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Daimler Alle Wetter auf Knopfdruck

| Redakteur: Bernd Otterbach

Um die Lücke zwischen Simulation und Realerprobung weiter zu schließen, hat Mercedes in Sindelfingen zwei neue Klima-Windkanäle eingeweiht. Damit werden extreme Wetterereignisse nach drinnen verlegt.

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Temperaturen von minus 40 bis plus 60 Grad Celsius, Orkane mit Windgeschwindigkeiten bis 265 km/h, tropische Regengüsse und heftige Schneestürme gehören hier zum ständig verfügbaren Repertoire der Versuchsingenieure. Wenn nötig, können sie sogar eine erbarmungslos scheinende Sonne wirklichkeitsgetreu simulieren. Die neuen Klima-Windkanäle sollen es den Ingenieuren erlauben, neu entwickelte Fahrzeuge oder Komponenten bereits frühzeitig für alle Wetterbedingungen zu testen.

Warm- und Kaltkanal

Einer der beiden neuen Klima-Windkanäle ist als Kaltkanal mit einem Temperaturbereich von minus 40 bis plus 40 Grad Celsius konzipiert. Im neuen Warmkanal steht ein Temperaturbereich von minus 10 bis plus 60 Grad Celsius zur Wahl. Beide Kanäle haben einen zweiachsigen Rollenprüfstand integriert und erlauben Geschwindigkeiten bis zu 265 km/h.

Die neuen Klima-Windkanäle ersetzten den bisherigen Kaltkanal, in dem Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius erzeugt und Geschwindigkeiten bis 64 km/h erreicht werden können, sowie einen Warmkanal, bei dem die Grenzwerte bei plus 40 Grad Celsius und 100 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht sind.

„Wir ersetzen durch die neuen Klima-Windkanäle nicht die Straßenerprobung, können sie aber deutlich reduzieren und wir gehen viel besser vorbereitet hinein“, sagte Ulrich Mellinghoff, Leiter der Mercedes-Sicherheitsentwicklung. „Beispielsweise können unter 20 Varianten für ein Motor-Abschirmblech im Klima-Windkanal viele bereits aussortiert werden, die nicht den gewünschten Effekt bringen. Dann gehen wir mit nur noch zwei oder drei der Erfolg versprechendsten Varianten in den Praxistest.“

Zwei Jahre Bauzeit

Mit den Klima-Windkanälen hat Mercedes sein Technology Center nach zweijähriger Bauzeit um die nächste Stufe erweitert. Etwa zwei Drittel des neuen 18 Meter hohen Gebäudes in Sindelfingen mit 70 x 60 Meter Grundfläche beanspruchen die beiden Prüfstände mit ihren Nebenräumen, zu denen auch die Messkabine gehört. Zur Simulation der Fahrbahn treiben in jedem Kanal Elektromotoren vier Rollen mit je fast zwei Meter Durchmesser an. Dadurch können auch allradgetriebene Fahrzeuge unter realistischen Bedingungen erprobt werden.

Die Gesamtleistung des Prüfstands ist mit 600 kW konzipiert; bei Überlast stehen kurzfristig 780 kW zur Verfügung. Die maximale Zugkraft des Rollenprüfstands beträgt 12.000 N pro Achse, bei Überlast 20 000 N.

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