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Wirtschaft Abgas-Manipulation: Was Käufer wissen müssen

| Autor: Jan Rosenow

Nach Ansicht von Experten reicht die Leistung der VW-Abgasanlagen aus – nur die richtige Kalibrierung muss per Software-Update aktiviert werden.

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Würde es in Deutschland aufgrund der aktuellen Diskussion zu einem Rückruf kommen, so ließe sich nach Aussagen von Fachleuten die Reparatur wohl durch ein Software-Update durchführen.
Würde es in Deutschland aufgrund der aktuellen Diskussion zu einem Rückruf kommen, so ließe sich nach Aussagen von Fachleuten die Reparatur wohl durch ein Software-Update durchführen.
(Foto: Volkswagen)

Die ominöse Software zur Prüfstandslauf-Erkennung befindet sich nach Angaben des Volkswagen-Konzerns in weltweit elf Millionen Autos, die mit dem Dieselmotor EA 189 ausgestattet sind. Dabei handelt es sich um einen Vierzylinder mit 1,6 beziehungsweise zwei Litern Hubraum und Common-Rail-Direkteinspritzung, der in vielen Konzern-Modellen eingebaut wurde. Anders als in den USA, wo wegen des geringen Dieselanteils nur 482.000 Fahrzeuge betroffen sind, dürfte die Stückzahl allein in Deutschland in die Millionen gehen. Schließlich ist dieser Motorentyp in den meisten zwischen 2007 und 2013 produzierten Volkswagen-, Audi, Seat- und Skoda-Modellen mit Quermotor verwendet worden.

Bis vorgestern (23. September) hat die VW-Organisation laut Aussagen aus Händlerkreisen noch keine Informationen zum Abgasskandal aus der Konzernzentrale bekommen. „Alles, was wir wissen, haben wir aus der Presse“, sagte ein Händler gegenüber dem Automobil-Industrie-Schwestermagazin »kfz-betrieb«. Angesichts der von der US-amerikanischen Situation abweichenden Rechtslage in Europa ist es zudem unklar, wie die Software-Tricksereien hierzulande wirklich zu bewerten sind und ob sich daraus der Zwang zu technischer Nachbesserung ergibt.

Auch Dobrindt kann nur nach NEFZ messen lassen

Zwar fordert Verkehrsminister Alexander Dobrindt nun „strenge und spezifische Nachprüfungen“, diese können sich aber nur auf den NEFZ beziehen. Denn bis dato gibt es in der EU keine gesetzlichen Grenzwerte für den Fahrbetrieb außerhalb des für die Zulassung relevanten Zyklus. Und den NEFZ halten praktisch alle Fahrzeuge problemlos ein, heißt es beim ADAC. Anders sieht es aus, wenn nicht die Abgaswerte, sondern die Manipulationssoftware von Volkswagen im Mittelpunkt der Aufarbeitung steht. Schließlich darf ein Auto nicht mit Techniken ausgerüstet werden, die für die Zulassung notwendige Komponenten nachträglich und ohne Fehlermeldung außer Kraft setzen. In der EU-VO 715/2007 über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen heißt es: „Die Verwendung von Abschalteinrichtungen, die die Wirkung von Emissionskontrollsystemen verringern, ist unzulässig.“ Setzt sich diese Ansicht durch, dann könnten die mit dieser Software ausgerüsteten Autos ihre ABE verlieren.

Ein Software-Update sollte das Problem lösen

Würde es in Deutschland zu einem Rückruf kommen, so ließe sich nach Aussagen von Fachleuten gegenüber »kfz-betrieb« die Reparatur durch ein Software-Update durchführen. Ein Austausch von Bauteilen wie Katalysatoren wäre offenbar nicht notwendig. „Die vorschriftsmäßige Kalibrierung ist im Steuergerät ja vorhanden. Nur im Alltagsbetrieb laufen die Fahrzeuge in einem anderen Modus. Das lässt sich mit einem Flashen des Steuergeräts beheben“, sagte ein Abgastechnik-Experte der Redaktion. Anders als in den USA dürften diese Änderungen kaum Auswirkungen auf den Fahrbetrieb haben, etwa in Form höheren Kraftstoff- oder Adblue-Verbrauchs oder geringerer Leistung. Denn der EA 189 wurde in Europa nach allen zur Verfügung stehenden Informationen nur in Euro-4- und Euro-5-Konfiguration ausgeliefert. Deren noch relativ lasche NOx-Limits (250 beziehungsweise 180 Milligramm pro Kilometer) erfüllen Kompaktfahrzeuge ohne spezielle Organe für die NOx-Bekämpfung, wie Speicherkats oder SCR.

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