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AMS bietet 4,3 Milliarden Euro für Osram

| Autor/ Redakteur: dpa / Maximiliane Reichhardt

Der österreichische Halbleiterkonzern AMS will Osram doch noch übernehmen. Die Österreicher bieten den Osram-Anteilseignern 38,50 Euro je Aktie. Das ist deutlich mehr als die beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle zahlen wollen.

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Der österreichische Halbleiterhersteller AMS bietet für den deutschen LED-Spezialisten Osram nun insgesamt 4,3 Miliarden Euro – etwa 10% mehr als die US-Investoren Bain und Carlysle Group.
Der österreichische Halbleiterhersteller AMS bietet für den deutschen LED-Spezialisten Osram nun insgesamt 4,3 Miliarden Euro – etwa 10% mehr als die US-Investoren Bain und Carlysle Group.
( Bild: Osram )

AMS möchte nach einem ersten Vorstoß Mitte Juli den Kampf um Osram offenbar doch noch nicht aufgeben. Das Unternehmen aus Premstätten in der Steiermark hat einen neuen Vorstoß gewagt und bietet für den deutschen Optoelektronikspezialisten nun 38,50 Euro pro Aktie – 22 Prozent über dem Xetra-Schluss der Osram-Aktie.

Mit dem Gebot wird Osram mit 4,3 Milliarden Euro inklusive Schulden bewertet. Die Österreicher haben sich den Angaben zufolge eine Brückenfinanzierung von 4,2 Milliarden Euro gesichert. Einen Teil davon will das an der Schweizer Börse notierte Unternehmen über die Ausgabe von neuen Aktien zurückzahlen. Dafür soll das Kapital um 1,5 Milliarden Euro erhöht werden. Das Unternehmen selbst ist an der Börse etwas mehr als 4,1 Milliarden Schweizer Franken oder umgerechnet rund knapp 3,8 Milliarden Euro wert.

Osram favorisiert US-Investoren

AMS hatte sich Mitte Juli nach einem unverbindlichen Angebot wieder zurückgezogen. Damals hieß es, der Konzern sehe nach einer Evaluierung „keine ausreichende Basis“ für eine Fortsetzung der Gespräche. Kurz danach teilte AMS aber auch mit, dass eine Übernahme noch nicht vom Tisch ist. Osram selbst hatte sich gegen den AMS-Vorstoß gewehrt und favorisiert das bereits laufende Gebot von Bain Capital und Carlyle. Die beiden Unternehmen bieten 35 Euro je Anteil. Zuletzt hatte es aber starken Widerstand gegen das Gebot der beiden US-Unternehmen gegeben. So hatte sich in der vergangenen Woche mit der Allianz-Tochter AGI der größte Osram-Anteilseigner gegen die Offerte gestellt und angedroht, ihr Paket von rund neun Prozent der Anteile nicht anbieten zu wollen. Am Freitag (9. August) lehnte zudem die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) das Gebot ab. „Der Barabfindungspreis ist aus Sicht der SdK nicht angemessen.“

Bisher haben auch wenig Aktionäre ihre Anteile angeboten. Sie haben aber auch noch bis zum 5. September Zeit zum Überlegen – dann läuft die Annahmefrist ab. Für gewöhnlich werden bei Übernahmeprozessen die Anteile erst kurz vor Ablauf der Frist angeboten. Die US-Investoren haben sich jedoch selbst eine hohe Hürde gesetzt: Falls weniger als 70 Prozent der Aktionäre zustimmen, wollen sie die Übernahme abblasen. Der Sensorenhersteller aus der Steiermark setzt ebenfalls eine Schwelle bei 70 Prozent, die bis zum 5. September erreicht sein soll. AMS rechnet durch die Übernahme mit Synergien von 300 Millionen Euro jährlich. Ziel sei es, die Transaktion in der ersten Hälfte 2020 abzuschließen.

Betriebsrat und Gewerkschaft gegen feindliche Übernahme

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in schwieriges Fahrwasser geraten ist. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LEDs und Optoelektronik. Die wichtigsten Kunden sind Auto- und Smartphonehersteller. Da in beiden Branchen die Geschäfte derzeit schlecht laufen, ist der Beleuchtungshersteller hart getroffen. Osram und die IG Metall hatten das erste, damals noch unverbindliche AMS-Angebot im Juli als Versuch einer feindlichen Übernahme abgelehnt. Kritikpunkte waren die damals noch ungesicherte Finanzierung, zum anderen die offene Zukunft der deutschen Standorte mit ihren 6.000 Arbeitsplätzen – davon fast 4.000 in Regensburg und München. Osram-Vorstand, Aufsichtsrat und die IG Metall prüfen derzeit, ob es bei der Ablehnung bleibt.

Generell sind der Osram-Betriebsrat und die Gewerkschaften gegen eine feindliche Übernahme, da sie eine Zerschlagung des Unternehmens befürchten. Die Arbeitnehmervertreter haben dagegen keine grundsätzlichen Einwände gegen das US-Angebot, Bain Capital und Carlyle haben den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zugesichert. Hier hatte AMS jetzt auch ein Entgegenkommen angedeutet. Es gebe die Bereitschaft zu einer verbindlichen Vereinbarung mit Schutzklauseln und Zusagen für Mitarbeiter sowie weitere Investitionen in Deutschland, hieß es in der Mitteilung vom Sonntag (11. August).

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