Im Interview: Dr. Holger Engelmann

Webasto: Wachstum mit Augenmaß

18.08.12 | Autor / Redakteur: Tina Rumpelt / Claus-Peter Köth

Dr. Holger Engelmann: „Kosten- und Qualitätsmanagement sind die großen Herausforderungen der Zukunft auch in China.“
Dr. Holger Engelmann: „Kosten- und Qualitätsmanagement sind die großen Herausforderungen der Zukunft auch in China.“ (Webasto)

Webasto verkaufte 2011 in China drei Millionen Dachsysteme und stattet 150 Modelle „made in China“ mit seinen Dächern aus. Und es sollen noch deutlich mehr werden, wie Dr. Holger Engelmann, im Webasto-Vorstand verantwortlich für die Dach-Sparte, erläutert

Wird Webasto im Zuge der Produktionserweiterungen von BMW in Shenyang seine Kapazitäten in China ausbauen?

Ja, aber nicht nur in Shenyang. Derzeit planen wir den Aus- beziehungsweise Neubau an insgesamt fünf Standorten in China. Unsere Produktionswerke in Chongquing und Guangzhou werden erweitert. Drei neue Werke entstehen und zwar in Shenyang im Nordosten Chinas für BMW und GM sowie in Zentralchina in Xiangyang, wo wir vor allem für Nissan arbeiten, und in Wuhan. Dort sind Dongfeng, PSA und Ford vor Ort.

Wann nehmen die neuen Werke die Produktion auf?

Wir planen im Zeitraum 2012 und 2013.

Dachsysteme sind großvolumig und empfindlich für Beschädigungen. Damit sind sie eher ungeeignet, um über weite Strecken transportiert zu werden. Ist das der Grund für die Neuinvestitionen?

Unsere Produkte sind sehr transportsensitiv. Daher fertigen wir in der Regel relativ kundenah. Maximal 500 bis 600 Kilometer Reichweite sind in China darstellbar. Und: Wir folgen den Produktionsstandorten unserer Kunden. Aus diesen Überlegungen heraus trafen wir die Entscheidung, an den genannten Standorten zu investieren.

Der chinesische Automobilmarkt wächst nach wie vor, das bedeutet gute Geschäfte auch für Zulieferer. Also alles bestens?

In keinem Land sind die Ausstattungsquoten bei Schiebedächern aktuell höher als in China. China ist unser größter Markt für Dachsysteme. Für die Chinesen ist ein Schiebedach ein Prestigeobjekt, ein Must-have. Es läuft also bisher gut, aber wir stehen vor Veränderungen: Bislang profitierten wir vom starken Wachstum des chinesischen Marktes. Momentan flacht es etwas ab. Wir beobachten zudem immer mehr Wettbewerbsdruck im Markt. Die internationalen Joint-Venture-Hersteller dominieren den Markt, während sich die vielen lokalen OEMs nicht nachhaltig positionieren konnten. Dies hat auch die chinesische Regierung analysiert und fokussiert daher ihre Unterstützung auf nur vier bis neun lokale OEMs.

Das kommt Webasto als renommiertem Zulieferer der Joint-Venture-OEMs in China doch zugute, oder?

Sagen wir es so: Die Positionierung, die wir heute innehaben, ist dabei nicht von Nachteil.


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