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Jeep Grand Cherokee Andenken an Daimler

| Autor / Redakteur: SP-X / Jens Rehberg

Die im Ausverkauf befindliche, dritte Modellgeneration des Grand Cherokee gehört zu den unattraktivsten Alternativen im Segment. Weder Technik noch Qualität reflektieren den gehobenen Anspruch. Der Neue hat sich gebessert.

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Als der damalige Chrysler-Chef Bob Lutz 1992 mit dem ersten Jeep Grand Cherokee auf der Detroiter Automesse durch eine riesige, in tausend Stücke zerspringende Glaswand fuhr, erwuchs dem britischen Range Rover vielleicht erstmals adäquate Konkurrenz. Sportliches Design, starke Motoren und eine hervorragende Ausstattung positionierten den Grand Cherokee im Segment ganz oben. Einen BMW X5 oder eine Mercedes-Benz M-Klasse gab es damals noch nicht.

In den folgenden Jahren kamen neue Konkurrenten - etwa die zwei genannten - auf den Markt; gleichzeitig senkte Jeep-Konzernmutter Chrysler die Kosten, wo es ging. Die im Ausverkauf befindliche, dritte Modellgeneration des Grand Cherokee gehört zu den unattraktivsten Alternativen im Segment; weder Technik noch Qualität reflektieren den gehobenen Anspruch, der im deutschen Preisniveau ab 45.690 Euro Ausdruck findet. Die V8-Version kostet hier sogar stolze 61.890 Euro. Zum Vergleich: In Amerika kostet der Grand Cherokee mit Allradantrieb und V8-Motor – ohne die obligatorischen Rabatte – umgerechnet rund 32.500 Euro, die Einstiegsvariante mit 3,7-Liter-V6 und Heckantrieb sogar nur 24.000 Euro.

Pkw-ähnliche Architektur der kommenden M-Klasse

Das Nachfolgemodell ist in den USA sogar noch etwas billiger, dafür jedoch viel besser geworden als das bisherige Modell. Unter dem Blech steckt die Pkw-ähnliche Architektur der kommenden M-Klasse von Mercedes-Benz, die noch diesen Herbst enthüllt werden dürfte. Damit kommt der Grand Cherokee in den Genuss eines modernen Fahrwerks mit Mehrlenker-Hinterachse, Zahnstangenlenkung und vier groß dimensionierten Scheibenbremsen. So verbessern sich die Fahreigenschaften auf befestigtem Grund erheblich.

Die Geländetauglichkeit leidet darunter nicht – jedenfalls nicht, sofern der in den USA optionale Allradantrieb bestellt wird, den es in drei Ausbaustufen gibt. In Deutschland dürfte sich das Programm auf die höchste Ausbaustufe beschränken, die mit allerlei elektronischen Helferlein aufgerüstet ist.

Neben der technischen Basis hat Jeep auch das Interieur vollkommen erneuert. Die Armaturentafel wirkt hochwertig, fast überall werden weiche Materialien eingesetzt, die Luftausströmer sind dezent mit Chrom akzentuiert. Keine Spur mehr vom Hartplastik-Look des Vorgängers. Der variable Innenraum ist großzügig dimensioniert, und auf eine überflüssige dritte Sitzbank, die nur Gepäckraum gekostet hätte, wird dankenswerterweise verzichtet.

Einstieg bei 3,6 Litern

Große Neuerungen stecken unter der Motorhaube. Hier dient der frische Pentastar-V6 mit 3,6 Litern Hubraum als Einstiegsmotor. Das Aggregat leistet 294 PS, und damit fühlt sich der Grand Cherokee so agil an, dass es des nach wie vor angebotenen 5,7-Liter-V8 mit 365 PS (529 Nm bei 4.250/min) eigentlich nicht mehr bedarf, um zügig voranzukommen. Für Europa gibt es weiterhin einen von Mercedes-Benz zugelieferten 3,0-Liter-V6 mit rund 218 PS.

Krönung des Grand Cherokee-Programms wird indes die kommende Power-Variante SRT8, die mit einem auf 6,4 Liter Hubraum vergrößerten V8-Saugmotor und rund 550 PS dem Mercedes-Benz ML 63 AMG und dem BMW X5 M Paroli bieten soll. Den Spurt von 0 auf 100 km/h wird dieser Extrem-Geländewagen in bloß 4,5 Sekunden absolvieren. Ins schwere Gelände sollte man sich mit der entsprechenden Bereifung allerdings nicht mehr wagen.

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