Motorsport-Engineering Audi R8 LMS: Die neue GT3-Geheimwaffe

Redakteur: Wolfgang Sievernich

Passend zum Serienfahrzeug hat Audi jetzt auch das Kundensport-Pendant des GT3-Sportwagens vorgestellt. Der Hersteller verspricht mehr Sicherheit und bessere Technik.

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Der neue R8 LMS wird bei den 24-Stunden-Rennen am Nürburgring und Spa 2015 Entwicklungseinsätze unter Werksflagge bestreiten.
Der neue R8 LMS wird bei den 24-Stunden-Rennen am Nürburgring und Spa 2015 Entwicklungseinsätze unter Werksflagge bestreiten.
(Foto: Audi)

Audi hat in Genf die Serienversion des neuen R8 Sportwagens vorgestellt. Zeitgleich hat Audi Sport nun den neuen Kundensport-Rennwagen der Weltpresse präsentiert, der fünf Jahre nach dem Debüt seinen Vorgänger Mitte 2015 ablösen soll. Den Start der Entwicklungsphase auf der Rennstrecke wird Audi Sport selbst vornehmen und die 24-Stunden-Rennen Nürburgring und Spa eigenständig verantworten. Ende 2015 sollen die ersten Fahrzeuge dann an Kunden ausgeliefert werden. Diese Strategie absolvierte der Hersteller auch beim aktuellen Modell und sicherte sich damit wichtige Entwicklungsergebnisse, um eventuelle Kinderkrankheiten möglichst von den Kundenfahrzeugen fern zu halten.

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Verbesserte Sicherheit

Beim Thema Sicherheit hat Audi Sport vom Le Mans-Prototypen gelernt und im Heck des R8 LMS erstmals ein CFK-Crashelement installiert, dass den Anforderungen an die Crashtest-Anforderungen der LMP-Prototypen genügt. Ebenfalls aus dem LMP-Werkssport hat man den Audi Protection Seat PS 1 übernommen, der fest mit dem Chassis verbunden ist und dadurch über eine steifere Festigkeit verfügen soll. Ein schnell verstellbares Fußhebelwerk und eine in Höhe und Länge verstellbare Sicherheitslenksäule sollen eine vielseitige Anpassung an den jeweiligen Fahrer ermöglichen und damit speziell Langstrecken-Piloten helfen. Sollten die Türen während eines Unfalls blockiert sein, kann man den Piloten künftig auch über eine Bergeöffnung im Dach aus dem Fahrzeug befreien. Diese Technologie haben die Techniker sowohl aus der DTM, als auch aus den USA übernommen, wo sie bei den Daytona-Prototypen schon seit Jahren angewendet wird.

Reduziertes Gewicht

Beim Rennwagen spielt das Gewicht wohl die wichtigste Rolle im Kampf um Sekunden und den Sieg. Hier konnte der Hersteller 25 Kilogramm gewinnen und senkte das Basisgewicht von 1.250 auf 1.225 Kilogramm. Der Materialmix aus Aluminium im Space Frame Chassis, einer CFK-Strukturkomponente und dem Stahl-Überrollkäfig soll das Chassis rund 30 Kilogramm leichter machen und nun 252 Kilogramm wiegen. Zugleich gibt Audi an, dass die Torsionssteifigkeit des tragenden Rahmens um 39 Prozent gestiegen sei.

Lange Wartungsintervalle

Wie schon beim Vorgänger vertraut die Kundensportabteilung auf den V10-Motor mit 5,2 Liter Hubraum und 430 kW (585 PS) aus dem Serienfahrzeug, wie es im GT3-Reglement vorgeschrieben ist. Der Revisionsintervall beträgt von 20.000 Kilometer und setzt sich vom Wettbewerb deutlich positiv ab. Neu sind dagegen Rennsport-Querlenker, ein leichteres Sechsgang-Getriebe mit Wippenschaltung, der bisherige Radsatz für eine variable Gesamtübersetzung („drop gear“) entfällt. Ein Bosch MS 6.4, Traktionskontrolle und die Software für die elektrohydraulische Schaltung wurden ebenfalls neu entwickelt. Neu ist auch eine Powerbox. Sie soll den traditionellen Sicherungskasten ersetzen und individuelle Lasten und Szenarien definieren helfen.

Audi R8 LMS GT3 2015

Fokus auf Aerodynamik

Im Gegensatz zum aktuellen R8 LMS ultra hat man beim Nachfolger erstmals einen voll verkleideten Unterboden und einen konzeptionell integrierten hinteren Diffusor eingesetzt. Damit ist ein kleinerer Heckflügel möglich, der weniger Luftwiderstand produziert und dennoch Abtrieb erzeugt. Die nach hinten geöffneten Radhäuser der Vorderräder besitzen einen größeren Querschnitt und sollen zur Verbesserung des Luftflusses beitragen. Um höheren Aussentemperaturen vorzubeugen wurde der Luftdurchsatz und die Kühlfläche des Wasserkühlers im Vorderwagen um zehn Prozent vergrössert. Um die Innenraumtemperaturen zu senken, hat Audi zudem die Frischluftzirkulation im Cockpit verbessert. Bei einem Tempo von 200 Stundenkilometer soll der Luftdurchsatz nun 250 Liter pro Sekunde betragen.

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