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Wirtschaft Audi meldet Verlust – und kündigt „eine mittelgroße Revolution“ an

| Autor / Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Die Corona-Pandemie hat auch die VW-Tochter schwer getroffen. Aktuell scheint sich die Lage zu stabilisieren. Ein weiterer Stellenabbau ist für Audi-Chef Duesmann kein Thema – er trimmt die Entwicklungsarbeit mit dem Projekt Artemis gerade auf Geschwindigkeit.

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Audi schreibt im ersten Halbjahr 2020 einen Verlust von 750 Millionen Euro.
Audi schreibt im ersten Halbjahr 2020 einen Verlust von 750 Millionen Euro.
(Bild: Audi)

Die lange Schließung der Autowerke und Autohändler und der Einbruch der Kundennachfrage haben Audi tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Die VW-Tochter verkaufte im ersten Halbjahr weltweit 22 Prozent weniger Autos, der Umsatz fiel um 29 Prozent auf nur noch 20,5 Milliarden Euro, der operative Verlust betrug 750 Millionen Euro.

Seit Ende Juni werde an allen Standort weltweit wieder produziert, sagte Audi-Chef Markus Duesmann am Freitag (31. Juli) in Ingolstadt. Aber „trotz erster positiver Signale aus den Märkten bleibt das Jahr 2020 weiterhin extrem herausfordernd“, betonte Finanzvorstand Arno Antlitz. Für das Gesamtjahr erwarte der Vorstand eine weltweit geringere Nachfrage, deutlich weniger Umsatz und ein Betriebsergebnis „erheblich unter Vorjahr“, jedoch „klar positiv“. Im vergangenen Jahr hatte Audi 4,5 Milliarden Euro zum Betriebsgewinn des VW-Konzerns beigesteuert.

Audi: „Das ist eine mittelgroße Revolution“

Duesmann sagte, der Abbau von 9.500 Arbeitsplätzen in Ingolstadt und Neckarsulm sei schon im November und damit vor Ausbruch der Corona-Pandemie beschlossen worden. „Ich bin überzeugt, dass das für uns hinreichend ist. Darüber hinaus ist nichts geplant.“ Antlitz sagte: „Wir investieren beherzt in unser Produktprogramm und in die E-Mobilität. Wir können uns das leisten“, denn der Konzernverbund eröffne Synergien.

Das jüngst gestartete Projekt Artemis solle ein völlig neues Bordnetz für viele Fahrzeuge im VW-Konzern entwickeln und E-Autos „schnell an den Start bringen“, sagte Duesmann, der als VW-Vorstand auch die Forschung und Entwicklung des gesamten Konzerns leitet. Die gemeinsame Elektro-Plattform PPE von Audi und Porsche sei schon weit gediehen. Artemis laufe parallel und gehe viel weiter. Künftig würden die Baureihen nicht mehr „nach dem Blechkleid“ und der Länge der Fahrzeuge sortiert, sondern nach dem Stand der Bordnetze. „Das ist eine mittelgroße Revolution.“ Das Artemis-Team profitiere von hohen Konzern-Synergien und „schöpfe aus den Vollen der Technologien von Audi und des Konzerns. Eine erste Artemis-Vision will Audi nächstes Jahr vorstellen, das erste elektrische Serienmodell soll dann 2024 auf den Markt kommen – ausgestattet mit dem neuen Betriebssystem VW.OS.

Unter der Leitung von Duesmann soll die neugegründete Car.Software-Organisation, deren Hauptstandort der IN-Campus in Ingolstadt sein wird, den Software-Eigenentwicklungsanteil im VW-Konzern von heute 10 Prozent bis 2025 auf 60 Prozent steigern.

Audi will CO2-Vorgaben der EU einhalten

Audi wolle die CO2-Vorgaben der EU selbstverständlich einhalten, sagte Duesmann. Angesprochen auf die angekündigte Senkung des CO2-Ausstoßes bei BMW in den nächsten zehn Jahren, sagte er: „Wir haben ein ähnliches Ziel wie BMW.“ 2025 wolle Audi 20 batterieelektrische Autos anbieten.

Die Audi-Hauptversammlung am Freitag soll online auf Antrag von VW den Squeeze-out, also den Ausschluss der letzten noch verbliebenen Kleinaktionäre, beschließen. Diese halten gerade mal 0,4 Prozent der Aktien. Als Gegenleistung für die Übertragung der Aktien hat Volkswagen die Barabfindung auf 1.551,53 Euro je Audi-Aktie festgelegt – etwa 90 Prozent höher als der durchschnittliche Kurs in den vergangenen drei Monaten.

Duesmann warb für den Squeeze-out, der auch die Rolle von Audi im VW-Konzern stärke und den Anspruch „Vorsprung durch Technik“ neu auflade. Der Konzern müsse alle Kräfte bündeln, um die Synergien und Skaleneffekte auf ein neues Level zu heben sowie Abläufe vereinfachen und Strukturen verschlanken. Nur so könne man die größte Transformation in der Geschichte der Automobilindustrie erfolgreich stemmen.

Verhaltener Ausblick

„Wir starten mit robuster Liquidität in das zweite Halbjahr und setzen unseren Produktfahrplan konsequent um“, ergänzte Arno Antlitz. Er rechne mit einer deutlichen Erholung. Dabei zeige sich in den Märkten ein uneinheitliches Bild: In Europa (–29 Prozent) und in den USA (–22 Prozent) waren die Auslieferungen von Audi im Juni noch deutlich im Minus. In China hingegen zeichnet sich seit März eine signifikante Erholung der Nachfrage ab. Im Mai und Juni erzielte Audi dort jeweils Rekordwerte. Kumuliert lagen die Verkäufe mit einem Minus von drei Prozent nur noch leicht unter dem Vorjahr.

Weltweit hatte Audi im ersten Halbjahr 707.000 Fahrzeuge verkauft – etwa 200.000 Einheiten weniger als im Vorjahreszeitraum – und damit einen ähnlichen Rückgang wie die größeren Konkurrenten Mercedes-Benz und BMW verkraften müssen.

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