Neue Modelle Audi SQ7 TDI: Sportler mit drei Ladern

Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Claus-Peter Köth

Weltpremiere in Ingolstadt. Audi präsentierte erstmals auf einer Jahrespressekonferenz ein neues Modell: den SQ7 TDI. Hinzu kommt das in Genf vorgestellte Einstiegsmodell Q2. Weitere Mitglieder der SUV-Familie stehen auf der Aufgabenliste.

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Audi hat das Konzept der S-Modelle auch beim SQ5 mit Dieselmotor erfolgreich umgesetzt. In der Q7 Baureihe führen die Ingolstädter dies jetzt mit dem SQ7 TDI weiter – mit einem V8-TDI-Motor, 320 kW/435 PS aus vier Litern Hubraum und 900 Newtonmetern maximalem Drehmoment.
Audi hat das Konzept der S-Modelle auch beim SQ5 mit Dieselmotor erfolgreich umgesetzt. In der Q7 Baureihe führen die Ingolstädter dies jetzt mit dem SQ7 TDI weiter – mit einem V8-TDI-Motor, 320 kW/435 PS aus vier Litern Hubraum und 900 Newtonmetern maximalem Drehmoment.
(Foto: Audi)

Die große Q7-Baureihe, die im Jahr 2015 in der zweiten Generation auf den Markt kam, erhält nun mit dem SQ7 TDI einen Ausnahmesprinter wie Usain Bolt, nur etwas schneller: Das SUV beschleunigt in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Hinzu kommt als Einstiegsmodell das auf dem Autosalon in Genf vorgestellte Kompakt-SUV Q2. Weitere Mitglieder der Q-Familie stehen noch auf der Aufgabenliste von Audi: folgen sollen 2018 ein sportlicher SUV mit Elektroantrieb und 500 Kilometer Reichweite im Segment der oberen Mittelklasse sowie im Jahr 2019 der große Q8.

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Der Ausbau der SUV-Familie fußt auf dem weltweit anhaltenden Absatzwachstum der Sport Utility Vehicles. Bei Audi machten sie 2015 einen Anteil von 30 Prozent des Rekordabsatzes aus, der bei über 1,8 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen lag. Stieg der Absatz von Audi-Modellen gegenüber 2014 insgesamt um 3,6 Prozent, schoben Q3, Q5 und Q7 das SUV-Ergebnis um sechs Prozent nach oben. Insgesamt verkauften die Ingolstädter 2015 rund 540.000 SUV, davon in Europa 184.000 Modelle (plus elf Prozent); eingeschlossen Deutschland, wo fast 54.000 SUV (plus zehn Prozent) neu zugelassen wurden. Bestseller bei Audi ist der Q5, den 2015 weltweit rund 267.000 Kunden übernahmen, ein Plus von fast acht Prozent. Der Q3 fand etwa 200.000 Käufer (plus ein Prozent) und der Q7 mehr als 71.000 (plus 14,5 Prozent). Der neue kompakte Q2 soll ab Spätherbst und der jetzt präsentierte SQ7 TDI in Europa im Sommer die Absatzambitionen von Audi im anhaltend wachsenden SUV-Weltmarkt untermauern.

Volles Drehmoment ab 1.000 U/min

Audi hat das Konzept der „Leistungssportler“, ihrer S-Modelle, auch beim SQ5 mit Dieselmotor erfolgreich umgesetzt. In der Q7 Baureihe führen die Ingolstädter dies jetzt mit dem SQ7 TDI weiter. Und das mit einem V8-TDI-Motor, der 320 kW/435 PS aus vier Litern Hubraum schöpft und ein maximales Drehmoment von 900 Newtonmeter auf die Kurbelwelle stemmt. Diese Kraft überträgt die neu konzipierte Achtstufenautomatik Tiptronic, die die Gänge extrem schnell wechselt und bei höheren Geschwindigkeiten im Motorleerlauf das Segeln beinhaltet. Das Herzstück des permanenten Allradantriebs des SQ7 TDI quattro ist das kompakte und leichte selbstsperrende Mittendifferenzial. Für den bärenstarken Antrieb des V8 TDI verspricht Audi, dass dieser im Verbrauch dem eines Sechszylindermotors entspricht: Im EU-Fahrzyklus NEFZ begnüge er sich mit 7,4 l/100 km, entsprechend einer CO2-Emission von 194 g/km. Mit seiner hohen Leistung und dem riesigen Drehmoment, das von 1.000 U/min bis 3.250 U/min anliegt, beschleunigt der SQ7 TDI in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit begrenzt die Elektronik auf 250 km/h.

Drei Lader im Zusammenspiel

Meisterliches im Sprint hat der SQ7 TDI bereits bewiesen. Die Zeit, die Usain Bolt locker auf 100 Metern läuft, reicht dem SUV für die dreifache Strecke. Im 300-Meter-Sprint gegen einen Alfa Jet mit rund 7.500 kW/10.000 PS spurtete er auf einem Flugplatz in elf Sekunden über die Distanz. Der Militärjet brauchte 0,4 Sekunden länger. Garant für das Spurtvermögen ist das Aufladekonzept des komplett neu entwickelten 4,0-l-V8-Dieselmotors, bei dem drei Lader zusammenwirken. Die zwei Abgasturbolader des V8 TDI arbeiten selektiv zusammen. Bei niedriger und mittlerer Last wird nur ein Turbolader angeströmt, die zweite Turbine kommt erst bei höheren Lasten dazu. Das steuert das Audi Valvelift System (AVS), das bei den Ventilen den Hub in zwei Stufen öffnet und schließt, mit jeweils zwei Nockenkonturen je Ventil an der Einlass- und Auslassnockenwelle. Auf der Einlassseite unterstützt eine Nockenkontur das Anfahren in Verbindung mit dem EAV, während die andere die Zylinderfüllung und somit die Leistung bei hohen Drehzahlen optimiert. Das geschieht, in dem die Abgase der zwei Auslassventile hermetisch getrennt sind und je einen der zwei Turbolader versorgen. Im unteren Drehzahlbereich bleibt ein Ventil je Zylinder geschlossen, sodass der volle Abgasstrom den aktiven Turbolader versorgt.

