Auto Shanghai 2017

VW-Konzern zeigt drei E-Fahrzeuge in Shanghai

| Autor / Redakteur: SP-X/Michael Specht / Jens Scheiner

Auf der „Auto Shanghai 2017“ stellt der Volkswagen-Konzern drei Elektrofahrzeuge vor. Im Bild VW-Markenvorstand Dr. Herbert Diess mit dem Konzeptfahrzeug I.D. Crozz.
Auf der „Auto Shanghai 2017“ stellt der Volkswagen-Konzern drei Elektrofahrzeuge vor. Im Bild VW-Markenvorstand Dr. Herbert Diess mit dem Konzeptfahrzeug I.D. Crozz. (Bild: Volkswagen)

China ist der weltgrößte Markt für Elektroautos – auf der „Auto Shanghai 2017“ zeigen die Hersteller ihre Modelle. Volkswagen stellt drei Elektrofahrzeuge von drei Marken vor.

Nicht kleckern, klotzen. Dies scheint das Motto des Volkswagen-Konzerns zu sein, geht es um dessen Elektro-Strategie. Zur internationalen Messe, der „Auto Shanghai 2017“ haben die Wolfsburger gleich drei E-Autos mitgebracht: den Skoda Vision E, den I.D. Crozz und den Audi e-tron Sportback. Besonders letzterer dürfte zumindest einem ganz und gar nicht gefallen: Tesla. Noch wähnt sich der kalifornische Automobilhersteller in einer fast monopolistischen Sicherheit. Die Oberklasse-Limousine Model S verkauft sich blendend. In vielen Ländern, auch in Deutschland, liegt Tesla im Segment der Elektroautos sogar auf Platz eins. Noch.

Seriennahe Studie e-tron Sportback kommt 2019

Denn damit dürfte es bald vorbei sein. Spätestens wenn Audi mit seinen sportlichen Luxus-Stromern vorfährt und die Kunden sehen und fühlen, dass es für das investierte Geld deutlich mehr Qualität gibt, besonders im Innenraum. Schon nächstes Jahr soll der e-tron – er wird nicht Q6 e-tron heißen – serienreif sein. Im Jahr 2019 folgt dann der e-tron Sportback. Die 505 PS starke Studie erhielt in China großen Beifall. Das viertürige Coupé mit leicht erhöhter Sitzposition steht äußerst proper auf seinen Rädern. Drei Elektromotoren, einer vorn und zwei hinten, sorgen für eine Beschleunigung von 4,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Laut Audi soll die 95 kWh große Batterie gut für 500 Kilometer Reichweite sein.

Auch wenn der e-tron Sportback offiziell noch als Konzeptauto gilt, im Design weicht er nur Nuancen von der späteren Serienversion ab. Nicht einmal Felgen und Außenspiegel werden geändert, war am Audi-Stand zu hören. Wobei Außenspiegel genau genommen die falsche Bezeichnung ist. Der e-tron Sportback trägt seitlich kleine Kameras. Deren Bilder werden jeweils auf ein Display in der oberen Türverkleidung geschickt. Das ist bei uns derzeit zwar noch nicht erlaubt, doch Audi ist sich sicher, dieses Zulassungsproblem bis 2019 gelöst zu haben.

Displays bestimmen im e-tron Sportback auch das gesamte Cockpit. Schalter und Knöpfe sterben aus. „Die Studie gibt einen sehr deutlichen Hinweis darauf, wie es im nächsten Audi A8 aussehen wird“, sagt Designchef Marc Lichte. Ende des Jahres kommt das neue Flaggschiff der Marke auf den Markt.

MEB-Architektur für Vision E und I.D.Crozz

Etwas länger Zeit lassen sich dagegen die beiden anderen Elektro-Studien des Wolfsburger Konzerns. Sowohl der Skoda Vision E als auch der I.D.Crozz werden erst ab 2020 Realität und basieren auf dem modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB). Nur durch diese Gleichteilstrategie und durch die konzernweite Verbreitung über viele Modelle wird es möglich sein, Elektroautos zu verträglichen Kosten herzustellen und zu halbwegs zivilen Preisen verkaufen zu können. Skoda will bis 2025 nicht weniger als fünf Elektroautos anbieten. Das gleiche gilt für Seat und die Marke Volkswagen. Auch Audi wird die MEB-Architektur für einige Modelle unterhalb des e-tron und e-tron Sportback nutzen.

„Der teuerste Posten bleibt dabei die Batterie“, sagt Skoda Entwicklungschef Chirstian Strube. Daher wird man den Vision E – gleiches gilt für den I.D. Crozz – mit unterschiedlich großen Batterien bestellen können. Die maximale Kapazität beträgt 83 kWh. Dies reicht aus, gut 500 Kilometer weit zu fahren. Wieviel Skodas erster und VWs zweiter Stromer – das erste Modell wird 2020 der I.D. in Golf-Größe sein – eines Tages kosten wird, darüber gibt es natürlich noch keine Auskunft. Experten rechnen mit weniger als 40.000 Euro, was für ein EV dieser Größe (rund 4,70 Meter) günstig wäre. Jaguar verlangt für seinen in den Abmessungen und im Konzept ähnlichen I-Pace knapp doppelt so viel.

Beide, der Skoda Vision E und der I.D. Crozz, verfügen über exakt den gleichen Radstand und das gleiche Antriebs-Layout. Im normalen Fahrmodus treibt eine 150 kW/204 PS starke E-Maschine an der Hinterachse den Wagen an. Zusätzlich sitzt vorne ein Elektromotor mit 75 kW/102 PS, der die beiden Stromer bei Bedarf zum Allradauto macht. Zur Verfügung steht eine Gesamtleistung von 225 kW/306 PS. Die Höchstgeschwindigkeit wird dennoch auf 180 km/h begrenzt. Ein höheres Tempo würde zu viel Strom kosten und die Reichweite mindern.

Neues Innenraumkonzept

Sowohl Skodas elektrischer Crossover als auch der I.D. von Volkswagen sollen nicht nur emissionsfrei Mobilität demonstrieren. Sie zeigen auch ein völlig neues Raumkonzept. Weil Verbrennungsmotor, Getriebe und Auspuff fehlen, die Antriebs- und Achsmodule weit nach außen wandern und die Batterie tief im Boden liegt, haben die Designer deutlich mehr Freiheiten bei der Gestaltung des Innenraums. „Wir sprengen mit dem Open Space die Klassengrenzen“, sagt VW-Designchef Klaus Bischoff. Im I.D. Crozz und Vision E sitzt es sich tatsächlich luftiger und großzügiger als in manchen heutigen Oberklasse-Limousinen und SUVs.

Beide Studien sind natürlich auch Vorboten zum autonomen und komplett vernetzten Fahren. Beim I.D Crozz reicht es, die Hand auf das VW-Zeichen im Lenkrad zu legen, schon weicht das Volant zurück und der Autopilot übernimmt. Das Serienmodell allerdings wird, wenn es Ende 2020 auf den Markt kommt, dieses Feature noch nicht an Bord haben. Auch das Türkonzept mit der fehlenden B-Säule wird auf der Strecke bleiben. Die Portale sind ein übliches Messe-Feature – um den Innenraum besser in Szene zu setzen.

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