Mobilität

ZF plant Joint Venture mit e.GO Mobile

| Autor / Redakteur: Claus-Peter Köth / Thomas Günnel

Prof. Dr. Günther Schuh, CEO der e.GO Mobile AG (r.), und Torsten Gollewski, Leiter der ZF-Vorentwicklung und Geschäftsführer der Zukunft Ventures GmbH, präsentieren den People- und Cargo Mover. Das autonom fahrende Fahrzeug wird als gemeinsames Produkt des Joint Ventures e.GO Moove von ZF und e.GO gebaut.
Prof. Dr. Günther Schuh, CEO der e.GO Mobile AG (r.), und Torsten Gollewski, Leiter der ZF-Vorentwicklung und Geschäftsführer der Zukunft Ventures GmbH, präsentieren den People- und Cargo Mover. Das autonom fahrende Fahrzeug wird als gemeinsames Produkt des Joint Ventures e.GO Moove von ZF und e.GO gebaut. (Bild: ZF/e.GO)

ZF plant ein Joint Venture mit e.GO Mobile. Ziele des Gemeinschaftsunternehmens „e.GO Moove“ sind die Entwicklung, die Produktion und der Vertrieb eines autonomen „People- und Cargo Movers“.

Über seine Tochter „Zukunft Ventures“ hat ZF heute (18. Mai) ein Joint Venture mit dem Aachener Start-up e.GO Mobile verabredet. Ziele des geplanten Gemeinschaftsunternehmens „e.GO Moove“ sind Entwicklung, Produktion und Vertrieb eines autonomen People- und Cargo Movers, also eines Transportsystems für Personen und Lasten. Ein erster Prototyp wurde jetzt auf dem Campus der RWTH-Aachen vorgestellt. Torsten Gollewski, Leiter der ZF-Vorentwicklung und Geschäftsführer der Zukunft Ventures GmbH, rechnet damit, dass das Joint Venture in Kürze unter Dach und Fach sein wird und somit rasch die Arbeit aufnehmen kann. Mitte nächsten Jahres wollen die Partner erste Testflotten beliefern. Die Serienproduktion soll dann im Jahr 2019 starten.

Die Zukunft Venture GmbH strebt eine Minderheitsbeteiligung an. Für das Gesamtprodukt, sozusagen als Fahrzeugbauer zeichnet e.GO Moove verantwortlich, ZF bringt das Antriebssystem ein. Darüber hinaus wird der Zulieferer seine ADAS-, Fahrwerks- sowie Sensor-Fusion-Technologien beisteuern. Die gemeinsam mit Nvidia entwickelte Supercomputing-Steuerbox „ZF ProAI“ wird dabei als ins Fahrzeug integriertes, Cloud-updatefähiges System eine zentrale Rolle spielen. Die lernfähige, auf künstliche Intelligenz-Algorithmen für Vehicle-to-Infrastructure-Applikationen ausgelegte Box kann laut Hersteller mit anderen Fahrzeugen und mit der Umgebung kommunizieren und so im Sinne einer Schwarmintelligenz Fahrzeugflotten sicherer und effizienter machen. „Das Joint Venture e.GO Moove bietet uns eine sehr gute Möglichkeit einen autonomen People- und Cargo Mover kurzfristig zu entwickeln und in den Markt zu bringen“, erklärt Gollewski.

Dr. Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, ergänzt: „Autonome, vernetzte und damit hochflexible E-Shuttle-Fahrzeuge werden in den urbanen Ballungszentren der Zukunft eine bedeutsame Rolle als gleichermaßen sichere, komfortable, effiziente wie umweltschonende Verkehrsträger spielen. Sie sind damit ein weiterer wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Vision Zero.“

Kostengünstig industrialisieren

Prof. Dr. Günther Schuh, Gründer und CEO der e.Go Mobile AG: „Neue Fahrzeugkonzepte wie elektrisch angetriebene People- und Cargo Mover müssen hochiterativ entwickelt und kostengünstig industrialisiert werden.“ Die e.GO Mobile AG hat auf dem Campus der RWTH Aachen eine weitgehend vernetzte Industrie 4.0-Infrastruktur installiert, mit der sie effizient homologationsfähige Fahrzeuge aufbauen und serientauglich entwickeln kann. „Mit dem starken Partner ZF können wir nun schon kurzfristig Städten und den Treibern neuer Mobilität zulassungstaugliche Testflotten anbieten, da unsere Start-up-Dynamik mit der Industrialisierungskompetenz und dem Marktzugang von ZF zusammenkommt“, sagt Prof. Günther Schuh. Das vereinbarte Joint Venture wird seinen Sitz in Aachen haben. Dort haben Ingenieure sowie Fertigungs- und Vertriebsexperten bereits die Arbeit aufgenommen, um einen zügigen Markteintritt zu ermöglichen.

ZF sieht weltweit große Zukunftspotenziale für elektrische und autonome Fahrzeuge sowohl für die Beförderung von Personen als auch für Lastentransporte. Eine von ZF im November 2016 veröffentlichte Zukunftsstudie prognostiziert bis 2030 enorme Zuwächse – vor allem im innerstädtischen Logistikbereich. Das Joint Venture e.GO Moove wird diesen Markt bereichern. Dr. Stefan Sommer: „Gemeinsam mit e.GO vereinen wir Innovationskraft, Schnelligkeit und globale Fertigungskompetenz mit erstklassigem Vertriebs- und Service-Knowhow. Mit den e.GO People und Cargo Movern zeigen wir unsere Kompetenz bei intelligenten mechanischen Systemen sowie beim autonomen Fahren – und damit bei Mobilitätslösungen der Zukunft.“

Hintergrund: e.GO Mobile AG

Die e.GO Mobile AG ist ein Elektroauto-Startup zur Entwicklung und Herstellung von Elektrofahrzeugen mit Sitz im Cluster Produktionstechnik auf dem RWTH Aachen Campus. Im Frühjahr 2015 gründete Prof. Günther Schuh das Unternehmen, nachdem er bereits 2009 die Street Scooter GmbH mit initiierte. Von diesen Erfahrungen profitieren die bisher 85 Mitarbeiter, die heute in agilen Teams daran arbeiten, Elektrofahrzeuge für den Kurzstreckenverkehr kostengünstig und kundenorientiert herzustellen. Im Frühjahr 2018 startet die Serienproduktion des e.GO Life in dem neuen e.GO-Werk in Aachen Rothe Erde.

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