln zu wollen und eine langfristige Partnerschaft anzustreben. Automobilhersteller wollen mit solchen Allianzen vor allem Kosten in der teuren Entwicklung von neuen Produktionsplattformen und Modellen sparen. Scheitert einmal ein Vorhaben, so schlägt das dafür ausgegebene Geld nicht ganz so stark zu Buche. Außerdem sehen sich die Konzerne Anforderungen bei Abgasregulierung und Spritverbrauch gegenüber, bei denen sie von der Kompetenz der Partner profitieren wollen.

„Budget Car“ auch ohne Tata möglich

In indischen Medienberichten hatte es zuletzt bereits geheißen, VW sehe sich im Land nach Teilezulieferern für die konzerneigene Konstruktionsplattform für günstige Autos um. Tata und Volkswagen hatten eigentlich angestrebt, eine gemeinsame Plattform auf die Beine zu stellen, um darauf preisgünstige Modelle für den indischen Markt zu bauen. Dem Vernehmen nach muss die Plattform von Tata aber wegen strengerer gesetzlicher Anforderungen noch überarbeitet werden, was schon einiges an Entwicklungskosten verschlingen dürfte. Die Wolfsburger Konzernspitze hatte die Gespräche an Skoda delegiert. Die Tschechen gelten als Experten, wenn es um eine kostengünstige Produktion geht. Seit geraumer Zeit wirft die Tochter im VW-Konzern stattliche Renditen ab. Nun gehen die Techniker offenbar davon aus, dass sie auch allein günstige Autos für den indischen Markt bauen können. In Südamerika etwa macht VW das bereits in Eigenregie.

Der Konzern hatte bei Kooperationsvorhaben in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen. Eine Allianz mit Suzuki scheiterte. Nach jahrelangem Streit zogen beide Seiten, die sogar aneinander beteiligt waren, im Frühjahr 2016 mit Schadenersatz-Zahlungen von Suzuki einen Schlussstrich. Der japanische Kleinwagenspezialist vereinbarte mittlerweile Projekte mit dem VW-Rivalen Toyota.

Unklar ist nun auch, wie es mit der Tata-Gruppe weitergeht. Nach Querelen an der Spitze des indischen Mischkonzerns sucht der seit einigen Monaten amtierende neue Verwaltungsratschef Natarajan Chandrasekaran offenbar Wege, einige unprofitable und teils hoch verschuldete Bereiche zu verkaufen oder zu verschmelzen. Unter anderem wird seit geraumer Zeit auch über ein Zusammengehen von Tata Steel mit Thyssenkrupp im europäischen Stahlgeschäft gesprochen.

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