Studie zur Reaktionszeit Anhalteweg: Lieber mal einen Kaffee trinken

Autor / Redakteur: Mario Hommen/SP-X, Thomas Günnel / Thomas Günnel

Geschlecht, Musikstil und Kaffee wirken sich offenbar auf die Länge des Anhaltewegs bei Autofahrern aus. Frauen und Rap-Fans stehen deutlich schneller als Männer oder Jazz-Liebhaber.

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Unter anderem kann der Kaffeegenuss den Bremsweg von Autofahrern verkürzen.
Unter anderem kann der Kaffeegenuss den Bremsweg von Autofahrern verkürzen.
(Bild: Daimler)

Je langsamer Autofahrer in Notsituationen reagieren, desto länger werden in der Regel die Anhaltewege. Eine vom britischen Online-Vergleichsportal „U Switch“ beauftragte Studie hat nun Faktoren untersucht, die sich darauf auswirken. Die deutlichste Wirkung zeigte dabei Kaffee.

Kaffee trinkende Frauen im Vorteil

Im Rahmen des Verhaltenstests wurden bei über 100 Probanden die Reaktionszeiten gemessen, die sie unter Einfluss von unterschiedlichen Faktoren haben. Anschließend rechneten die Forscher sie auf Geschwindigkeitsniveaus um.

Zum kürzesten Anhalteweg führte koffeinhaltiger Kaffee: 23,92 Meter weniger bei 112 km/h errechneten die Forscher. Ein Unterschied von 21,48 Metern zeigte sich zudem beim Geschlecht. Die weiblichen Probanden unterboten den Anhalteweg der Männer im Schnitt um diesen Wert. Die 112 km/h ergeben sich aus der Umrechnung von 70 Meilen, der erlaubten Höchstgeschwindigkeit auf britischen Autobahnen.

Musik vs. Anhalteweg

Die richtige Musik trägt ebenso dazu bei, rechtzeitig anzuhalten. R&B-Fans brauchten 4,24 Meter mehr bis zum Stillstand, verglichen mit Fahrern, die keine Musik hörten. Rap-Musik bei 112 km/h verkürzte dagegen den Anhalteweg am deutlichsten um 15,49 Meter.

Bei Techno waren es 5,15 Meter weniger, bei Heavy Metal 3,16 Meter, bei Klassik 2,79 Meter und bei Jazz 1,29 Meter. Auch die Geräusche lauter Kinder beeinflussen die Reaktionszeiten positiv. Waren Probanden dieser Klangkulisse ausgesetzt, kamen sie 13,49 Meter früher zum Stehen.

Wie lief der Versuch ab?

U Switch hat die Tests gemeinsam mit CX Lab durchgeführt, einem Unternehmen, das sich mit Verhaltensforschung beschäftigt. Die Probanden sahen am Bildschirm 16 Clips aus dem offiziellen „Hazard Perception Test“ der „Driver and Vehicle Standards Agency“. Die Teilnehmer mussten dabei auf einer Tastatur die Leertaste drücken, wenn sie eine Gefahr erkannten; die Reaktionszeit wurde aufgezeichnet.

Um den Ausgangswert festzulegen, fand der erste Test ohne Ton statt. Danach sahen die Probanden die 16 Clips mit unterschiedlichen Musikstilen und mit lärmenden Kindern. Schließlich absolvierten die Teilnehmer den Test 20 Minuten nachdem sie eine Tasse starken Kaffee getrunken hatten. Laut U Switch sahen die Teilnehmer dabei keinen Clip mehrmals.

Wer hat teilgenommen?

Am Experiment beteiligt waren 103 Teilnehmer im Alter ab 18 Jahren. Der Anteil von Frauen und Männern war gleichmäßig. 35 Prozent der Teilnehmer besitzen seit mehr als 25 Jahren einen britischen Führerschein, die Mehrheit fährt mindestens vier Mal wöchentlich. Das Experiment zur Reaktionszeit fand statt zwischen Dezember 2020 und Januar 2021.

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