ZF Friedrichshafen Achsenwerk in Peking eröffnet

Redakteur: Claus-Peter Köth

Die ZF Friedrichshafen AG hat rund 15 Millionen Euro in den Aufbau des neuen Produktionsstandortes zur Pkw-Achsfertigung in Peking (China) investiert. 350 Mitarbeiter montieren im laufenden Jahr etwa 144.000 Vorder- und Hinterachsen für die Mercedes-Modelle C-Klasse und E-Klasse. Am 25. September erfolgte nun der offizielle Startschuss.

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Offizielle Eröffnung des neuen Achsenwerks von ZF in Peking (v. l.): Uwe Coßmann, Leiter der Division Pkw-Fahrwerktechnik, ZF-Chef Dr. Stefan Sommer und Dr. Peter Holdmann, Leiter der Entwicklung sowie des Geschäftsfelds Achssysteme.
Offizielle Eröffnung des neuen Achsenwerks von ZF in Peking (v. l.): Uwe Coßmann, Leiter der Division Pkw-Fahrwerktechnik, ZF-Chef Dr. Stefan Sommer und Dr. Peter Holdmann, Leiter der Entwicklung sowie des Geschäftsfelds Achssysteme.
(Foto: ZF Friedrichshafen)

„Der neue Standort in Peking ist eine wichtige Investition in den Ausbau des globalen Produktionsnetzwerks von ZF“, sagte Dr. Stefan Sommer, Vorsitzender des Vorstands der ZF Friedrichshafen AG, anlässlich der Eröffnung. „Im Bereich der Achssystem-Montage wachsen wir im Augenblick relativ stark. Hier haben wir uns in den vergangenen Jahren eine sehr geschätzte Kompetenz aufgebaut“, so Sommer weiter. Voraussetzung für die Just-in-Sequence- (JIS)-Belieferung mit Achssystemen sei aber, dass man sich als Zulieferer stets in unmittelbarer Nähe des Automobilherstellers befindet.

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15 Pkw-Achswerke weltweit

Mit dem neuen Standort verfügt ZF bereits über 15 Pkw-Achswerke weltweit – jeweils drei in China, Südafrika und den USA, zwei in Indien und je einem in Australien, Großbritannien, Österreich und Thailand. Gemeinsam fertigten diese Werke 2012 etwa drei Millionen Achssysteme, Ende dieses Jahres rechnet der Konzern bereits mit 3,75 Millionen produzierten Einheiten.

Das neue Achsenwerk von ZF ist nur einen Steinwurf vom Kunden Beijing Benz Automotive, kurz BBAC, entfernt. Aktuell werden dort Vorder- und Hinterachsen für die Mercedes-Benz-Modelle C-Klasse und E-Klasse montiert und Just-in-Sequence ans Band des Kunden geliefert. Vom Lieferabruf bis zur Montage im BBAC-Werk bleiben je nach Fahrzeug zwischen 4,5 und 6 Stunden Zeit. Die Produktion startete bereits am 18. Februar dieses Jahres. Aktuell sind auf den 32.000 Quadratmetern Fläche rund 350 Mitarbeiter beschäftigt. Die installierte Gesamtkapazität von 400.000 Achsen bietet eine hohe Flexibilität für neue BBAC-Aufträge. Die Belieferung anderer OEMs ist nicht vorgesehen.

Ausbau auf 372.000 Einheiten

„In diesem Jahr werden bis Ende Dezember etwa 144.000 Achsen vom Band laufen“, erklärte Andreas Klein, Vice President ZF Chassis Systems Asia Pacific. Parallel mit der Kapazitätserweiterung von BBAC - inklusive der Hereinnahme neuer Modelle – wird jedoch auch das neue ZF-Werk stark wachsen. Bereits im nächsten Jahr startet etwa die Achsfertigung für den Mercedes-Benz GLK, und 2015 beginnt die Fertigung für den Mercedes-Benz GLA. Insgesamt nennt Andreas Klein für das Jahr 2020 rund 372.000 Einheiten. Der Umsatz soll dann von 1,4 Milliarden RMB (Renminbi), etwa 170 Millionen Euro, im Jahr 2013 auf 5,0 Milliarden RMB (605 Millionen Euro) steigen.

Mit dem neuen Werk erhöht ZF die Zahl seiner Produktionsstandorte im Reich der Mitte auf 21 und weitet seine Präsenz in einem seiner wichtigsten Einzelmärkte weiter aus. Der Vertrag von ZF mit BBAC läuft zunächst über zehn Jahre bis 2022. „Wir freuen uns, mit dem neuen Werk für Pkw-Achsen die Zulieferung für unseren langjährigen Partner Daimler in Peking direkt sicherzustellen“, kommentierte Uwe Coßmann, Leiter der ZF-Division Pkw-Fahrwerktechnik. Und: „Das intelligente Konzept für die Montagelinie in Peking lässt uns flexibel und direkt auf Modellwechsel und Volumenänderungen unseres Kunden reagieren“, so Coßmann.

Teil der weltweiten Lokalisierungsstrategie

Das neue Achsmontagewerk in China ist Teil der weltweiten Lokalisierungsstrategie des Konzerns und festigt die Rolle von ZF als Global Player in der Wachstumsregion Asien-Pazifik. Als Teil dieser Strategie investiert ZF nicht nur in Fertigungsstätten: Gemäß dem „Design-to-market“-Prinzip gewinnt China auch innerhalb des ZF-Entwicklungsnetzwerkes an Bedeutung. So kann ZF in seinem Entwicklungszentrum in Shanghai Kundenwünsche und lokale Marktanforderungen umfassend und passgenau berücksichtigen. Insgesamt ist China nach wie vor ein wichtiger Wachstumsmarkt für ZF. Im Geschäftsjahr 2012 hat der Konzern hier umgerechnet 2,1 Milliarden Euro und damit 22 Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr erwirtschaftet. Einen Dämpfer oder gar einen Einbruch des chinesischen Marktes, wie von manchen Analysten prognostiziert, erwartet ZF-Chef Dr. Stefan Sommer nicht. „Wir glauben an ein anhaltendes Wachstum der chinesischen Wirtschaft. Nicht mit den hohen zweistelligen Raten der vergangenen Jahre, aber immer noch auf einem sehr gesunden Niveau von 7 bis 7,5 Prozent per anno“, sagte er im Gespräch mit „Automobil Industrie“.

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Investitionstempo in China hochhalten

Achten müsse man jedoch auf Marktverschiebungen. „Die Chinesen sind sehr technologieorientiert. In diesem Zusammenhang erwarte ich, dass die durchschnittliche Wertigkeit eines Autos steigen wird – speziell in den großen Ballungsgebieten Peking und Shanghai“, so Sommer. Dieser Trend zu wertigeren bzw. technologisch aufwendigeren Installationen im Fahrzeug spielt ZF aber in die Karten. „Wir werden das Investitionstempo in China hochhalten, dadurch unsere Marktposition stützen und in den kommenden Jahren weiteres Wachstum möglich machen“, bekräftigt Sommer.

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