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VW Absage ans reine E-Auto

| Redakteur: Jens Badstübner

VW hat dem reinen elektrischen Antrieb in Automobilen wegen mangelnder Batterie-Leistung eine Absage erteilt.

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„Uns ist klar geworden, dass die Batterie für Langstrecken mit dem Elektroauto nicht ausreicht“, sagte Volkswagen-Forscher Dr. Sven Schmitz die neue VW-Roadmap anlässlich des Brennstoffzellenforums „fcell“ am 30. September in Stuttgart. Die Wolfsburger setzen deshalb auf die Brenstoffzelle als Range-Extender. „Das ist eine gute Nachricht für die Brennstoffzelle“, so Schmitz weiter. Zukünftig soll sie die unzureichende Batterieleistung ausgleichen, indem sie die Batterie während der Fahrt auflädt. Derzeit erprobt Volksagen das so genannte Range-Extender-Konzept in Berlin. Serienstart soll 2012 sein.

„Range-Extender“ statt Elektromobilität

In der Hauptstadt sollen 100 umgerüstete VW Golfs die Praxistauglichkeit des Range-Extenders nachweisen. Allerdings lädt derzeit noch der Verbrennungsmotor die im Golf verbauten Lithium-Ionen-Batterien auf. Zukünftig will VW den Motor durch die Hochtemperatur-Brennstoffzelle ersetzen. „Wir beschäftigen uns heute schon mit der Produktionstechnik. Die Grundlagenforschung mit beispielsweise Membranen ist Vergangenheit“, kommentierte Schmitz in Stuttgart.

Kein Automobilhersteller, der etwas auf sich hält, scheint an der Zukunftstechnologie des Brennstoffzellen-Antriebs vorbeizukommen - nicht Vorkämpfer Daimler, nicht Ford, GM oder Honda und auch nicht VW. Zumal bei den Automobilherstellern die Einsicht steigt, dass die Energiedichte von Lithium-Ionen-Batterien nicht für rein elektrisches Fahren ausreicht. Derzeit liegt sie gerade mal bei 150 Wattstunden pro Kilogramm, also rund 60 Kilometern rein elektrischem Fahren. Experten wie der Leiter der VW-Forschung Antriebe Dr. Wolfgang Steiger fordern mit 1.300 Wattstunden fast zehnmal so viel (siehe auch Titelstory in der Oktober-Ausgabe von »Automobil Industrie«, die am 2.10.2008 erscheint).

Hochtemperatur-Brennstoffzelle von VW

Die Wolfsburger Forscher hatten vor zwei Jahren mit ihrer Eigenentwicklung der Hochtemperatur (HT)-Brennstoffzelle begonnen. „Höhere Effizienz, bessere Frostresistenz, weniger Kühlbedarf und damit Vorteile im Package“ erläutert Schmitz in Stuttgart die Vorteile.

In der jüngsten Entwicklungsstufe eines Brennstoffzellen-Autos, dem im Frühjahr dieses Jahres vorgestellte Tiguan HyMotion 3, verrichtet allerdings noch eine Niedrig-Temperatur (NT)-Zelle mit 80 °C ihren Dienst. Sie soll demnächst dem 160 °C-Pendant weichen.

Der Tiguan HyMotion 3 kommt heute schon auf 80 Kilowatt Leistung und besteht damit den im VW-Konzern für die Praxistauglichkeit geforderten Großglocknertest. Scheitern tut er allerdings bei höheren Temperaturen und dem dabei deutlich höheren abzuführenden Wärmestrom. Das Problem löst laut Schmitz die Hochtemperaturbrennstoffzelle. Nach der Laborerprobung baut Volkswagen die HT-Zelle jetzt in ein Fahrzeug ein.

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