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Automatikgetriebe Acht Gänge und ein Ende?

| Autor / Redakteur: SP-X / Bernd Otterbach

Dr. Gerhard Wagner, Leiter Pkw-Antriebssysteme bei ZF: „Wir haben uns dem idealen Automatikgetriebe angenähert. Mehr Gänge sind nicht unbedingt sinnvoll, da wir die Übersetzungen gar nicht mehr weiter spreizen müssen.“

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Vor 20 Jahren gab es noch vereinzelt Fahrzeuge mit Dreigangautomatik, heute gelten vier und fast auch schon fünf Gänge als veraltet. Sechs Fahrstufen müssen es bei Automatikgetrieben schon sein, gerne auch sieben, wie es bei Mercedes der Fall ist. Es gibt aber schon erste Fahrzeuge mit acht Gängen, etwa die Luxuslimousinen von Lexus, die BMW 5er und 7er oder den neuen Audi A8. Die deutschen Marken lassen sich die Achtgänger vom Spezialisten ZF zuliefern, Lexus setzt auf die Konzern-Tochter Aisin. Die Zahl der Übersetzungsstufen folgt nicht nur technischen Notwendigkeiten, sondern wird von den Herstellern auch gerne als Unterscheidungs- und Imagefaktor genutzt. Fahren wir in einigen Jahren also mit neun, zehn oder gar mit zwölf Gängen?

Nichr ausschließlich mechanisch

Dr. Gerhard Wagner, Leiter Pkw-Antriebssysteme bei ZF, glaubt das nicht: „Wir haben uns schon in den letzten Jahren immer mehr dem idealen Automatikgetriebe angenähert. Mehr Gänge sind nicht unbedingt sinnvoll, da wir die Übersetzungen gar nicht mehr weiter spreizen müssen.“ Hingegen glaubt der Getriebe-Fachmann, dass ein Automatikgetriebe künftig nicht mehr unbedingt in klassischer Manier ausschließlich mechanisch arbeiten muss. Denkbar sei vielmehr auch eine Kombination aus mechanischen und elektronischen Komponenten. Im Mittelpunkt stehe dabei auf jeden Fall der Kundennutzen und der definiere sich mehr und mehr über Verbrauchsreduzierung.

Die ZF-Achtgangautomatik spart zum Beispiel im Vergleich zum mit zwei Gängen weniger arbeitenden Vorgänger rund sechs Prozent an Sprit ein. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Automatikgetriebe einen oder gar zwei Liter Treibstoff mehr je 100 Kilometer benötigten. Da selbst ein professioneller Fahrer kaum permanent so perfekt schalten kann wie ein Automat, benötigen die modernen Varianten im realen Betrieb meist sogar schon weniger Benzin oder Diesel als die entsprechenden Modelle mit handgeschaltetem Getriebe.

Modularer Aufbau

Da ZF seinen neuen Achtgänger als Baukasten konzipiert hat, lassen sich weitere Varianten für spritsparende Anwendungen leicht aufbauen. „In Verbindung mit einem Start-Stopp-System können Verbrauchseinsparungen von bis zu elf Prozent erzielt werden“, erläutert Albert Dick, Leiter der Entwicklung für Pkw-Automatikgetriebe bei ZF. „Unser modulares System ermöglicht ohne Änderungen am Grundkonzept aber auch die Verwendung in einem Vollhybrid.“ Hier sind nach Berechnungen von ZF theoretisch Einsparungen bis zu 25 Prozent möglich.

300.000 Getriebe für BMW und Audi

Derzeit wird die Produktion des Achtganggetriebes im ZF-Werk Saarbrücken noch hochgefahren. Schon in diesem Jahr sollen insgesamt 300.000 Einheiten produziert werden, hauptsächlich für die Kunden BMW und Audi. In wenigen Jahren, da ist sich Albert Dick sicher, werden bis auf wenige Ausnahmen alle Sechsgänger durch Achtgangautomaten ersetzt sein. Denn das neue Getriebe ist nicht nur verbrauchsgünstiger und leichter als sein Vorgänger, es kommt auch mit weniger Teilen aus und lässt sich damit mindestens so kostengünstig produzieren wie das alte Sechsganggetriebe.

Keine Furcht vor dem Doppelkupplungsgetriebe

Vor der Konkurrenz des Doppelkupplungsgetriebes, das auch von ZF zum Beispiel für Porsche produziert wird, fürchtet man sich nicht. „Unser Achtganggetriebe schaltet sehr schnell und sorgt beim Ampelstart sogar für noch mehr Beschleunigung“, sagt Gerhard Wagner. „Zudem ist ein Doppelkupplungsgetriebe aufgrund des höheren Produktionsaufwandes teurer als die klassische Wandlerautomatik.“ Weltweit werde daher auch weiterhin die Nachfrage nach dem Automaten zunehmen. Und ZF will sich vor allem in den Top-Segmenten von dieser Nachfrage ein erkleckliches Stück sichern.

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