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Diesel-Krise Abgasaffäre zwingt Audi zum Sparen

| Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Sven Prawitz

Audi-Chef Rupert Stadler hat am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung des Herstellers in Ingolstadt über die aktuelle Lage informiert. Seine Ankündigungen lösten bei vielen Beschäftigten Unmut und Verunsicherung aus.

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Audi-Chef Rupert Stadler wurde auf der Betriebsversammlung am Mittwoch (5. Oktober) in Ingolstadt von der eigenen Belegschaft teilweise ausgebuht.
Audi-Chef Rupert Stadler wurde auf der Betriebsversammlung am Mittwoch (5. Oktober) in Ingolstadt von der eigenen Belegschaft teilweise ausgebuht.
(Bild: Audi)

Audi muss wegen der Abgas-Affäre sparen. Wie „Donaukurier“ und „Handelsblatt“ am Mittwoch (5. Oktober) berichteten, teilte Audi-Chef Rupert Stadler auf einer Betriebsversammlung des Ingolstädter Automobilherstellers mit, dass der Bau des Industrieparks „In-Campus“ auf dem Gelände einer ehemaligen Raffinerie in Ingolstadt auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wird. Erst im Frühjahr hatte Audi das Projekt öffentlichkeitswirksam vorgestellt. Zuletzt hatte Stadler bereits den Bau eines neuen Windkanals gestoppt.

Wesentlich härter würde die Beschäftigten aber eine weitere Ankündigung Stadlers treffen: Ab Januar könnte bei Audi eine Schicht wegfallen. Vermutlich geht es dabei um die Dauernachtschicht. Als Gründe nannte Stadler den Medienberichten zufolge Wechselkursverluste in Großbritannien, den Währungsverfall in Russland und die schwierigen politischen Verhältnisse in Märkten wie der Türkei und Brasilien. Den größten Anteil am Audi-Dilemma dürfte aber zweifelsohne die Abgas-Affäre haben, Stadler sprach hier unter anderem von Einbrüchen etwa in Australien, Japan, Taiwan oder Südkorea.

Rund 8.000 Audi-Beschäftigte nahmen an der Betriebsversammlung in Ingolstadt teil.
Rund 8.000 Audi-Beschäftigte nahmen an der Betriebsversammlung in Ingolstadt teil.
(Bild: Audi)

Zudem äußerte Stadler Kritik an der Berichterstattung zur Diesel-Thematik. So habe es ihn menschlich getroffen, gleichzeitig aber auch dem Unternehmen geschadet, dass er in den Medien vom Zeugen zum Beschuldigten mutierte. Er selbst könne aber noch in den Spiegel schauen, zitiert der Donaukurier den Audi-Chef. Einen neuen Stand in der Abgas-Affäre konnte Stadler derweil nicht liefern, in den USA ringt der Hersteller noch immer mit den Behörden um den Rückruf von 85.000 betroffenen Autos. Der nächste Verhandlungstermin ist am 3. November. Rückstellungen für mögliche Strafzahlungen und Rückkäufe hat Audi bislang offenbar kaum gebildet.

Pfiffe und Buhrufe gegen Stadler

Bei den rund 8.000 anwesenden Audi-Beschäftigten erzeugte der 53-Jährige mit seinen Neuigkeiten teilweise großen Frust. Stadlers Ankündigungen, die auf einen harten Sparkurs bei Audi hindeuten, quittierten viele der Mitarbeiter mit Pfiffen und Buhrufen, wie der Donaukurier berichtet. Bereits vor Stadlers Auftritt hatte es immer wieder Berichte darüber gegeben, dass sich die Beschäftigten um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze sorgen, die Neuigkeiten vom Mittwoch dürften diese Angst noch zusätzlich verstärkt haben. Audi-Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch will dem entgegenwirken und forderte von der Unternehmensführung, die Beschäftigungssicherung für die gut 57.000 Audi-Mitarbeiter über das Jahr 2018 hinaus zu verlängern. Um die beiden deutschen Standorte Ingolstadt und Neckarsulm wettbewerbsfähig zu halten, verlangte Mosch zudem Investitionen in die Elektromobilität an beiden Werken.

Das Thema ist auch deshalb brisant, weil Stadler zuletzt angekündigt hatte, dass jede dritte Modellvariante mit konventionellem Antrieb auf der Kippe steht. Neue Investitionen in die altbekannte Technik werde es deshalb wenn überhaupt nur noch im Ausland geben. So aktuell zu sehen in Mexiko, wo der Audi-Chef am Wochenende ein neues Werk eröffnete, in dem künftig der neue Q5 vom Band läuft – zu deutlich geringeren Lohnkosten als in den deutschen Werken. Die erste Generation des SUVs war noch in Ingolstadt gebaut worden. Und auch der erste rein elektrische Audi wird weder in Ingolstadt noch in Neckarsulm gefertigt, sondern in Brüssel. 2018 soll der Stromer auf den Markt kommen. Ein weiteres Ärgernis für die Beschäftigten in Deutschland, Betriebsratschef Mosch verlangte deshalb: „Die deutschen Audi-Standorte müssen jetzt im Zentrum des neuen Zeitalters der Mobilität stehen.“

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