Turboloch ade!

Wenn Last und Drehzahl steigen, öffnet das AVS das jeweils zweite Auslassventil. Dadurch wird der zweite Abgasturbolader angeströmt und dazugeschaltet. In diesem Biturbo-Betrieb erreicht der Motor seine maximale Leistung. Die Umschaltung durch das AVS ermöglicht eine schnelle und präzise Zuschaltung der zweiten Abgasturbine. Das i-Tüpfelchen ist der gemeinsam mit dem Zulieferer Valeo entwickelte elektrisch angetriebene Verdichter (EAV). Er beatmet im unteren Drehzahlbereich ab 1.000 U/min die Zylinder und gewährleistet in Kooperation mit den zwei Turboladern so die hohe Anfahrdynamik des SQ7 – Fazit: Turboloch ade. Der weltweit erstmals in einem Serienmotor zum Einsatz kommende elektrisch angetriebene Verdichter ist in der Ansaugluftstrecke hinter dem Ladeluftkühler nah am Motor platziert. Da der EAV keine Abgasenergie zur Beatmung der Zylinder benötigt, kann er jederzeit eingesetzt werden. So komprimiert und liefert der EAV in weniger als einer Viertelsekunde die notwendige Luftmasse in die Zylinder zur dynamischen Kraftentfaltung des V8 TDI. Dabei arbeitet sein Verdichterrad mit einer Drehzahl, die 70.000 U/min erreichen kann. Für diesen Kraftakt verbraucht der EAV maximal 7 kW Leistung, die das 48-Volt-Teilbordnetz bereitstellt.

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48-Volt-Teilbordnetz und Wankstabilisierung

Ohne die 48-Volt-Batterie mit 470 Wh Energieinhalt gäbe es im SQ7 TDI keinen elektrisch angetriebenen Verdichter. Die sogenannte Spitzenleistung von 13 kW ist mit einer herkömmlichen Starterbatterie nicht zu realisieren. So kann beispielsweise die größte 12-Volt-Bleibatterie bei Audi während der Fahrt nur 2 kW bis 3 kW bereitstellen. Deshalb gibt es beim SQ7 TDI ein 48-Volt- und ein 12-Volt-Bordnetz. Das 48-Volt-Teilbordnetz ist auch für die dritte Weltneuheit im SQ7 Voraussetzung: die gemeinsam mit Schaeffler entwickelte elektromechanische aktive Wankstabilisierung, kurz EAWS. Sie erhöht den Fahrkomfort und die Sportlichkeit des SQ7. Gegenüber der konventionellen hydraulischen Wankstabilisierung bringt die EAWS mehr Kraft auf, arbeitet schneller und ist schon bei niedriger Geschwindigkeit aktiv.

Beim EAWS trennt ein kompakter E-Motor mit einem dreistufigen Planetenradgetriebe die beiden Hälften des Stabilisators. Gemeinsam mit dem Getriebe bringen die E-Motoren stufenlos ein Moment bis 1.200 Nm auf und brauchen dafür bis zu 3 kW Leistung. Damit werden bei unebener Fahrbahn die Rohrhälften aktiv voneinander entkoppelt und der Fahrkomfort gesteigert. Bei sportlicher Fahrweise werden die Rohrhälften zusammengeschaltet und gegeneinander verdreht. Das reduziert deutlich die Seitenneigung der Karosserie – die sogenannte Wankbewegung. Damit bewältigt der SQ7 eine höhere Querbeschleunigung und bietet mehr Sicherheit bei Kurvenfahrten.

Dies und die Allradlenkung in Verbindung mit sportlich direkter Vorderachslenkung bestimmen laut Audi die ausgeprägte Fahrdynamik und Handlichkeit. Bei der Allradlenkung schlagen die Hinterräder bis zu fünf Grad ein. Sie erleichtert das Parken. Die direktere Vorderachs-Lenkübersetzung steigere die Fahrdynamik. Je nach Situation lenken Hinterräder gegen- oder gleichsinnig zu den Vorderrädern mit und steigern so Dynamik und Stabilität. Alle relevanten Fahrwerksfunktionen bündelt ein zentrales Steuergerät. So lassen sich laut Entwickler die jeweiligen Funktionen untereinander optimal vernetzen und abstimmen.

Fahrerassistenz überall

Zahlreiche Assistenzsysteme bestimmen Sicherheit, Komfort und Fahrspaß. Audi bietet in allen Modellen der Q7-Baureihe nach eigenen Angaben das größte und aktuellste Angebot an Fahrerassistenzsystemen, Connectivity und Infotainment am Markt: insgesamt 24 Systeme. Nicht alle gehören zur Serienausstattung des SQ7 TDI. Dieser startet in Deutschland ab 89.900 Euro. Er wird als Fünf- und Siebensitzer angeboten. Die Grundausstattung sei um 10.000 Euro höherwertiger als das Q7-Basismodell, so Audi. Bei den angebotenen Sonderausstattungen prescht der Fahrzeugpreis analog zum Beschleunigungsvermögen des SQ7 TDI allerdings blitzschnell über die 100.000-Euro-Linie.

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