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Karosserie Audi-Design: Das Ende des Einerlei

| Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Zu gleichförmig, zu verwechselbar und seit Jahren im Single-Frame gefangen – so richtig begeistern kann Audi mit seinem Design derzeit nicht. Doch seit 1. Februar brennt einer darauf, das zu ändern.

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Marc Lichte ist Designchef von Audi.
Marc Lichte ist Designchef von Audi.
(Foto: Audi)

Seinen ersten Arbeitstag bei Audi wird Marc Lichte wohl nie vergessen. Denn kaum war der neue Designchef aus Wolfsburg nach Ingolstadt gewechselt, stand er in einer gesichtslosen Hochsicherheitshalle am Stadtrand von Ingolstadt und ihm gegenüber waren fünf Entwürfe für den neuen A8 aufgereiht. „Ich war erst ein paar Stunden im Amt und musste schon die finalen Designentscheidung mit fällen“, erinnert sich der 45-Jährige an den Tag Anfang Februar – so kalt hätte er das Wasser nicht erwartet, in das ihn sein neuer Job geworfen hatte.

Doch ganz unvorbereitet war Lichte offenbar nicht. Weil sein Wechsel von VW zu Audi von langer Hand geplant war, sein Mentor der neue, alte Entwicklungschef Ulrich Hackenberg ist, dem der A8 als technologisches Aushängeschild besonders am Herzen liegt, hat er schon in Wolfsburg nach Feierabend ein bisschen an einer großen Limousine herumgetüftelt. Und dabei offenbar den Geschmack seiner künftigen Chefs ganz gut getroffen. „Denn von den fünf Vorschlägen wurde am Ende ausgerechnet meiner ausgewählt“, sagt Lichte und wirkt dabei stolz wie ein Schüler, der gerade eine Einser-Arbeit nach Hause getragen hat: „Wenn das mal kein gutes Omen ist.“

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Die Entscheidung für den A8 ist jetzt neun Monate her und seitdem ist es für Lichte kaum ruhiger geworden. Denn während er bereits an den ersten Skizzen für den nächsten A1 sitzt und sich ganz nebenbei Gedanken über neue Modelle für neue Segmente macht, hat er mal eben auch die Designs für A6 und A7 durchgewunken: „Drei wichtige neue Modelle in nur einem halben Jahr – so ein Tempo erlebt man nicht oft bei einem Autohersteller,“ wundert sich der Designchef über die ungewohnte Dynamik in seinem neuen Job.

Dass es bei den Bayern gerade Schlag auf Schlag geht, ist auch dringend nötig. Denn nicht nur die Ingenieure haben in den letzten Jahren offenbar Orientierung und Anschluss verloren und konnten so den Anspruch vom „Vorsprung durch Technik“ kaum mehr erfüllen. Sondern auch die Designer wirkten so, als wären sie in ihren eigenen Linien gefangen. Zwar hat kaum eine andere Premium-Marke in den letzten Jahren so viele Showstars auf die Messebühnen gerollt wie Audi.

Doch was am Ende in Serie ging, war allenfalls gehobener Durchschnitt, solides Handwerk, aber keine Kunst mehr: Zu gleichförmig, in den einzelnen Baureihen zu verwechselbar und seit Jahren im Single-Frame gefangen. Selbst Lichte räumt ein, dass es ihm bisweilen schwer fällt, verschiedene Modelle im Rückspiegel auseinander zu halten: „Wir sind zu verwechselbar geworden“, sagt der Designchef und will der Marke wieder mehr Charakter und den einzelnen Modellen mehr Charisma geben: Das Ende des Einerleis ist gekommen, so lässt sich seine Botschaft zusammenfassen.

Dabei setzt Lichte auf ein paar wenige Grundformen: Es bleibt bei einer ganz klaren, reduzierten Linienführung, die Proportionen werden noch wichtiger und sollen mit ihrer Ausgewogenheit das ausbalancierte Ideal vom Quattro-Antrieb visualisieren. Leichtbau wird auch optisch zum Leitmotiv und natürlich soll ein Audi immer schnell und sportlich aussehen. Ach ja, und der Single-Frame-Grill bleibt natürlich auch, weil er mittlerweile zum Gesicht von Audi geworden ist. „Aber er geht deutlich in die Breite und wird für jede Baureihe stärker variiert“, verspricht Lichte, und skribbelt ganz nebenbei ein paar ganz unterschiedliche Audi-Gesichter aufs Blatt.

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