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Interview 3D-Druck in vielen Branchen bereits Wirklichkeit

| Autor / Redakteur: Das Interview führte Christoph Kirsch / Michael Ziegler

Noch vor wenigen Jahren gab es 3D-Drucker nur in der Forschung und Entwicklung. Heute steht die additive Fertigung vor dem Durchbruch zur Massenproduktion. Jim Kor, Kopf hinter dem Konzeptfahrzeug Urbee, ist überzeugt, dass die 3D-Drucktechnologie unsere Welt grundlegend verändern wird.

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Seit 2009 ist Jim Kor President und Senior Design Engineer der Kor EcoLogic Inc. und somit Chefentwickler der Urbee-Konzeptfahrzeuge.
Seit 2009 ist Jim Kor President und Senior Design Engineer der Kor EcoLogic Inc. und somit Chefentwickler der Urbee-Konzeptfahrzeuge.
(Foto: Kor EcoLogic)

Jim Kor hat einen Großteil seiner Berufslaufbahn damit verbracht, Traktoren, Busse und Schwimmingpools für kanadische Unternehmen zu entwickeln, bevor er seine eigene Designfirma gründete. Mit dem Urbee 2 möchte die Kor EcoLogic Inc. ein nach ökologischen Maßstäben produziertes Fahrzeug entwickeln, das fast vollständig im 3D-Druck gefertigt ist. Das Konzept präsentiert Jim Kor am 7. und 8. Juli 2014 beim Symposium „Zulieferer Innovativ“ in der BMW Welt München. Der Kongress zeigt neue Technologien, Trends und Visionen für die Mobilität und das Fahrzeug der Zukunft.

Mr. Kor, Sie gelten als Experte für 3D-Druck. Wo stehen wir im Jahr 2014?

Die additive Fertigung, also die Fertigung Schicht für Schicht, ist in vielen Branchen bereits Wirklichkeit, etwa in der Zahnmedizin oder der Hörgeräteindustrie. Sie konnte sich dort gegenüber konventionellen Techniken schnell durchsetzen aufgrund der erforderlichen individuellen Anpassung der Produkte, ihrer geringen Größe und des Wegfalls teurer Formen und Werkzeuge. Aber auch Militärjets fliegen bereits mit additiv gefertigten Teilen aus Aluminium, Magnesium und Titan. Hier ist der 3D-Druck aufgrund der geringen Stückzahlen wirtschaftlich, weil 3D-gedruckte Teile ohne Werkzeuge auskommen.

Welche Materialien können gedruckt werden?

3D-Drucken ist mit vielen Materialien möglich, mit Kunststoff, Metallen, organischen Materialien, Beton und sogar mit Schokolade, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Einem amerikanischen Biotechnologie-Unternehmen ist es sogar gelungen, eine kleine funktionsfähige Leber zu drucken, die einige Tage im Labor überlebt hat.

Wo liegen die Vorteile generativer Fertigungsverfahren?

Die größten Vorteile liegen sicher in der Individualisierbarkeit von Produkten und Bauteilen, in der Fertigung von Teilen mit geringer Losgröße, dem Wegfall von Werkzeugen und der Möglichkeit, viele einfache in wenige hochkomplexe Teile zu integrieren. Durch diese Konsolidierung von Teilen in eine einzige Komponente werden außerdem die Montageanforderungen reduziert. Produktionsschritte können entfallen und komplexe Objekte in nur einem Produktionsschritt gefertigt werden. Dezentrale Fertigungsstrukturen schaffen mehr Flexibilität, gesteigerte Effizienz und minimale Lagerbestände. Das gilt auch für Ersatzteile, weil sie je nach Bedarf in der Nähe des Verwendungsorts auf jedem beliebigen 3D-Drucker direkt aus der Software gefertigt werden können. Weitere Vorteile sind, dass Sie unterschiedliche Teile auf ein und derselben Maschine herstellen können. Schlussendlich ermöglicht die additive Fertigung eine noch nie dagewesene Designfreiheit. Durch gutes Design können leichtere, robustere Teile mit höchst komplexen Geometrien hergestellt werden. Vorbild ist hier die Bionik.

Hat die additive Fertigung Zukunft im Automobilbau?

Harold Sears, Spezialist für additive Fertigung bei Ford, hat kürzlich gesagt: „Viele Fachleute haben prognostiziert, dass die 3D-Drucktechnologie eine dritte industrielle Revolution einleiten wird. Das wird sich erst noch zeigen. Derzeit ist die Technik noch nicht schnell genug für die Fertigung großer Stückzahlen. Aber sie ist ideal für Testteile oder Nischenapplikationen.“ Gleichwohl glaubt Sears, dass der 3D-Druck großartige Möglichkeiten bietet. Nicht zuletzt, weil die Technologien schneller und die Materialien vielfältiger werden. Ford ist seit 25 Jahren führend im 3D-Druck und war in den achtziger Jahren an der Erfindung beteiligt. 1988 hat der OEM den bis dato dritten 3D-Drucker gekauft. Gemeinsam mit Zulieferern arbeitet er daran, neue Technologien wie den 3D-Sanddruck auf den Markt zu bringen.

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